БАТЮШКА Archive - Silence Musik Magazin https://silence-magazin.de/tag/батюшка/ Das endgültige Metal-Magazin Mon, 04 May 2026 13:52:47 +0000 de hourly 1 https://silence-magazin.de/wp-content/uploads/2016/05/cropped-apple-touch-icon-114x114-32x32.png БАТЮШКА Archive - Silence Musik Magazin https://silence-magazin.de/tag/батюшка/ 32 32 WOLFSZEIT 2022 – ZURÜCK IN DEN WALD https://silence-magazin.de/wolfszeit-2022-zurueck-in-den-wald/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=wolfszeit-2022-zurueck-in-den-wald https://silence-magazin.de/wolfszeit-2022-zurueck-in-den-wald/#respond Wed, 28 Sep 2022 12:36:37 +0000 https://silence-magazin.de/?p=40810 Was lange währt, wird... lang? Hier der ausführliche Bericht zum WOLFSZEIT 2022 von Merlin und Mich, viel Spaß!

Der Beitrag WOLFSZEIT 2022 – ZURÜCK IN DEN WALD erschien zuerst auf Silence Musik Magazin.

]]>
Mich: Der August neigt sich langsam seinem Ende zu, und mit ihm der Hochsommer des Jahres 2022. Und dennoch freuen wir uns – denn das bedeutet, dass das WOLFSZEIT-Festival bevorsteht! Und diesmal endlich wieder ganz ohne coronabedingte Einschränkungen, ganz ohne Ortswechsel und Maskenpflicht und Abstandsregeln. Ein ganz normales WOLFSZEIT im Crispendorfer Nadelwald, wie wir es zuletzt 2019 erleben durften! Wie? Es ist so trocken, aufgrund von extremer Brandgefahr sind jegliche Grills, Gaskocher und Konsorten am Campground verboten? Ach, verdammt. Na, was soll’s. Irgendwas ist immer. Los geht’s!

Die traditionelle Einweihung

Was hier wohl vor sich geht? ©Crow

Nach der Frühanreise am Mittwoch und einem Tag durchgehender Feierei auf Camp und Infield (kann ich nur empfehlen) beginnen dann die offiziellen Festlichkeiten mit der Tradition gewordenen schamanischen Einweihung des Geländes. Diese wird auch wieder durch den Schamanen VOENIX vollzogen, in diesem Jahr sogar in Zusammenarbeit mit einer Dame namens RUNENHEX. Ein Feueropfer gibt es für die anwesenden Naturgeister den Umständen entsprechend natürlich nicht, dafür aber ein Trankopfer. Es haben sich diesmal so viele Menschen um das Spektakel versammelt, dass es schwer ist, einen ordentlichen Platz zu kriegen, an dem man auch etwas sieht. Ich schmuggel mich also an den Schaulustigen vorbei und hocke mich in die allererste Reihe. Immerhin muss ich ja Bericht erstatten. Hihi.

Was allerdings diesmal anders ist…

FYLGJA in Aktion ©Crow

…und generell eine Weltneuheit: Zusätzlich zum Schamanenritual stehen auf einer kleinen Bühne VARG (in reduzierter Formation) und halten Trommeln und Akustikgitarren in den Händen. Denn es gibt zum Ritual gleich eine kleine Akustik-Live-Show der Wölfe dazu! Dafür wurden drei Songs ausgewählt – „Fara Til Ránar“, „Auf Die Götter“ und „Zeichen“ – die kurzerhand zu Akustikliedern umgeformt wurden und nun zum ersten Mal als solche vor Publikum präsentiert werden. Die Hauptstimme übernimmt dabei FYLGJA (die seit dem letzten Album Teil der Band ist), während Sänger FREKI sie in einigen Parts mit düsteren Vocals unterstützt. Währenddessen und noch weit über das Konzert hinaus ist es auch diesmal wieder den Zuschauern möglich, das Horn zu heben und vor den Anwesenden laut eine Ansprache an die Götter (oder einfach nur einen epischen Trinkspruch) zu Besten zu geben.

Nach der Einweihung wird dann der Dancefloor eröffnet, und DJ CROW (der außerdem fast alle Fotos in diesem Bericht geschossen hat, bester Mann!) beehrt uns wie jedes Jahr mit einer Pagan-Metal-Party, die keine Kehle trocken und kein Bein lange im Ruhezustand verharren lässt. So darf ein Festival gerne beginnen!

ALLER ANFANG IST SCHWÜL

Da schien die Sonne noch: GROZA ©Crow

Am Freitag eröffnen die bayrischen Black-Metaller GROZA das Feld. Mit schwarz verhängten Gesichtern und Yggdrasil-Scheiben an den Mikrofonständern stehen sie auf der Bühne und erzählen musikalische Geschichten von Nihilismus und Misanthropie. Während der Anfang des Konzerts noch vergleichsweise langsamer und atmosphärischer ausfällt, so legt man doch im Laufe des Sets einen ordentlichen Zahn zu. Im letzten Viertel finde ich mich in einem Gewitter aus Blast Beats wieder, das einfach nicht aufzuhören wollen scheint. Ein gutes Konzert, welches mich aber bestimmt noch mehr hätte abholen können, wenn es bei weniger schwülem Wetter stattgefunden hätte und vom Mond statt von der Sonne beschienen worden wäre. Aber dieses Statement wäre bestimmt für 80% der Gruppen auf einem solchen Festival gültig – und man kann nun mal nicht alle bei Nacht spielen lassen.

Eine neue Ä(E)RA ©Crow

Merlin: Die zweite Band des Tages geben heute die Schwarzmetaller von ÄERA. Das „Schwarz“metaller ist dabei durchaus wörtlich zu nehmen – stehen Gitarrist, Bassist und Sänger doch in schlichten schwarzen Tank Tops auf der Bühne. Nur der Schlagzeuger hebt sich davon ab mit seinem schicken weißen Hemd. ÄERA existieren erst seit 2019, haben aber in den vergangenen drei Jahren bereits ein full-length-Album, eine EP sowie eine einzelne Single veröffentlicht. Ihre Musik lässt sich dem Genre Atmospheric-Black-Metal unterordnen, wobei man sagen muss, dass sie in weiten Teilen sehr ruhig und unaufgeregt daher kommt. Selbst die schnelleren Passagen wirken auf mich mehr schöngeistig als rotzig, wobei der Gesang schon recht böse klingt. Nur sieht der ungeschminkte Sänger einfach kein bisschen böse aus.

Obgleich er auf Deutsch singt, verstehe ich kaum etwas vom Text. Aber das ist gar nicht der Punkt. Weder rein musikalisch noch von der Bühnenpräsenz her können mich ÄERA so recht überzeugen. Die Songs klingen technisch absolut sauber, Sänger und Musiker treffen jeweils die Töne, aber mir hat das Ganze einfach zu wenig Kanten. Es fehlen die aufrüttelnden Momente, der Fluss der Töne ist gleichförmig statt mitreißend und so fließen die Melodien einfach an mir vorbei, statt mich zu bewegen. Meine Begleiter versuchen sich an einer Problemanalyse: „Die können ihre Instrumente einfach zu gut spielen!“ „Das ist Black Metal, der sich nicht traut.“ Und ich muss sagen: Das klingt erstaunlich glaubwürdig.

Ragnarök und Wolfszeit

FINSTERFORST oder auch: das gute alte Karohemd ©Crow

Mich: FINSTERFORST begrüßen mich nach altbekannter Manier kompromisslos mit einer gewaltigen Soundmauer. Massive Töne dröhnen durch das schöne Nadelgeäst und lassen Borken wie Kronen erzittern – der mächtige Schwarzwald ist in Crispendorf angekommen. Zu Beginn gibt’s gleich mal den Song, der den damaligen Übergang der Band von lustigem, fröhlichen Folk Metal zu der Naturgewalt einer Musikkapelle markiert, die FINSTERFORST in heutigen Zeiten darstellen: „Nichts Als Asche“ holt mich zurück in’s Jahr 2012. Zu dem Moment, in dem ich die „Rastlos“-CD zum ersten Mal vor Augen hatte, und mich schon das Coverbild in ferne Welten entführte, noch bevor die ersten Takte erklangen. Sänger OLI scheut sich heute absolut nicht davor, von der Bühne zu steigen und das Fußvolk nach allen Regeln der Kunst zu animieren. Und das mit Erfolg! Abgesehen davon, dass er dabei zweimal über eine Monitorbox stolpert (nüchtern?), klappt soweit alles ganz gut.

