Streifschuss-Perlen im Metal 2016: Teil 1

Mein lieber Schwan, was hat das Jahr 2016 alles für Highlights im Metal ausgespuckt. 2015 war für mich eher schwach besetzt. Dennoch glänzten in den letzten (knapp) 365 Tagen so einige Bands, welche aber noch nicht erwähnt wurden. Dem muss schleunigst entgegengewirkt werden! Zeit, eine neue Serie zu starten, in der wir gleich mehrere Bands behandeln und Artisten beleuchten. Falls ihr euch also fragt, weshalb die Rezi zur neuen SODOM oder anderen Konsorten ausblieben, dann muss ich euch leider enttäuschen. Viele von den großen Bands wurden schon ausreichend gefeiert, gehypet oder verrissen.

Ist es nicht spannender, den Underground nach dem nächsten Juwel zu durchforsten?

Verkannte Metal-Bands

SACRIFICIO – Guerra Eterna
Veröffentlichungsdatum: 09.12.2016
Dauer: 34:24 Min.
Label: Nuclear War Now! Productions                                                                                                                                                                                                                                                      Stil: Black Metal

Da muss noch mehr Eisen um die Wampe: SACRIFICIO

Ich kann mich noch genau an das erste (gleichnamige) Demo erinnern. Es klang dermaßen rumpelig und amateurhaft. Obwohl gestandene Musiker von PROCLAMATION dahinterstehen, lies es mir die Zähne faulen. Zwei Jahre später kommen die Spanier am 9. Dezember mit einem dermaßen starken Debütalbum um die Ecke, dass jeder Black/Death Metal-Liebhaber der ersten und auch zweiten Welle vor Freude Luftsprünge macht. 80er-Jahre-Referenzen an BATHORY werden wach, HELLHAMMER lassen grüßen und VULCANO aus Brasilien dürften den Jungs auch nicht unbekannt sein. Das bedeutet Doublebassangriffe aus vollen Rohren, aufheulende Gitarren und rotzig geknurrte Vocals in der eigenen Sprache.

 

YEAR OF THE COBRA – In The Shadows Below
Veröffentlichungsdatum: 28.10.2016
Dauer: 43:29 Min.
Label: STB Records                                                                                                                                                                                                                                                                  Stil: Stoner/Doom Metal

YEAR OF THE COBRA klingen auch zu zweit mächtig

Überaus pummelig und fett knarzend drücken YEAR OF THE COBRA ihr erstes vollwertiges Werk aus den Boxen. Einflüsse von WEEDEATER kann man im Sound klar erkennen. Dazu noch eine Menge Fuzz/Wah-Wah-Effekte und voilà! Wir haben ein eingängiges Stück Stoner Doom. Die Songtitel lassen zwar klischeebehaftete Spekulationen wahr werden, aber der Gesang von Amy Tung Barrysmith kleidet wie Valium die kriechenden Stücke perfekt aus. Dieses Duo aus den Staaten bietet eine Menge an Potenzial. Hoffentlich verglüht dieser Stern nicht zu schnell. Gerade weil das Ganze mörderisch nach vorne geht und der Gesang einen schönen Gegenpol bietet, ist da noch lange nicht alles gesagt.

 

DAWNBRINGER – XX
Veröffentlichungsdatum: 23.02.2016
Dauer: 19:57 Min.
Label: Profound Lore/Independent                                                                                                                                                                                                                                         Stil: Heavy Metal

DAWNBRINGER sind tot, lang leben DAWNBRINGER! Nach 21 Jahren ist leider der Ofen bei den Heavy Metal-Wundern aus. Was bleibt, ist eine EP zum Abschied und 6 teilweise brillante Alben, die Hard Rock und Heavy Metal der 80er zu einer fantastischen Mischung vereinen. Unfassbar, was Tausendsassa Chris Black noch einmal in diesen 20 Minuten an Gefühlen freisetzen kann. Superbe Gitarrenarbeit, Chris‘ unvergleichliche Stimme und eine große Hitdichte machen diesen letzten Output zu einem würdigen Abschluss. Jeder, der sich Metal-Head schimpft, jeder, der Heavy Metal lebt und von Bands wie SLOUGH FEG nicht genug bekommen kann, MUSS zuschlagen.

