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SLAMDUNK Germany 2026 in Oberhausen: Hitzeschlacht zwischen Hardcore und Hallensauna
Willkommen in der Turbinenhallen-Sauna
Das erste SLAMDUNK GERMANY machte am Freitag, den 29. Mai, erstmals Halt in Oberhausen — und bekam direkt die volle Ruhrpott-Sommerdröhnung ab. Schon zum Einlass um 17 Uhr lagen die Temperaturen jenseits der 30 Grad und verwandelten die gesamte Halle rund um die Turbinenhalle in einen einzigen Kessel. Dass später noch ein Gewitter vorbeizog, war ungefähr so hilfreich wie ein Teelöffel Wasser auf einem Waldbrand. In den Hallen blieb es schlicht absurd heiß.
Und mit heiß meinen wir nicht „hach ja, bisschen warm“. Wir reden von klatschnassen Shirts nach zwei Songs, tropfenden Decken (fairerweise liegt das vielleicht auch an der ein oder anderen undichten Stelle in der Decke) und dieser Luftfeuchtigkeit, bei der man sich fragt, ob man gerade auf einem Festival oder in einem Gewächshaus steht. Nassgeschwitzt war hier der kollektive Zustand aller Anwesenden.
Schleppender Start in den Tag
HOLY WATER und auch SHORELINE spielten jeweils vor eher überschaubarem Publikum – das Festival startete an einem Freitag um 17:30 Uhr, was einige zu einer späteren Anreise zwang. Ich selbst schaffte es aufgrund der Arbeit erst zu SHORELINE und war froh, es geschafft zu haben. Ich hatte die Band live noch nicht gesehen und die Stimmung hätte so früh am Abend nicht besser sein können. Einziges Mankno: Das Licht war echt nicht gut. Aber: Die halbe Stunde in der heißen Halle hatten es bereits in sich und so war es ein Glück, dass es zwischen den Acts stets genug Zeit gab, um sich etwas zu Trinken zu besorgen.
Zwei Bühnen, keine Überschneidungen — endlich denkt mal jemand mit
Hier kommen wir auch gleich zu einem der großen Pluspunkte des Festivals. Das Line-up war auf zwei Bühnen verteilt, ohne dass sich die Spielzeiten überschnitten. Zwischen den Sets blieben jeweils etwa zehn Minuten Zeit, um entspannt rüber in die Turbinenhalle 2 zu wechseln. Gerade bei diesen Temperaturen war das Gold wert.
Die beiden miteinander verbundenen Industriehallen gehören ohnehin seit Jahren zum Ruhrgebiets-Inventar für Konzerte aller Art. Wer hier regelmäßig unterwegs ist, kennt den Vibe: rohe Wände, dunkle Gänge, ein bisschen Industriecharme und immer leicht das Gefühl, gleich irgendwo über ein verlorenes Bier oder einen Crowdsurfer zu stolpern.
Ich persönlich habe mir den permanenten Hallenwechsel allerdings irgendwann bewusst gespart. Ich persönlich kenne meine Grenzen— und meine liegen irgendwo deutlich vor „komplett dehydriert im Circle Pit kollabieren“. Während die emo-lastigeren Bands in Halle 2 liefen, hieß es deshalb zwischendurch eher: rausgehen, Luft schnappen, Wasser trinken und kurz wieder zu einem funktionierenden Menschen werden.
Boston Manor liefern, Paleface Swiss zünden alles an
BOSTON MANOR konnten dafür mal wieder komplett überzeugen. Auch wenn die Briten inzwischen eher im melodischeren Alternative-/Pop-Punk-Kosmos unterwegs sind und nur noch einzelne Metalcore-Reste mitschleppen, war die Halle hier schon ordentlich am Beben.
Richtig unangenehm eng wurde es dann allerdings bei PALEFACE SWISS— und das im wahrsten Sinne des Wortes. Natürlich hatten die Schweizer wieder genug Feuer für mehrere Fondue-Abende im Gepäck. Vorsicht: Stichflamme.
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Spätestens hier war klar, dass der große Vorteil der fehlenden Überschneidungen langsam zum Problem wurde. Denn wenn wirklich ALLE gleichzeitig einen der Top Acts des Abends sehen wollen, drückt es sich in der Turbinenhalle plötzlich ziemlich unangenehm – und das obwohl das Festival weit weg von ausverkauft war. Spätestens hier kam mir der Gedanke, dass man sich den Luxus Überschneidungen zu vermeiden bei einer ausverkauften Halle vermutlich nicht hätte leisten können.
Aber man muss es ihnen lassen: Wenn jemand weiß, wie man eine Halle kontrolliert eskalieren lässt, dann die Schweizer Ex-Cavemen Garde.
Knocked Loose und komplette Eskalation
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Dass KNOCKED LOOSE den Laden am Ende endgültig zerlegen würden, war eigentlich schon vorher klar. Frisch von der METALLICA-Tour ging es für die Hardcore-Schwergewichte direkt weiter nach Oberhausen, bevor nun auch die europäische Festivalsaison komplett anläuft.