Zwischen den Songs gibt’s dann noch eine Entschuldigung dafür, dass beim Konzert vor drei Jahren besagter Sänger das Festival gleich ein paar Mal mit „RAGNARÖK!“ angesprochen hat – er sei damals nicht betrunken gewesen, sondern einfach nur etwas neben der Spur. Er habe damals gerade zwei Wochen seine Abschlussarbeit fertig gehabt und zudem zuhause ein Kind von gerade mal einem halben Jahr.

Die heutige Liedauswahl beinhaltet genau vier Songs, die im Durchschnitt jeweils über zehn Minuten lang sind. Etwas anderes hätte ich auch gar nicht erwartet. Am Ende des Dritten dann die Ansage: „RAGNARÖK! Ach verdammt… WOLFSZEIT mein ich!“ Ich freu mich.

Das neueste Fieber

Ein unbekannter Soldat von KANONENFIEBER ©Crow

Ich habe das Gefühl, so ziemlich jeder Mensch hier möchte KANONENFIEBER sehen. Überall auf dem Campground wimmelt es von orangefarbenen T-Shirts. Ich selber bin gespannt, was der neueste Schrei der deutschsprachigen Death-/Black-Metal-Szene so hergeben wird. Mein erster Eindruck, gemischt mit dem Regen, der langsam anfängt sich unters gute Wetter zu rühren, ist jedoch eher negativer Natur. Die Kriegsuniformen und schwarzen Ganzgesichtsmasken, der Gleichschritt zum Takt, der Stacheldraht und die Maschinengewehrposen auf der Bühne wirken auf mich doch recht albern. Auch der Moment, in dem der Sänger plötzlich vorm Mikrofon in eine Pfeife bläst, erzeugt irgendwie nur Fremdscham in mir. Mit Kriegsästhetik im Metal konnte ich noch nie besonders viel anfangen, und so ist es kein Wunder, dass mir gerade diese übertriebene Aufmachung zuwider ist.

Ist das touch? ©Crow

Aber ich bin doch wegen der Musik hier! Während ich finde, dass die Studioaufnahmen teilweise an Bands wie AGRYPNIE erinnern, habe ich das Gefühl live überhaupt nicht. Der Sound scheint auch etwas sanfter abgemischt als auf Platte. Das schont die Ohren zwar etwas, möchte dafür aber nicht so wirklich Mark und Bein durchdringen. Gut klingen tut’s aber auf jeden Fall, und diese Live-Besatzung hat auch definitiv etwas drauf. Auffällig: Der Drummer ist Linkshänder und der eine Gitarrist hat eine Klampfe in mattem Chrom-Lila, die irgendwie so gar nicht ins Bühnenbild passen will. Fazit: Musik gut. Aufmachung doof.

Calling The Rain

Da lächelt er: MATTHIAS von HARAKIRI FOR THE SKY ©Crow

Merlin: Wie hätte es anders sein können: Es regnet. Großartig. Das WOLFSZEIT-FESTIVAL hat das schlechte Wetter irgendwie echt gepachtet. Aber noch nieselt es nur und so wage ich mich in meiner Regenjacke mittig vor die Bühne, um nicht nur den vollen Sound um die Ohren gedröhnt zu bekommen, sondern auch einen möglichst guten Blick auf HARAKIRI FOR THE SKY zu haben. Denn die Österreicher haben in Sachen Bühnendeko ordentlich aufgerüstet (nur haben wir es natürlich verpennt, ein Foto davon zu machen).

Darüber hinaus fängt das Konzert auch gleich richtig stark an mit „Sing for the Damage we’ve done“, dem zweiten Track ihres neusten Albums „Mære“. Kein Geringerer als NEIGE, der Sänger von ALCEST, ist mit Guest Vocals in diesem Song vertreten! …leider kommt sein Gesang hier und heute aber nur vom Band. Als zweites Lied geben HARAKIRI „Stillborn“ vom Album „Arson“ zum Besten. Und während ich beim dritten Song (dessen Titel mir partout nicht einfällt!) ob des schlechten Wetters bereits das Zittern anfange, hastet Sänger J.J. mal wieder rastlos über die Bühne. Der hat einfach keine Ruhe.

Gleich dropt er das Mic: Sänger J.J. ©Crow

MATTHIAS dagegen steht wie immer ganz cool hinter seiner Gitarre und lässt hin und wieder die langen Haare fliegen. HARAKIRI FOR THE SKY bieten zwar keine ausgefallene Bühnenshow, aber mangelnde Energie kann man ihnen jedenfalls nicht vorwerfen. Des weiteren bin ich ein großer Fan der Songauswahl: „Us Against December Skies“ als viertes Lied und dann endlich mein geliebtes „Fire, Walk With Me“.

Den darauf folgenden Track „Calling The Rain“ hätte es allerdings nicht unbedingt gebraucht – regnet es doch die ganze Zeit schon. Das zu Beginn des Songs eingespielte Prasseln wirkt auf mich wie ein Hohn angesichts des realen Prasselns der Wassertropfen, die gerade beständig und in großer Zahl auf die WOLFSZEIT-Besucher niedergehen. Langsam merke ich, dass meine Regenjacke an Dichtigkeit nachlässt. Höchste Zeit, sich irgendwo unterzustellen! Aber den letzten Song packe ich jetzt auch noch. Es handelt sich dabei um ein PLACEBO-Cover: „Song To Say Goodbye“. Mit welchem Lied hätten HARAKIRI FOR THE SKY sich würdiger und zugleich würdigender verabschieden können!

At Satan’s service since 1989

ROTTING CHRIST saugen die Seelen der Zuschauer förmlich in sich auf ©Crow

Es ist echt verflucht mit dem Wetter: Gerade erst hatte der Regen aufgehört, da fängt er auch schon wieder an. Wenigstens habe ich mich nach dem Auftritt von HARAKIRI mit warmen Klamotten und einem Regenschirm eindecken können. Inzwischen ist es dunkel geworden über der Lichtung und es schlägt die Stunde von ROTTING CHRIST. Wer die Band nicht kennt, für den zitiere ich an dieser Stelle ihren Bandcamp-Eintrag: „At Satan’s service since 1989.“ Damit ist quasi alles gesagt.

Oder doch nicht? Festzuhalten bleibt, ROTTING CHRIST spielen melodischen, düsteren Metal. Die Themen: Okkultismus, Mythen und natürlich Satanismus. Der Platz vor der Bühne ist gut gefüllt, es herrscht beinahe Partystimmung. Gitarrist und Bassist der Band aus Athen lassen die Haare kreisen. Sänger SAKIS motiviert derweil die Menge: „Hey! Hey!“ Die Interaktion mit den Zuschauern stimmt auf jeden Fall. ROTTING CHRIST verbreiten trotz der düsteren Songs einfach richtig gute Laune. Sie spielen und schreien gegen den anhaltenden Regen an, als wollten sie die Sintflut stoppen. Die Band hat aber nicht nur mächtig Spaß an ihrem Auftritt, sondern liefert auch rein musikalisch ab – routiniert und ordentlich, aber zugleich rau und räudig. Ich glaube, genau dieser Spagat hebt das Konzert für mich so hervor.

SAKIS von ROTTING CHRIST in seinem Element ©Crow

Auch die Lautstärke soll nicht unerwähnt bleiben! Der Tonmann scheint nochmal ordentlich aufgedreht zu haben und so fährt einem der Sound durch Mark und Bein. Das war bei den ersten Bands des Tages noch ganz anders. Aber zurück zu ROTTING CHRIST. Es ist das erste Mal, dass ich die Griechen live erlebe, und wie alle guten Auftritte geht auch dieser viel zu schnell zu Ende. SAKIS ruft noch ein paar Abschiedsworte ins Publikum („Dankeschön Deutschland, auf Wiedersehen!“) und dann ist die Party auch schon vorbei. Selbiges kann man vom Regen leider nicht behaupten. Ein Glück, dass die WOLFSZEIT-Crew bereits heute damit angefangen hat, Stroh auf das Infield zu kippen!

„Der Teufel! Fuck! Deutschland!“

Live aus dem Dungeon: BELPHEGOR ©Crow

Es ist Zeit für die fürchterlichsten Fürsten der Finsternis, die dieser Abend sehen wird. Es ist Zeit für BELPHEGOR! Unfassbare 30 Jahre lang ist die Band mittlerweile aktiv und auch auf dem WOLFSZEIT sind sie nicht das erste Mal zu Gast. Corona hin oder her, waren die Österreicher doch nie von der Bühne wegzudenken – so gaben sie sich beispielsweise 2020 in Torgau die Ehre. Auch damals war das Wetter beschissen (und das ist noch nett ausgedrückt!), aber BELPHEGOR haben schon gezeigt, dass sie sich weder von Kälte noch von Nässe sonderlich beindrucken lassen. Also auf geht’s!

