SUBWAY TO SALLY – Nackt und Rot

Nachdem SUBWAY TO SALLY schon selbst ans Aufhören dachten, haben sie dennoch ein weiteres Album veröffentlicht. Nicht nur das, auch ihre Eisheilige Nacht wird fortgeführt. Und ganz nebenbei haben sie in diesem Jahr nach 17 Jahren erneut ihre Akustiktour Nackt begangen. Ich war in Hamburg für euch da und werde versuchen, euch ein wenig vom Gefühl des Abends zu vermitteln.

Sitzen oder stehen?

Die wichtigste Frage vor dem Einlass: Sitzplätze oder nicht? Nirgends stand was, aber vorherige Termine dieser Tour waren bestuhlt. Und ich habe die Markthalle auch schon mal bestuhlt erlebt. Das war bei ASP.
So stehe ich mit meiner Frau und drei mir bekannten Fotografen vor der Markthalle Hamburg und warte auf den Einlass.
An der Abendkasse kommt dann Fotograf vier dazu.
Gemeinsam geht es hinein in eine der schönsten Spielstätten Hamburgs. Mein Metal Herz schlägt direkt drei Stufen höher, denn es ist ein Stehkonzert! Meine Frau und ich suchen uns einen Platz links direkt am Front of House (FOH), wo der Ton und die Lichttechnik steht. Hier sollte der Sound am besten sein.
So viele Menschen wie jetzt schon da sind, zeigen nochmal deutlich, dass das Konzert ausverkauft ist.
Zu der Atmosphäre in der Location trägt auch das Backdrop bei. Hinter der Bühne zieht sich ein rot-oranges Backdrop fast über die komplette Rückwand. Drei Fenster. Alter Baustil. Holzboden. Fast wie ein warmer, alter Raum statt einer Konzertbühne.
Genau richtig für diesen Abend.

In dem Zimmer meiner Kindheit

Patrick Burkhardt

Dann geht das Licht komplett aus und nach wenigen Sekunden wird einer der Stühle auf der Bühne erhellt und man sieht Ingo Hampf und seine Laute. Auf dieser lässt er die Melodie von „Lacrime’74“ des „Nord Nord Ost“ Albums erklingen.
Dann wird der Saal in ein tiefes Rot getränkt und auch der Rest der Band betritt die Bühne, nimmt Platz auf ihren Stühlen und das Publikum lauscht gespannt Eric Fishs Stimme, während dieser den Text von „Feuerkind“ zum Besten gibt. Die Stimme ist stark und hat direkt eine gewisse Präsenz. Wer bei Ingos Spiel noch keine Gänsehaut hatte, bekommt sie spätestens jetzt.
Leise hört man hier und da Leute den Text mitsingen.

Als nächstes und für mich ungewöhnlich früh, aber eventuell sinnvoll wegen seiner Wirkung, spielen SUBWAY TO SALLY „Eisblumen“. Diesmal wird die Halle in ein frostig kaltes Blau gefärbt und wie auf ein stilles Kommando erklingen ca. 1000 Stimmen und ergänzen Erics Gesang. Fast wie bei „The Bard’s Song“ von BLIND GUARDIAN. Nur dass Eric hier mitsingt, statt das Publikum allein tragen zu lassen.

Patrick Burkhardt

Wenn sie ausgeschlafen sind, wachsen ihnen Flügel

Dann kommt die erste Ansage, die dafür genutzt wird, um die Crowd den Refrain nochmal A Cappella singen zu lassen und darauf hinzuweisen, dass das erste „Nackt“ Projekt nun auf den Tag genau fast 20 Jahre alt ist.
Dann folgt mit „Auf dem Hügel“ der erste neuere Song vom vorletzten Album „Himmelfahrt“ (die Rezi gibt es hier).
Und hier zeigt sich auch etwas, das den Abend über ein wirklich schönes Gefühl erzeugt, egal ob alter oder neuer Song. Die Konzertbesucher sind immer wieder textsicher. Und auch das Spiel mit dem Licht ist hier wirklich stimmig. Kein wildes Flackern und keine hektischen Wechsel, sondern recht ruhiges Fluten der Markthalle in den passenden Farben zum jeweiligen Song. Und so froh ich darüber bin, dass wir als Publikum nicht sitzen müssen, so eindrucksvoll ist es doch, wie gut die Musik akustisch und mit sitzenden Musikern funktioniert. Vor allem die „Party“ Songs.
Das spricht Eric dann auch nach „Herz in der Rinde“ an:

„Meine Güte. Ich muss sagen, das ist schon eine besondere Konstellation. Klar Hamburg sowieso, aber eine der wenigen Locations, Wo wir sitzen und ihr steht.“ Das Publikum lacht.
„Sonst ist es ja auch immer so bisschen unterschwellige Aufgabe die Leute von den Kirchbänken oder den Theatersitzen zum Aufstehen zu zwingen. Das müssen wir hier nicht tun. Ey Leute da kommt so viel Energie rüber, das ist richtig richtig schön.“