Und genau so sah das dann auch aus.
Die Stimmung war wild, der Pit eine Mischung aus Kriegsgebiet und Gruppentherapie. Blutige Nasen, verlorene Brillen, zerstörte Handys — business as usual. Wer da freiwillig mitten reinläuft, sollte vorher vielleicht nochmal seine Krankenversicherung checken.
Ich persönlich hab mich nach den ersten drei Songs ziemlich schnell vom Fotograben ans Ende der Halle begeben, um sowohl mich, als auch mein Equipment zu schützen. Strategischer Rückzug mit Weitblick – denn in der Turbinenhalle kann man auch von hinten erstaunlich gut sehen. Schade war allerdings, dass die Empore nicht geöffnet war. Spätestens zu KNOCKED LOOSE hätte es sich angeboten, auf diese Weise das Publikum zu entzerren und Zuschauern die Möglichkeit zu geben die Show zu genießen, ohne ungewollt eins auf die Zwölf zu kriegen.
Schwieriger Start für die Premiere
Das Festival war alles in allem gut organisiert – nichtsdestotrotz fielen die Startschwierigkeiten natürlich auf. Dass die Vorverkäufe hinter den Erwartungen blieben, hat sich bereits früh rumgesprochen und dürfte für den Veranstalter erst mal kein Win sein.
Die Gründe dafür waren allerdings recht absehbar:
1. Das Festival fand ab Freitag Nachmittags statt. Viele Leute im Ruhrgebiet arbeiten bis 17:30 Uhr oder gar 18 Uhr standardmäßig. Manche sogar länger. Und ja, nicht immer kann man Urlaub nehmen. Das wird zum einen dafür gesorgt haben, dass einige erst später am Abend dazustießen und für andere wird das Festival dadurch wohl ausgeschlossen gewesen sein.
2. Das Festival eine Woche vor Rock am Ring/Rock im Park zu veranstalten ist grundsätzlich keine gute Empfehlung. Wieso man sich für dieses Datum entschieden hat, kann man nur mutmaßen. Das Original in UK war ja bereits lange angekündigt, bevor die Europa Ableger publik wurden. Ob es jetzt daran lag, möglichst mit allen Ablegen in einer Reihe zu sein oder ob an einem anderen Tag nichts mehr frei war, weil das Ding recht spät gebucht wurde – reine Mutmaßung. Das RaR und RiP allerdings sehr viele Leute aus NRW zieht und lange im Vorfeld von den Besuchern geplant wird, wird das Festival für viele schlichtweg nicht attraktiv gewesen sein. Ein anderer Teil wird sich das finanziell so kurz nacheinander wohl nicht leisten haben können.
3. Die Preiskategorien waren abschreckend. Das muss man einfach ehrlich so klar sagen. Bei Gesprächen im Freundeskreis, war der Preis und auch die Stufen häufig ein K.O Kriterium und kein Anreiz. Verknappungen ziehen in einer Krise einfach weniger. Wenn ich jetzt gerade kein Geld habe, um mir das Early Bird Ticket zu kaufen und es schon die nächste Preisstufe gibt, wenn die finanziellen Mittel dann da sind, ist das nicht förderlich. Ja, Live Events werden teurer. Man muss aber auch sagen: Ein Abend in der Turbinenhalle mit 3-4 Bands von ca. 18-23 Uhr ist ziemlicher Standard und kostet häufig nicht so viel in diesem Musik-Genre. Das muss man offen drüber sprechen. Für das Line Up war der Preis für viele einfach nicht zu rechtfertigen (zumal man im Ruhrgebiet die Erinnerung ans Impericon Festival im Hinterkopf hat). Und da müssen wir offen drüber sprechen.
Viel Potenzial, aber definitiv Luft nach oben
Die Befürchtung liegt nahe, dass der Veranstalter das SLAMDUNK Germany ggf. als gescheitertes Experiment einstuft und künftig nicht noch mal durchführt. Das wäre allerdings zu kurz Gedacht, denn auch wenn der Festivalmarkt angespannt ist, gibt es hier Potenzial. Die oben genannten Kritikpunkte lassen sich einfach aus der Welt räumen und lösen. Zumal es faktisch durch den Wegfall des Impericon Festivals eine Lücke gibt, die das SLAMDUNK künftig füllen kann. Dafür müsste es allerdings einen Monat früher stattfinden.
Die Bandauswahl war mal etwas anderes, das Konzept mit den zwei Bühnen war angenehm entspannt und die Stimmung gerade bei den großen Acts komplett drüber — genau so, wie man es sich bei einem Festival dieser Szene eigentlich wünscht.
Am Ende verließen die Besucher die Turbinenhalle rundum glücklich: komplett verschwitzt, leicht dehydriert und mit mindestens einem blauen Fleck mehr als vorher. Also eigentlich genau so, wie man ein gutes Hardcore-Festival verlässt.
Also SLAMDUNK – komm nächstes Jahr gern wieder!
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