Das Bühnenbild ist mit Abstand das aufwändigste des heutigen Tages: Ein überdimensionales Bandbanner, Feuerschalen, Knochen und Totenköpfe sowie zwei übermannshohe umgedrehte Kreuze zieren das Podium und matchen damit perfekt die Gruselvisagen der Musiker. Das blutverschmierte, leichenblasse Antlitz vom Sänger wird ergänzt durch weiße Kontaktlinsen. Da machst du Auge! Durch die Schminke und die Bühnengestaltung im Kombination mit dem gnadenlosen musikalischen Geschmetter kommt schon eine gewisse Horroratmosphäre auf. BELPHEGOR geben unter anderem „Totentanz – Dance Macabre“ zum Besten, während die Menschen vor der Bühne mit nassen Haaren und Plastikplanen die bitterböse Show genießen.

Warum denn so ernst? ©Crow

Eine Sache blicke ich bei BELPHEGOR aber nach wie vor nicht, und das sind die Ansagen des Sängers. Das „Wolfszeit! Wolfszeeeiiit!“ verstehe ich ja noch. Aber warum zur Hölle muss er ständig „Deutschland!“ brüllen? Würde die Band vom anderen Ende der Erdkugel kommen und verdammt selten, oder gar zum ersten Mal hier auftreten, würde ich es ja verstehen. Aber BELPHEGOR kommen aus Österreich… naja, egal. Die Ansagen sind sowieso recht zusammenhangslos. So stößt der Sänger unvermittelt folgende Wörter direkt hintereinander aus, ich zitiere: „Der Teufel! Fuck! Deutschland!“ Keine weiteren Fragen, Euer Ehren. Insgesamt liefern die Salzburger aber eine verdammt geile Show mit brachial-böser Musik.

Die Trolle sind zurück

Das mMn beste Foto des ganzen Festivals zeigt einen FINNTROLL ©Crow

Mich: Als erster Headliner stehen FINNTROLL an. Das Urgestein der Folk-Metal-Szene beehrt uns heute mit einer bunt gemischten Setlist aus verschiedensten Stadien ihres Schaffens. Interessant ist dabei, wie sehr sich die Songs der neuesten Platte „Vredesvävd“ musikalisch mit den ersten paar Alben in eine Schublade stecken lassen. Eine Tatsache, die auch vom Sänger erwähnt wird, als er einen älteren Song des Albums „Jaktens Tid“ ansagt – bevor ihn seine Kollegen darauf aufmerksam machen, dass dieser von der Setlist gestrichen wurde. Stattdessen spielen die Trolle einen neueren Song an, der aber – so die Worte des Fronters – sehr „Jaktens Tid“-like sei.

Der Bühnensound sitzt ordentlich, der Regen ist mittlerweile weg, mein Gehirn aber leider auch. Die Müdigkeit zerrt so hart an mir, dass ich ganze dreimal in Sekundenschlaf verfalle, und nur dadurch aufwache, dass mein Körper mich reflexartig daran hindert, einfach nach hinten umzukippen. Nichts für ungut, FINNTROLL. Ich liebe euch. Aber ich glaube, ich muss jetzt schlafen gehen.

Merlin: Und während die Party in vielen Camps jetzt erst so richtig beginnt, schleiche ich mich über die zappendustere Teer-Allee hin zu Campingplatz B. Hätte man die wenigen Straßenlaternen entlang des Weges nicht noch ein bisschen leuchten lassen können? Im Stockfinstern läuft man leider nicht selten Gefahr, mit dem genauso sichtblinden, teilweise torkelnden Gegenverkehr zu kollidieren…

WOLKEN ÜBER CRISPENDORF

MÆRER Loide! ©Crow

Frisches Blut eröffnet den Samstag des diesjährigen WOLFSZEIT-FESTIVALS. Die Mitglieder von MÆRER sind aus Halle und Leipzig angereist, um den schaulustigen Schwarzmetallern auf dem Infield die Müdigkeit aus den zerknautschten Visagen zu pusten. Wenigstens nehme ich das an, bevor das Konzert losgeht. Aber im Verlaufe des Gigs muss ich feststellen, dass MÆRER selbst eher so von der gemütlichen Sorte sind – oder zumindest ihre Musik. Schon das Bühnenbild ist sehr minimalistisch gehalten: Jeweils ein Aufsteller mit Logobanner links und rechts, dazu ein mittelgroßes Banner mit Schriftzug im Hintergrund. Auch outfittechnisch sind die fünf Musiker eher unaufgeregt unterwegs, tragen sehr schlichte, schwarze Klamotten und keine Schminke. Allein das strahlend weiße Instrument des Bassisten sticht heraus. Hab ich eigentlich erwähnt, dass es schon wieder regnet?

Obgleich MÆRER bereits seit 2019 musikalisch aktiv sind, kam in diesem Jahr ihre erste EP auf den Markt. Damit erübrigt sich auch die Frage, was sie wohl live spielen werden. „Am Anfang“ heißt das Album, das sich in vier Tracks untergliedert: „I/IV – Vom Ende“, „II/IV – Jener Zeiten“, „III/IV – Verfasstes Leiden“ und schließlich „IV/IV – Im Buche die letzten Zeilen“. Auf mich wirken die Songs trotz einiger schneller Passagen überwiegend sehr ruhig. Zu den düsteren Klängen der Instrumente gesellt sich stark hallender Gesang. Das baut, vor allem in Kombination mit dem Regen, schon eine gewisse Atmosphäre auf. Mir persönlich passiert aber einfach zu wenig – musikalisch wie showtechnisch. Alles klingt wunderbar solide, aber es fesselt mich nicht, es bewegt mich nicht. Meinem Begleiter geht es da allerdings ganz anders – er nimmt sich vor, sobald er nach dem Festival wieder zuhause ankommt sogleich einen Tonträger von „Am Anfang“ zu bestellen.

Auch wenn MÆRER mich nicht für sich begeistern konnten, so haben also andere Zuhörer durchaus Gefallen an ihnen gefunden. Der Sänger bedankt sich denn auch bei den im Regen stehenden Zuschauern und bei der WOLFSZEIT-Crew. Eine schöne Geste zum Ende des Auftakts.

Uffta-Uffta

Wingardium Leviosa! ©Crow

Am 6. April diesen Jahres war meine Vorfreude auf das WOLFSZEIT 2022 nochmal signifikant gestiegen. An diesem Tag wurden nämlich TOTENWACHE für die diesjährige Ausgabe des Crispendorfer Black- und Pagan-Festivals bestätigt! Die Hamburger stellen definitiv eines meiner absoluten Highlights im Line-Up dar. Einzig der beständige Nieselregen trübt die Stimmung ein wenig. Auch wenn er natürlich besser zum rauen Black-Metal passt, als es eitel Sonnenschein getan hätte – ich hatte diesbezüglich schon Befürchtungen, als TOTENWACHE für 14:10 Uhr angekündigt wurden. Aber beim WOLFSZEIT konnte man sich die letzten Jahre auf das regnerische Wetter verlassen wie auf keinem anderen Festival, und so bekommen die Zuschauer selbst zur mittäglichen Spielzeit eine passende Atmosphäre serviert.

ANIMATRUM von TOTENWACHE ©Crow

Wüsste ich nicht um ihre norddeutsche Herkunft, ich würde denken, man hätte TOTENWACHE direkt aus dem Finnland der 90er Jahre importiert. Kalter, unwirscher Black-Metal, geprägt von Bands der zweiten Welle. Heißt: Heiserer, krächzender Gesang gepaart mit eingängigen Riffs und quasi durchgängigen Blast Beats, dazu Corpsepaint und schwarze Klamotte. Klassisch eben. „Es ist Zeit für eine Säuberung“, bellt Sänger Animatrum ins Mikrophon und kündigt damit den gleichnamigen Track an (befindlich auf der Split „Verbrannte Erde“). Ich werde langsam aber sicher unruhig unter meinem Regenschirm. Still und starr der Musik zu lauschen ist ja schön und gut, aber eigentlich will ich verdammt nochmal meine Haare schütteln… zum Beispiel zu „Gloria Antichristi“. TOTENWACHE ziehen trotz (oder wegen?) des grauen Himmels Zuhörer um Zuhörer vor die Bühne. Viele in Regenjacken und -ponchos, wenige wie ich mit Schirm. Und ganz ehrlich, mir wird das jetzt auch zu blöd. Also: Schirm zu, Regenjacke aus und Haare auf! Sollen sie doch nass werden. Wann, wenn nicht zu klirrend kaltem Schwarzmetall aus der Hauptstadt des Nieselregens.