 

ROBERT PEHRSSON’S HUMBUCKER – Long Way To The Light
Veröffentlichungsdatum: 04.11.2016
Dauer: 29:34 Min.
Label: High Roller Records                                                                                                                                                                                                                                                            Stil: Classic Rock

Steht für energiegeladenen Rock: Robert Pehrsson

Schweinegeiler Rock aus Schweden, den man einfach laut im Auto auf der Straße laufen lassen muss! Klassischer 70er-Jahre-Kram trifft auf neuzeitiges Feeling. Tightes Schlagzeugspiel erzeugt punktgenaues Kopfnicken und lässige Plektrumschwenker pumpen die gute Laune wie von alleine in dein Blut. Herrlich unaufgeregtes Songwriting, welches auf das Nötigste entschlackt wurde. Es erinnert an gute alte Zeiten und ist somit die perfekte Beschallung für alle Rockfestivals, sowie jede Party. Egal ob im Death Metal (DEATH BREATH), oder im Rotzrock (IMPERIAL STATE ELECTRIC). Was der Robert anfasst und bearbeitet, hat immer Klasse und wird nie schlecht ausfallen. Also schwingt euch in eure Lederhosen, startet die Maschine und lasst eure Bärte zu der Musik von „Long Way To The Light“ wehen.

 

UNIVERSE217 – Change
Veröffentlichungsdatum: 18.03.2016
Dauer: 43:34 Min.
Label: Ván Records                                                                                                                                                                                                                                       Stil: Experimental Doom Metal

Eine griechische Doom-Band mit Frau am Gesang? Das gibt es? Na klar! 10 Jahre konnten die Männer um Frontfrau Tanya sich vor mir verstecken. Aber am Ende gab es kein Entkommen. Massive Doom-Canyons paaren sich mit experimentierfreudigen Musikern. Über dieser eindrucksvollen Aussicht thront die Sängerin mit einem großartigen rauen Organ. Dabei bietet sie mit erwachsenen Texten einen schönen Gegenspieler zu all den Kirmeshexen, die natürlich alle okkult (das neue „trve“ sozusagen) daherlabern. Das erinnert sogar manchmal an IN THE WOODS und hat doch etwas Unverkennbares. Wenn du deine Scheuklappen zur Seite packst und dir Zeit für das Album nimmst, soll es nicht dein Schaden sein.

 

ETERNAL CHAMPION – The Armor Of Ire
Veröffentlichungsdatum: 27.09.2016
Dauer: 34:18 Min.
Label: No Remorse                                                                                                                                                                                                                                         Stil:NWOBHM/Heavy Metal

Sie machen ihren Vorbildern alle Ehre: ETERNAL CHAMPION

„Früher war alles besser“, nölte der Großvater mir in die Ohren und heute entdecke ich an mir selber solche Züge. Für alle, die in den 80ern den besten Metal entdeckt haben, ist das hier eine wahre Wundertüte. ETERNAL CHAMPION bestehen aus relativ unbekannten (ja auch mir!) Musikern, die sich geschworen haben, den Vorbildern MANILLA ROAD und BROCAS HELM ein Denkmal zu setzen. Das erkennt man sofort am liebevoll gestalteten Cover und Artwork. Klar, das schaut natürlich ein wenig protzig aus. Zu hören gibt es stampfende Hymnen mit tollen Midtempo-Elementen. Dazu gesellt sich der eigensinnige und dennoch tolle Gesang von Jason Tarpey. Kein Gejaule, das Fensterscheiben zerschellen lässt, aber doch sehr melodiös. „Mächtig gewaltig, Egon!“, würde wohl einer der Olsenbande sagen.

 

DEATHSPELL OMEGA – The Synarchy Of Molten Bones
Veröffentlichungsdatum: 08.11.2016
Dauer: 29:12 Min.
Label: Norma Evangelium Diaboli                                                                                                                                                                                                             Stil: Black Metal

Schiere Boshaftigkeit trifft auf komplexe Strukturen à la GORGUTS oder ULCERATE. Mathematische Formeln formen sich zu einer alienhaften Macht, die verstörend und unwiderstehlich zugleich ist. Rätselhafte, philosophische Texte treffen auf existenzielle Fragen. Der vertonte Zwist des Menschen und seinen Religionen. Mit ihrem neuen Album stellt die franko-finnische Institution unmissverständlich klar, wer der Platzhirsch im Stall der verrücktesten und zugleich intelligentesten (Black) Metal-Bands ist. Auf das DEATHSPELL OMEGA noch lange existieren und die Tiefen der Dunkelheit weiter ausloten. Am besten bei absoluter Dunkelheit über Kopfhörer antesten.


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