Zwischen Bühne und Publikum entsteht an diesem Abend etwas angenehm Selbstverständliches.
Und so tragen nicht nur die Songs zu einem bleibenden Erlebnis bei, sondern auch Ansagen wie die zu „Rätsel II“ über das Wort Refrain oder wie Eric erklärt: „Refrain, das ist französisch. Ihr könnt auch Chorus sagen, das ist englisch oder aber Refräng, das Refräng ist dann deutsch.“

Ein weiterer emotionaler Moment ist der Anfang von „Kleid aus Rosen“. Während der SUBWAY TO SALLY Frontmann die Melodie des Songs summt, singen die Besucher den Text. Erst etwas verhalten und dann wie aus einer Kehle. Während Sänger und Publikum den Track am Ende gemeinsam summend ausklingen lassen.
Auch Späße wie die Unterbrechung des Intros von „Was ihr wollt“ mit den Worten „Ich habe da hinten noch drei Leute gesehen, die nicht mitgeklatscht haben. Unbefriedigend.“ funktionieren an diesem Abend hervorragend. Die Halle lacht und klatscht danach direkt noch lauter mit.
Nach „Weit ist das Meer“ dann die Ankündigung einer 20 Minütigen Pause.

PAUSE

21:31 Uhr. Das Licht geht wieder aus. Die Stimmung setzt genau da wieder an, wo sie aufgehört hat, obwohl die Lüfter kurze Zeit noch weiter laufen. Der zweite Block wird mit „Wenn Engel hassen“ begonnen. Hier kommt Ally Storchs Geigenspiel in einem Solo sehr gut zur Geltung! Wirklich traumhaft.

Und auch im zweiten Block gibt es Dinge zu erleben, so kommt zum Beispiel zum Song „Krähenfrass“ jemand in einem Krähenkostüm auf die Bühne und tanzt. Erst guckt sich der STS das ganze an und steigt dann ein. Nur um passend zur Musik immer schneller zu werden. Ein Spaß für alle.

Patrick Burkhardt

Und auch „Post Mortem“ Titeltrack des letzten SUBWAY TO SALLY Albums, ist akustisch einfach eine Wucht! Vor allem spürt man die Energie, wenn alle „Post Mortem“ im Refrain singen und brüllen. Spätestens hier interessiert niemanden mehr, dass die Band sitzt und „nur“ akustisch spielt.

Mit dem Tournamen „Lügen und Legenden“ wollte man eigentlich einige Mythen rund um SUBWAY TO SALLY aufklären, wie Eric erzählt. Irgendwann wurde der Band aber wohl klar, dass das Ganze sonst eher in einer Lesung geendet hätte.
Eines meiner Highlights ist auf jeden Fall „Tanz auf dem Vulkan“, welches mit „Sag dem Teufel“ und „Ohne Liebe“ leider nur in einem Medley (Party Medley laut Eric) Platz findet. Dafür dürfen „Sieben“ und mein All Time Favorit „Veitstanz“ in ihrer Gänze ihre Wirkung entfalten und machen auch in diesem Soundgewand einfach nur Laune! Genauso wie ich, drehen sich einige um sich selbst oder zählen mit erhobenen Händen bis sieben. Gerade letzteres ist ein fester Bestandteil eines jeden STS Konzerts.

Zugabe

Kaum verlässt die Band die Bühne, skandiert die Markthalle direkt: „Blut Blut Räuber saufen Blut! Raub und Mord und Überfall sind gut!“ Mitten in der Halle beginnen plötzlich überall kleine Gruppen „Julia und die Räuber“ zu singen. Teilweise versetzt wie ein Kanon. Das klingt herrlich chaotisch.
Wieder kommt erstmal nur Ingo Hampf mit seiner Laute auf die Bühne und beginnt die Melodie von „Maria“. Die ruhige Melodie legt sich sofort über die Halle. Und ähnlich wie bei „Eisblumen“ steigt das Publikum hier stimmlich noch einmal ein. Erst zaghaft und dann immer lauter, bis Eric einsteigt.  
Zum Schluss holen Band und Publikum gemeinsam nochmal alles raus, um gemeinsam „Julia und die Räuber“ zu besingen! Ein richtig geiler Abschluss.

Es war ein gelungener Abend voller Klassiker und neuer Songs, die den Abend zu einem persönlichem Erlebnis machten. Alleine von der „Himmelfahrt“ sind vier Tracks im Set gelandet. Meine Highlights haben auch wieder ihren Platz im Set gefunden und machen egal in welchem Gewand einfach Spaß! Und ich muss am Ende auch noch mal das wirklich imposante Kleid von Ally Storch hervorheben, das sie an diesem Abend und auf der gesamten Tour trug.

Patrick Burkhardt
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MARKTHALLE


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