Wer sich jetzt übrigens fragt, ob nicht doch noch irgendetwas Unvorhergesehenes passiert ist, den muss ich enttäuschen. TOTENWACHE spielen souverän und unaufgeregt ihr Set. Keine Eskapaden (weder auf noch vor der Bühne), kein Stromausfall (Spoiler: der trifft heute noch eine andere Band…), kein Blut, kein Tod, kein gar nix. Aber mir fehlt auch nichts. Die Band hat abgeliefert und als sich Animatrum mit dem gewohnten „Macht’s gut, ihr Idioten“ von den Zuschauern verabschiedet, kann und will ich wieder einmal nicht glauben, dass die Spielzeit schon vorbei sein soll.

FIMBUL 2020, DARK TROLL 2022 und WOLFSZEIT 2022 – dort habe ich TOTENWACHE nun erlebt. Also aller guten Dinge drei sein lassen? Ich denke gar nicht daran. Hey @RAGNARÖK FESTIVAL, ihr habt nicht zufällig für nächstes Jahr noch einen Slot frei?

Ein Auftritt mit Hindernissen

Wallemähne: DAIMONICON von GERNOTSHAGEN ©Crow

Mich: GERNOTSHAGEN spielen genau ein Lied, verabschieden sich, und das Konzert ist vorbei. Naja, nicht ganz. Irgendwas in der Elektronik oder Technik scheint sich verabschiedet zu haben –
Merlin: Also ich habe mir sagen lassen, der Transporter von WATAIN sei übers Kabel gefahren…
Mich: …und so ist erstmal für ganze zehn Minuten der Sound komplett weg. Zuerst will der Sänger ein paar Fotos zur Zeitüberbrückung schießen. Dank der ganzen Farbe in seinem Gesicht funktioniert die Face ID allerdings nicht mehr, so dass er sein Handy manuell entsperren muss. Dann fängt er irgendwann an, die Crowd mit Mitsingparts (ich glaube, es ist der Refrain von „Dem Skirnir Zu Ehren“) bei der Stange zu halten, was auch einigermaßen funktioniert. Zumindest mit denen, die den Text kennen. Im Anschluss gibt der Drummer noch ein Solo zum Besten, bis irgendwann die ganze Bühnenmaschinerie wieder läuft und GERNOTSHAGEN endlich ihre geballte Pagan-Power auf uns loslassen können. Dies teils atmosphäriger, teils aggressiver, und am Ende darf dann natürlich auch einen Vollversion des Trinklieds „Dem Skirnir Zu Ehren“ nicht fehlen. Pünktlich zum allerletzten, verhallenden Ton bricht der Himmel entzwei und es überkommt die flüchtende Meute ein gewaltiger Regenschauer.

Rock’n’Roll und Regenschauer

Ein Mann, EinHORN ©Crow

Ein Regenschauer, der auch vor HORN keinen Halt macht. Gottseidank habe ich mit ein paar Freunden noch rechtzeitig reagiert und mir am Ende des GERNOTSHAGEN-Sets einen sicheren Platz auf einer trockenen Bank unter einem Regenschirm gesichert. Von hier aus sehen wir zwar nichts, hören aber alles. Und sind trocken. Im Gegensatz zu allen anderen Anwesenden. Neben Blast Beats und gelegentlichen ruhigen Momenten kristallisiert sich aus HORNs Musik besonders viel düsteres Rock’n’Roll-Feeling heraus. Und dann fällt mir ein, dass ich diese Band bereits vor drei Jahren an genau diesem Ort live erleben durfte. Da war das Wetter etwas besser.

Was allerdings heute gut ist, ist der Sound. Wieder mal ist er nicht zu aggressiv, so dass es für die Ohren ein noch ganz angenehmes Erlebnis ist (auch ohne Ohrenstöpsel). Was leider kaum bis zu unseren billigen Plätzen durchdringt, ist der Folk-Metal-Anteil der neueren Musikstücke. Aber das Ganze funktioniert auch erstaunlich gut ohne. Der Sänger glänzt mit unterschiedlichen Vocaltechniken, und auffällig sind auch die ungewöhnlichen Songtitel. Liednamen wie „Pein Muss (Gerieben Als Korn)“ oder „Alpenrekorder“ versetzen mich in einen Zustand akuter Verwirrung. Davon abgesehen trägt die Show eine gute Portion ordentlicher und ehrlicher Energie, die nur leider etwas von dem Scheißwetter gebremst wird.

Zurück zu schwarzen Wurzeln

Ein Könner an der Geige: ZAGAN von BLACK MESSIAH ©Crow

Nach 30 Jahren Bandgeschichte haben BLACK MESSIAH für den heutigen Anlass sowohl ein Backdrop mit ihrem gaaaanz frühen Logo als auch ein paar Black-Metal-Songs gaaaanz früher Stunde ausgepackt. Das Material ist so underground, dass es nicht mal auf gängigen Streaming-Plattformen zu finden ist, und deshalb habe ich auch keine Ahnung, wie die ersten zwei Songs heißen. Erst nach einiger Zeit werden dann so langsam die modernen Klassiker ausgepackt. Tanzbare, geigenlastige Folk-Metal-Werke wie „Der Ring Mit Dem Kreuz“, „Sauflied“ und natürlich „Söldnerschwein“ erwecken die Tanzfläche wieder zum Leben. Von meiner Perspektive aus sieht das ziemlich lustig aus. Lauter Ganzkörper-Kapuzengestalten, die auf einem Haufen hin- und herwippen, sieht man nicht alle Tage. Kurioserweise hört der Regen genau bei „Windloni“ – einem Lied über das Wetter – urplötzlich auf. Und verpisst sich ein für alle Mal. Danke, ihr Wettergötter!

Respekt geht raus an Sänger und Geigenspieler Zagan, der es nicht ein-, sondern zweimal schafft, während des Singens eine gerissene Geigenseite wieder neu aufzuziehen. Ein schwieriger Prozess, wie es mir als Laie scheint. Währenddessen übernimmt gekonnt der Keyboarder die wichtigsten Geigenparts. Eine weitere Portion Respekt geht außerdem raus an Erik, den Sohn des eben genannten Sängers. Er ersetzt heute den Bassisten, und steht zum allerersten Mal mit BLACK MESSIAH auf der Bühne. Weiter so!

Das mörderische Schwert

Beast in Black: JENS RYDÉN von THYRFING ©Crow

Merlin: Als THYRFING anfangen zu spielen, geht hinter den Regenwolken gerade die Sonne unter und der graue Nebel über den Baumwipfeln ringsum hüllt die Lichtung in eine beinahe unwirkliche Atmosphäre. Genau die richtige Stimmung für die Viking-Metaller. THYRFING, das sind fünf Männer in schmuckloser Kleidung, die bis auf das Logobanner im Hintergrund keine Bühnendeko mitgebracht haben – es sei denn, man zählt die Bierflaschen mit. Aber die Schweden brauchen auch keinen Schnickschnack drumherum. Die Musik, die sie spielen, steht für sich. Vom Tonmann wurde außerdem der Sound im Vergleich zu den vorherigen Bands nochmal ordentlich hochgedreht. In Sachen Lautstärke wird den Zuhörern jetzt einiges mehr geboten als noch am Nachmittag.

Ein moderner Wikinger ©Crow

In Sachen Wetter sind die Bands beim WOLFSZEIT aber weitestgehend gleichberechtigt. Konnten sich THYRFING in der ersten Hälfte ihres Konzerts noch über eine kurze Regenpause freuen, so fängt es dann doch wieder an, erst zaghaft, dann immer stärker. Die Musik mischt sich mit dem Prasseln der Tropfen und so verschwimmt der Sound für mich mehr und mehr zu einem Brei. Die eh schon locker stehende Menge vor der Bühne dünnt sich ob des Regens immer weiter aus. Sänger Jens Rydén will das aber nicht kampflos hinnehmen und motiviert die Verbliebenen: „HEY! HEY!“ Dann hebt er sein Bier, es quillt schon aus der Flasche, und prostet dem Publikum zu. Die braunen langen Haare hängen ihm über die Schultern, strähnig vom Regen. Ich muss sagen, diese Optik unterstreicht die Thematik der Band – Jens Rydén könnte auch gut und gerne auf einem Drachenboot zur Fahrt ins Ungewisse blasen.

Die kampferprobten Nordmänner von THYRFING machen übrigens schon seit fast 30 Jahren Musik. In wechselnder Besetzung zwar, aber trotz einer längeren Schaffenspause zwischen 2013 und 2021 waren die Viking-Metaller bis jetzt nicht tot zu kriegen. Ihr letztes Album „Vanagandr“ (aka Fenrir oder Fenris) hat im Gegenteil eine ausdrücklich positive Resonanz erfahren. Aber hier und heute auf dem WOLFSZEIT geben die Schweden nicht nur die neuen Songs, sondern auch altgediente Klassiker zum Besten. So zum Beispiel das 1999 erschienene „Storms of Asgard“, das durchaus episch daherkommt. Generell wohnt dem ganzen Auftritt von THYRFING eine nicht wegzudiskutierende Epik und Genialität bei. Durch und durch versiert an ihren Instrumenten, beeindrucken sie zudem mit einer Bühnenpräsenz, die ihresgleichen sucht. Und auch, wenn das Konzert mit nasskalter Witterung zu Ende geht: Die strahlende Begeisterung in den Gesichtern um mich herum vermag kein Regen abzuwaschen.

Kerzen und Kutten

Es ist eine Sisyphusarbeit ©Crow

Kommen wir nun zu einer Band, die in der Vergangenheit eine wesentliche Umgestaltung erfahren hat: БАТЮШКА. 2015 gegründet und mit dem Album „Litourgiya“ durch die Decke gegangen, hatte sich die Band nach einem Streit der beiden Gründerväter 2018 getrennt, um nunmehr einerseits als BATUSHKA und anderseits als БАТЮШКА aktiv zu sein. Ich muss zugeben: So ganz steige ich da nicht durch. Aber Fakt ist, im WOLFSZEIT-Line-Up steht БАТЮШКА und es sieht alles danach aus, dass die Zuschauer die gewohnte Black-Metal-Liturgie nach orthodoxem Vorbild zu erwarten haben – mit allem, was dazugehört.

БАТЮШКА: die Segnung ©Crow

Auftritte von БАТЮШКА beginnen nämlich, so hat es Tradition, erstmal mit ca. einer halben Stunde Wartezeit. Das erklärt sich zum einen durch den Aufbau des in der Tat recht aufwändigen Bühnenbildes, aber vor allem damit, dass ein gutes Dutzend Kerzen auf dem Podest entzündet werden wollen. Bei dem Wetter momentan kann das ja heiter(!) werden. Aber schließlich hat der Mann in Mönchskutte seine Aufgabe erfolgreich abgeschlossen und БАТЮШКА können mit ihrem Konzert beginnen.

Dieses läuft wie immer streng nach Zeremoniell ab. Nichts wird hier dem Zufall überlassen. Die Liturgie wird ohne nennenswerte Pausen in einem Stück durchexerziert, auch rein musikalisch sind keine Ausreißer zu verzeichnen. Kein Transporter von WATAIN, der über’s Stromkabel fährt. Auf dem Infield ist es im Vergleich zu THYRFING noch einmal deutlich voller geworden. Die allermeisten WOLFSZEIT-Besucher wollen die Metal-Messe von БАТЮШКА offensichtlich nicht verpassen. Oder campiert der ein oder andere hier vielleicht auch deshalb, um gleich bei WATAIN einen möglichst guten Platz zu erhaschen? Je näher man der Bühne kommt, desto mehr stauen sich die Menschen jedenfalls. Gruppenkuscheln hilft ja auch ganz gut gegen die unsäglichen Temperaturen.

Feuer und kein Blut

Der blanke Wahnsinn: WATAIN ©Crow

Mich: Was mich genau bei WATAIN erwartet, weiß ich nicht. Alles, was ich weiß, ist, dass sie vor drei Jahren hier ’ne ordentliche Sauerei (buchstäblich) sowohl im Backstage als auch auf der Bühne und in den vorderen Reihen des Publikums hinterlassen haben. Nämlich benutzen die Schweden für ihre Shows gerne mal den ein oder anderen Liter Schweineblut, der während ihrer Touren auch gerne mal die ein oder andere Woche in einem Fass gammeln gelassen wird. Zudem munkelt man, der Sänger lagere in jenem Fass über Nacht seine Bühnenkleidung. Ekelhaft. Diesmal bleibt die Stage aber gottseidank trocken. Dafür dauert es jedoch (nachdem die Band 45 Minuten Verspätung hat) keine zehn Sekunden, bis der Sänger eine brennende Fackel einfach mal so von der Bühne blindlings ins Publikum wirft. Ein „glücklicher“ Besucher hebt sie auf und schwingt sie kurz über seinem Kopf, bis die Security eingreifen und der Gefahr ein Ende setzen.

Lass Haare wehen! ©Crow

Eigentlich steht so ungefähr die ganze Bühne in Flammen. Neben Skulpturen aus (richtigen) Knochen ist sie geziert von Feuerschalen und anderen brennenden Ornamenten. Sänger und Basser halten auch gelegentlich mal zwischen und während den Songs ihre Hände schön ins Feuer rein. Ich hab’s ja verstanden, ihr nehmt es so richtig ernst mit dem Black Metal. Nebst all dem Getue aber zeigen WATAIN musikalisch, dass sie nicht umsonst die Position in der Szene belegen, die sie belegen. Ihre Performance ist schnell, aggressiv und dreckig, und man sieht den Musikern an, dass sie ordentlich Bock haben.

Auch ist der Sänger, so wird mir gesagt, heute ein gutes Stück gesprächiger als sonst und kommuniziert recht viel mit dem Publikum. Bevor er dann zum zweiten Mal schwungvoll eine brennende Fackel in der Menschenmasse versenkt. Es wird auch noch rituell mit einem langen Messer herumgefuchtelt und in den Feuern gestochert, bis die Band irgendwann einfach von der Bühne verschwindet und ein mehrminütiger Ambient-Track vom Tonband die Zuschauer im Ungewissen zurücklässt, ob WATAIN nochmal auftauchen oder eher nicht so. Es stellt sich heraus, dass letzteres der Fall ist, und damit endet das diesjährige WOLFSZEIT auf eine … interessante Note?

DAS ENDE

Leider endet es hier wirklich schon – die von vielen Anwesenden sehnlichst erwartete Aftershow-Party fällt einfach aus. Während man in den letzten zwei Jahren davon ausgehen konnte, dass dies COVID-bedingte Gründe hatte, so scheint dieser letzte Moment der Festival-Euphorie in diesem Jahr einfach kommentarlos unter dem Teppich verschwunden zu sein. Schade! Ich hatte mich sehr darauf gefreut, und mit mir ein Haufen Anderer, die nun sporadisch vom Infield ins Außen tropfen, als sie merken, dass da wohl tatsächlich nichts mehr kommt.

Fazit?

Merlin: Zwei Wermutstropfen habe auch ich auf diesem ansonsten wirklich großartigen Festival zu verzeichnen. Da wäre vor allem die schon erwähnte Beleuchtungssituation nachts vom Infield rüber zu Campingplatz B. Auf einem mehrtägigen Festival hat nicht jeder Besucher immer und überall eine (Handy)Taschenlampe zur Verfügung. Und abgesehen von der durchaus realen Gefahr des Zusammenstoßens mit anderen Menschen ist die Straße außerdem gesäumt mit nicht wenigen Schlaglöchern, von denen Sturzgefahr ausgeht – für Nüchterne wie für Betrunkene. Darum bitte bitte bitte, beleuchtet in Zukunft diesen scheiß Weg! Danke <3

Der zweite Punkt, verschmerzbar, aber schade, sind die billigen Einmal-Plastikbecher, in denen die Getränke ausgeschänkt wurden. Wo sind die schönen stabilen WOLFSZEIT-Becher hin, die es vor Corona mal gab? Vielleicht feiern sie ja nächstes Jahr ihr Comeback – ich würde mich riesig freuen.

Mich: … außerdem wäre es – so denke ich – ganz cool, wenn die Autogrammstunden etwas größer aufgezogen wären, oder man zumindest die Informationen dazu (Zeitplan etc.) etwas offensichtlicher irgendwo einsehen könnte. Viele der Bands hatten bei ihrem Meet & Greet quasi keine Besucher, während ich nicht nur einmal in eine überraschte Visage starrte, als ich jemanden danach fragte, ob er denn gerade bei seiner Lieblingsband am Autogrammstand gewesen sei. 

Ansonsten – was soll ich sagen? Es war wie immer ein großartiges Fest! Nichts geht über Black und Pagan Metal im tiefsten Thüringer Wald! Großartige Location, großartige Bandauswahl, tolle Konzerte und ein unvergleichliches ~Ambiente~. Wie jedes Jahr kann ich nur den Blick nach vorne richten und mich darauf freuen, dieses einzigartige Event in der kommenden Sonnenumrundung ein weiteres Mal miterleben zu dürfen.

Merlin: Ich kann mich Mich da nur anschließen. Es ist mir jedes Jahr wieder ein Fest, dem WOLFSZEIT-FESTIVAL beiwohnen zu dürfen. Danke an all die wunderbaren Menschen vor und hinter den Kulissen, danke MARVIN, und ein ganz besonderes Danke an dieser Stelle nochmal an den DJ und Fotografen CROW, der die Konzerte in faszinierenden Bildern für die Nachwelt festgehalten hat. Apropos faszinierende Bilder… war da nicht was mit einer Bimmelbahn? Eh, ja. Von unserer Fahrt mit CRISPI haben wir in diesem Jahr leider kein Foto gemacht.

Dafür gibt’s ein Selfie von uns mit dem Met-Wolf.

Mich & Merlin: Cheers! Man sieht sich zur nächsten WOLFSZEIT!

Der Beitrag WOLFSZEIT 2022 – ZURÜCK IN DEN WALD erschien zuerst auf Silence Musik Magazin.

]]>
https://silence-magazin.de/wolfszeit-2022-zurueck-in-den-wald/feed/ 0
Wolfszeit 2020 – Metal, Matsch und Maskenpflicht https://silence-magazin.de/wolfszeit-festivals-2020/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=wolfszeit-festivals-2020 Fri, 30 Oct 2020 12:46:43 +0000 https://silence-magazin.de/?p=36403 2020 - es war nicht alles schlecht...

Das Wolfszeit-Festival war, als eines der wenigen diesjahr, aktiv und hat die Besucher mit Metal beschallt und in Festivalstimmung gehüllt - so weit es eben ging.

Was es zum wespenfreien und Desinfektionsmittel-geschwängerten Festival sonst noch zu sagen gibt: nun bei uns!

Der Beitrag Wolfszeit 2020 – Metal, Matsch und Maskenpflicht erschien zuerst auf Silence Musik Magazin.

]]>
Das WOLFSZEIT findet statt!

Als wir diese Nachricht bekamen, war die Freude natürlich riesig. Dass trotz aller Schwierigkeiten, die die Pandemie uns in diesem Jahr schon beschert hat, tatsächlich jemand es schafft, 2020 ein Metal-Festival dieser Größe auf die Beine zu stellen, damit hätte wohl keiner mehr so wirklich gerechnet.

Das alles haben wir einem Organisationsteam zu verdanken, das bereit war, erhebliche Kompromisse einzugehen und massive finanzielle Risiken auf sich zu nehmen. Nicht nur musste ein ausgeklügeltes Sicherheitskonzept in Kraft gesetzt werden und die Veranstaltung um einen Monat nach hinten geschoben werden, auch räumlich musste man das Ganze verschieben – in ein anderes Bundesland. Statt der üblichen Lichtung im Crispendorfer Nadelwald (Thüringen) würde diesmal das Gelände vom Entenfang bei Torgau (Sachsen) als Schlachtfeld für das WOLFSZEIT dienen. Bei der Veranstaltung selbst würde zusätzlich zu Maskenpflicht, Fiebermessungen und Abstandsregeln eine Art Insel-Politik gelten: Niemand aus Torgau darf das Festivalgelände betreten – und vice-versa.

Und so sitze ich, trotz allem Widerstand, am 24. September voller Vorfreude mehr als 6 Stunden im Auto und mache mich auf den Weg zu meinem ersten und einzigen Festival dieses verdammten Jahres.

Die Einweihung

Nach dem Aufbau des Zeltplatzes (in einer Wiese voller vertrockneter Pferdeköttel), dem ersten Dosenbier und ein paar Komplikationen bis zum Erhalt meines Bändchens ist dann auch schon die Zeit da, die Veranstaltung offiziell zu eröffnen. Zu diesem Zwecke hat man den Schamanen VOENIX angeheuert. Hölzerne Masken dekorieren das umliegende Geäst, als er mit Trommel, Räucherstäben, Methorn und einer versammelten Schar von Zuschauern den heiligen Boden einweiht und die Götter und Geister des Ortes um ihre Einwilligung bittet. Wer sich berufen fühlt, darf im Anschluss selbst das Horn erheben und einen Spruch an die Asen zum Besten zu geben. Ein stimmiger Einstieg für ein Pagan-, Folk- und Black-Metal-Festival.

Einweihungsrituale mit dem Schamanen Voenix

Der Weg aus dem Infield zurück aufs Camp führt um ein eingezäuntes Naturschutzgebiet herum und wirkt unproportional lang. Auch hier scheint es sich um eine Sicherheitsmaßnahme zu handeln – damit sich nicht ein- und ausgehende Gäste gegenseitig ins Gesicht laufen, müssen letztere den Hinterausgang benutzen. Und der führt nun mal um ein eingezäuntes Naturschutzgebiet.

Zum Abend hin erheitert sich dank Cocktails, Bier und Pagan-Metal-DJ die Stimmung vor der Bühne weiter. Die Menschen sind glücklich über ihr erstes Festival 2020 und das zeigt sich! Leider etwas zu sehr, denn bald schon steht Mitorganisator Sille auf der Bühne und muss alle daran erinnern, die Sicherheitsregeln einzuhalten. Wenn man denn wolle, dass das Festival nicht in letzter Sekunde noch abgebrochen werden müsse. Das scheint allerdings gewirkt zu haben, und so verläuft der erste Abend sicher und ohne weitere Zwischenfälle.

Das erste Erwachen

Als zu kühlfeuchter Morgenstund sich langsam die ersten Zeltverschlüsse öffnen und sich Vogelsang mit der ein oder anderen Aufsteh-Hymne mischt (die sich keiner gewünscht, aber wohl jeder erwartet hat), ist das Erste, was mir auffällt: Es gibt mehr Klos als gestern! Anscheinend wurden die Gebete erhört, und man hat zusätzlich zu den schäbigen sieben Dixies für knapp 1000 Leute noch eine Ladung herfahren lassen. Wunderbar!

Auch auf dem Konzertgelände hat sich einiges verändert: Jeder, der eintreten möchte, kriegt jetzt erstmal eine Pistole an den Kopf gehalten. Die die Temperatur misst. Zudem gibt es auf dem Gelände nun Sicherheitskräfte, die sich spezifisch darum kümmern, dass alle Besucher zu jeder Zeit ihre Maske richtig anhaben, und am Bühnengeländer befindet sich ein riesiges Graffiti mit der Aufschrift „Maskenpflicht!“.

Dann kann es jetzt ja losgehen.

… mit HELGRINDUR! Die Jungs wissen, wie man mit energiegeladener Musik den Staub von der Bühne bläst, und nutzen die Gelegenheit, das unter Beweis zu stellen. Starke Pagan-Songs mit catchy Refrains animieren erfolgreich zum Mitmachen und Mitgrölen, während der dröhnende Sound sich um den Rest kümmert. Ein Einstieg, der ordentlich Bock macht! Es gibt einen neuen Song und am Ende bleibt sogar genug Zeit für eine Zugabe. Von letzterem wirkt sogar die Band selbst sichtlich überrascht, denn dank DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULTs Ausfall steht heute jeder Band mindestens eine Stunde Spielzeit zu. (Mich)

Helgrindur eröffnen das Fest!

Über die zweite Band des Tages ist schon länger bekannt, dass sie sich auflösen und darum der Auftritt beim WOLFSZEIT 2020 ihr letzter sein würde. Den aber wollen sie sich auch nicht nehmen lassen. Man bekommt schließlich nicht oft die Gelegenheit, auf seiner eigenen Beerdigung zu spielen. TOTENGEFLÜSTER hatten sich bereits auf dem WOLFSZEIT 2018 die Ehre gegeben, damals konnte ich nicht wirklich viel mit ihnen anfangen. Und das ist dieses Mal leider genauso. Zu Beginn des Auftritts wirkt es, als hätte die Corpsepaint tragende Band Schwierigkeiten, einen gemeinsamen Rhythmus zu finden. Dazu kommt die Stimme des Sängers im Gegensatz zu den Instrumenten leider soundtechnisch nicht besonders gut rüber.

Ein Flüstern in dichtem Grabesnebel

Generell hadere ich mit dem Gesang: Da ist irgendwie alles dabei, von Clean Vocals über Gekrächze bis zu markerschütternden Schreien, aber irgendwie ist es nichts Halbes und nichts Ganzes. Der mit Dreads und weißen Kontaktlinsen ausgestattete Sänger wirkt ein wenig unentschlossen. „Mehr Hass!!“, wird lautstark von einem engagierten Zuhörer aus den hinteren Reihen gefordert. Ja gut, wer weiß, vielleicht würde das ja wirklich etwas bringen? Musikalisch gibt es bei TOTENGEFLÜSTER eigentlich nichts zu meckern, sie bieten einen groovigen Sound, der immerhin ein paar Leute anzieht. Aber irgendwie ist das Gesamtpaket schwer zugänglich und hätte mich nach dem Konzert jemand gefragt, „du sag mal, was genau war das gerade eigentlich?“ – ich hätte ihm keine Antwort geben können.

TOTENGEFLÜSTER scheiden dahin als ein Phänomen, das ich nie ganz begriffen habe. Aber immerhin sorgt sich der Sänger um das Befinden der Trauergäste. „Ich hoffe, ihr hattet Spaß auf unserer Beerdigung!“ Ach, naja, passt schon. Über Tote soll man nichts Schlechtes sagen.

So gar nicht elend

Eine Band, deren Name mir in den vergangenen Jahren ständig untergekommen ist, die ich aber bis dato nie so richtig auf dem Schirm hatte, ist ELLENDE. Vielleicht, weil mich die Optik und die Artworks nicht wirklich ansprechen. Von ihrem Auftritt aber werde ich angenehm positiv überrascht.

Denn was die Band aus Graz in Österreich wirklich drauf hat, ist Melancholie. Da steh ich ja voll drauf. Schwermütiger und melodischer Black-Metal, der aber alles andere als eintönig ist. Auch wenn ich keinen einzigen Song kenne, wippe ich beständig mit. ELLENDE sind keine Band zum Headbangen oder seinen Hass in die Welt schreien, im Gegenteil, sie machen einen beinahe traurig. Aber im positiven Sinne.

Melancholie und Kriegsästhetik

Auch ist es eine der wenigen Bands, wo mir mal der Schlagzeuger auffällt. Da die meisten Festivalbesucher trotz meiner Plateauschuhe über mich hinausragen und die Schlagzeuger wenn nicht schon von ihrem Instrument, dann doch oft von den anderen Bandmitgliedern verdeckt werden, bekomme ich sie selten wirklich zu Gesicht. Aber bei ELLENDE habe ich einen guten Platz, und wegen Corona stehen die Zuhörer mit ausreichend Abstand, so dass ich den Schlagzeuger tatsächlich mal beobachten kann. Das macht auch sehr viel Spaß, weil der Typ offensichtlich sehr viel Freude an dem hat, was er da tut. Und zusätzlich klingt es natürlich auch noch gut.

Was soll ich sagen, ich bin positiv überrascht. Auch wenn mich das Streifencorpsepaint des drahtigen Sängers nach wie vor nicht anspricht, genauso wie das Banner im Hintergrund, geziert vom Cover des Albums „Lebensnehmer“,  und der Gitarrist aussieht wie der traurigste Panda, den ich je gesehen habe – ELLENDE würde ich mir wieder anhören. (Merlin)

Als Nächstes stehen dann zwei massive Bretter auf der Bühne: Der Sänger von ASENBLUT und der Sound von ASENBLUT. Scherz beiseite, die Klangqualität weiß bei diesem Gig wirklich zu überzeugen! Sie gibt alles her, was man sich wünschen könnte – massiven Druck und doch genug Klarheit, dass man jedes Instrument im Mix sauber heraushören kann. Musikalisch wirft das Ganze den ein oder anderen AMONAMARTH-Vibe auf, allerdings mit deutlich mehr Blast Beats, Black- und Thrash-Metal-Momenten sowie generell härterem Songwriting. Die Berserker haben zudem kürzlich ein neues Album veröffentlicht und sind deswegen vollbepackt mit frischem Material. Eine in allen Hinsichten überzeugende und sauber abgelieferte Show, zu der sich ein entsprechend großes Publikum zusammengefunden hat. (Mich)

Tetzel von Asenblut

Set fire to the rain

Es ist trotz Corona bereits das zweite Mal dieses Jahr, dass ich HARAKIRI FOR THE SKY live sehe. Beim FIMBUL waren sie kurzfristig als Ersatz für HELRUNAR eingesprungen, beim WOLFSZEIT hatten sie von Anfang an einen Platz im line-up. Als vorletzte Band des Abends wird ihnen auch ein guter slot zuteil. Trotz des beständigen Nieselregens findet sich vor der Bühne eine große Zahl an Zuhörern ein, um in der mittlerweile herrschenden Dunkelheit den Österreichern zu lauschen.

Wer sie (warum auch immer) noch nicht kennt: HARAKIRI FOR THE SKY haben 2012 ihr selbstbetiteltes Debüt abgeliefert und versorgen die Szene seitdem mit melancholischem (Post) Black-Metal. Ihre ergreifenden Melodien vermitteln einen bittersüßen Weltschmerz. Die Musik taugt zum unaufgeregten Headbangen, man kann sie aber genauso einfach mit geschlossenen Augen genießen – beides nehme ich in Anspruch. Gegen Ende allerdings starten drei augenscheinlich gut angeheiterte Gestalten direkt vor mir einen „Moshpit“ (es ist mehr ein betrunkenes Sich-Herumschubsen), so dass ich den Kopf dann doch vorsichtshalber aufrecht lasse.

Die setlist von HARAKIRI gleicht der, die sie schon auf dem FIMBUL hatten. FIRE WALK WITH ME, der opener ihres letzten Albums „Arson“, wird als drittes gespielt und abgerundet wird der Auftritt mit CALLING THE RAIN von „III: Trauma“. Da passt das regnerische Wetter zufällig ganz gut. Ich stehe mittig in ungefähr dritter oder vierter Reihe vor der Bühne. Der Sound hier ist erstaunlich gut, auch wenn die Gitarre leider immer mal wieder verschluckt wird. Aber dennoch kommt diese Atmosphäre auf, die man nur live verspürt: Der gewaltige Sound, die von Scheinwerfern und Strahlern durchbrochene Dunkelheit, die sich mit Nebel und Regen vermischt… das ist nicht Musik hören, das ist Musik erleben.

Harakiri For The Sky in musikalischer Ekstase

Fazit: Dem Auftritt von HARAKIRI beizuwohnen, hat sich gelohnt. Aber hallo. Und das scheinen die Menschen um mich herum genauso zu sehen. Tatsächlich unterhalte ich mich aber nach dem Konzert auch mit einer Festivalbesucherin, die mir erzählt, sie habe nur aus der Ferne zugesehen, denn HARAKIRI FOR THE SKY seien für sie live die langweiligste Band überhaupt. Ich kann das insofern nachvollziehen, als die Musiker auf der Bühne tatsächlich relativ wenig mit dem Zuhörern interagieren. Da wird die Menge halt mal nicht angefeuert. Für mich macht das den Auftritt nicht unbedingt schlechter. Aber das ist ja das Schöne an Festivals: Wenn einem die aktuell spielende Band nicht zusagt, einfach Abwarten und Bier trinken, die nächste Band steht schon in den Startlöchern. (Merlin)

Es folgt ein Moment für die Geschichtsbücher.

WOLFCHANT spielen, nach dem Tod ihres Gitarristen (2017) und einem darauffolgenden Hiatus von mehr als zwei Jahren (ab 2018), zum allerersten Mal wieder live vor Publikum. Und welche Begebenheit würde sich dafür besser eignen als das sagenumwobene WOLFSZEIT 2020, welches, allem Widerstand zum Trotz, in einem Jahr wie diesem dennoch hat stattfinden können? Dem größten Metalfestival Deutschlands 2020, wie Sänger LOKHI feststellt?

Doppelt gewolft hält besser!

Zumindest die Fans in den vorderen Reihen scheinen lange auf diesen Moment gewartet zu haben. Pausenlos sind Mähnen am Wehen und Hälse am Klingen, und auch die direkt aus dem Studio kommenden Wölfe sind alles andere als eingerostet. Vor allem das saubere Drumming sorgt dabei für einen stabilen Rahmen – während leider der Sound ein paar Songs braucht, bis die beiden Sänger passend aufeinander abgemischt und die Gitarrenparts alle gut hörbar sind. Ansonsten ist aber alles genau so wie es muss. Die Songauswahl ist super und die Menschen auf und vor der Bühne sind mit ganzem Herzen dabei. Willkommen zurück, WOLFCHANT! Eine würdige Wiederkehr. (Mich)

Die nächste Band sind in diesem Fall die Polen von MGLA. Von den WOLFSZEIT-Besuchern schon lange gewünscht, haben sie es endlich ins line-up geschafft und bestreiten heute den letzten Auftritt des Tages. Obwohl es langsam ziemlich kalt und ungemütlich wird, finden sich unzählige Zuhörer vor der Bühne ein. Das ist auch das erste Mal bei diesem Festival, wo ich bemerke, dass der Corona-Sicherheitsabstand nicht so genau genommen wird. Immerhin haben aber alle um mich rum eine Maske auf.

Apropos Masken – die dürfen natürlich auch bei MGŁA nicht fehlen. Wie immer zeigen sich die Musiker nur verhüllt und liefern ohne großes Tamtam eine solide Show ab. Normalerweise bin ich ein großer Fan des MGŁAschen Black-Metals, aber irgendwie kann ich von HARAKIRI FOR THE SKY, die ja direkt davor gespielt haben, nicht schnell genug umschalten. Und so tue ich mich schwer, den Auftritt von MGŁA richtig zu genießen. An ihrer musikalischen Leistung liegt es nicht, die ist wie immer top. Ich glaube, der Kontrast ist einfach nur zu groß.

MGŁA in der Schwärze

Mir wäre es lieber gewesen, wenn diese letzten beiden Bands am heutigen Freitag nicht direkt hintereinander gespielt hätten, aber man kann es sich nicht aussuchen, und nichtsdestotrotz bin ich froh, beide Auftritte miterlebt zu haben. Kaum haben MGŁA die letzten Töne verklingen lassen, kommt übrigens auch schon die Security, um freundlich aber bestimmt das Infield zu räumen. Nix mit Party heute. Aber macht nichts, dann gehen wir halt mal früh (also so um halb 2 nachts) ins Bett. Morgen ist schließlich auch noch ein Festivaltag.

Apocalypse now

…Und der beginnt mit strömendem Regen. Alter Falter. Nicht nur wegen Corona ist es lange her, dass ich auf einem Festival so ein Dreckswetter erlebt habe. Die 9°C Außentemperatur waren dem Wettergott nicht böse genug, nein, es muss auch noch schütten wie aus Eimern. Das eigentlich geplante Frühstück im Freien wird kurzerhand ins Zelt verlegt, welches zum Glück dichthält. Trotzdem macht das schlechter Wetter ziemlich faul und unmotiviert, und so bin ich froh, dass Mich heute die erste Band übernimmt und als erstes raus in den Regen muss, hehe. (Merlin)

Wenn man morgens im Zelt von prasselndem Regen aufgeweckt wird, so ist es normalerweise das Klügste, einfach das Ende der Schauer abzuwarten und dann aufzustehen. Wenn allerdings das Handy sagt, dass es noch mindestens bis 17 Uhr weiterschütten wird (und ab da „nur noch“ mit 95 prozentiger Wahrscheinlichkeit), bleibt einem nicht viel anderes übrig, als doch aufzustehen und sich mit seinem Schicksal abzufinden. Als Bonus-Feature zu der sowieso schon beschissenen Situation ist durch die Dauerbegießung die ganze Pferdekacke vom trockenen in einen schön saftig dampfenden Zustand übergegangen.

Trotz allem bleibt mir wohl nichts übrig, als durch Schlamm, Pfützen und Tierfäkalien zu waten und mich in Nässe und Kälte aufs erste Konzert des Tages zu begeben. HEXADAR! Leider treffen hier eine Reihe ungünstiger Faktoren aufeinander. Erstens merke ich relativ schnell, dass der dargebotene Musikstil mich persönlich nicht sonderlich anspricht. Hinzu kommt, dass Regen und Wind einem Bühnensound selten guttun, und das ist leider hier nicht anders. Die Klänge des Akkordeons sind teilweise kaum identifizier- respektive hörbar und generell fehlt es dem Soundbild an Tiefe. Außerdem fängt die Kälte an, sich von meinen Füßen an sukzessive nach oben zu fressen, und überhaupt ist alles doof weil nass und matschig. Schade, denn rein spieltechnisch scheint alles zu stimmen! Immerhin finden sich vor der Bühne zwei bis drei Reihen an Zuschauern, die mit der Situation offenbar mehr anfangen können als ich.

…und Foto haben wir leider auch keins gemacht 🙁 Sorry!

Nach dem Konzert begebe ich mich, durchgefroren, erstmal zurück zum Camping und tausche meine gesamten, triefenden Klamotten aus. Ein neues Paar Schuhe leiht mir eine Freundin. Diese sind mir zwar zu klein, aber immerhin sind sie trocken und wasserdicht. Mindestens drei Stunden Regen kommen noch, da ist man besser gut gewappnet. (Mich)

Wetter vs. Band

Die zweite Band am heutigen Samstag sind KANKAR aus Thüringen. Ganz ehrlich: Noch nie vorher gehört. Und der anhaltende Regen trägt leider auch nicht unbedingt zur Vorfreude bei. Trotzdem kämpfe ich mich durch den pampigen Matsch übers Infield und vor die Bühne, um dort festzustellen, dass es sich bei KANKAR um eine Zweimann-Formation handelt. Gitarre plus Gesang und das Schlagzeug müssen ausreichen.

Tun sie aber auch. Der Sound hat genug Wumms, um den Regen zu durchbrechen und immerhin eine zweistellige Zuschauerzahl dazu zu bewegen, der Sintflut zu trotzen und aus nächster Nähe zu lauschen. Für zwei Songs halte ich es auch aus, dann zieht es mich aber doch unter die allzu verlockende Plane des mit Bierbänken und Tischen ausgestatteten Fresszeltes – einer der wenigen schutzbietenden Orte. Von hier aus lausche ich weiter dem nihilistischen Black-Metal.

Zwei-Mann-Black-Metal mit Kankar

Ob denn auch Thüringer unter den Menschen vor der Bühne seien, will der Gitarrist nun wissen. Aber die scheinen sich ebenfalls einen Unterstand gesucht zu haben. KANKAR haben heute einfach wahnsinnig Pech. Ihr Auftritt hat definitiv das Potential für eine größere Zuhörerschaft, aber dieser verf****e Dauerregen in Kombination mit den beinahe winterlichen Temperaturen zwingt die meisten Festivalbesucher unerbittlich, sich von der Bühne fernzuhalten. Respekt an alle, die da zugunsten der Musik dem Sauwetter den Mittelfinger zeigen und in der ersten Reihe auszuharren! (Merlin)

Einigermaßen trocken und voller frischer Energie stehe ich wieder vor der Bühne, als OBSCURITY die ersten Töne erklingen lassen. Und es sind gute Töne! Makelloses Instrumentenspiel, makellose Growls und trotz der Umstände ein sehr ordentlicher Sound. Die Double Bass hat ordentlich Wumms und die Setlist ist durchgehend druckvoll und energetisch. Nicht fehlen darf natürlich der Klassiker „Bergischer Hammer“, und am Ende sind alle glücklich und zufrieden. OBSCURITY ist außerdem das Gleiche passiert wie vielen anderen Bands (auch WOLFCHANT): Ein neues Album hätte längst fertig sein sollen, doch dank Corona (und allem, was es mit sich gebracht hat) wird sich das aufs nächste Jahr verzögern. (Mich)

Obscurity gegen den Regen

…und das bedeutet Krieg!

Ein bisschen Gothic darf bei diesem gruseligen Wetter natürlich nicht fehlen. Dafür sorgen NACHTBLUT, die am 2. Oktober ihr neues Album „Vanitas“ veröffentlichen und uns heute schonmal einen kleinen Vorgeschmack geben. Leider regnet es immer noch ununterbrochen und die Kälte zieht mir durch Mark und Bein. Dennoch wage ich mich nach vorne, um dann zu bemerken, dass der Sound irgendwie etwas dünn ist. Aber immerhin ist die Band gut aufgelegt und hat ernsthafte Ambitionen, ihre Zuhörer bei der Stange zu halten.

Vor allem der weißblond gefärbte Bassist hat sichtlich Spaß, und Sänger Askeroth animiert die Menge zum Mitsingen. „Und jetzt die Herren! Und jetzt die Frauen! Und jetzt jeder, der eine Maske trägt!“ Jou, das dürften wohl die meisten sein. Dennoch ist er mit dem Ergebnis offenbar nicht zufrieden: „Ich hör ja gar nichts! Liegt das am fucking Mundschutz?!“ Auch die Götter, die vermeintlich für das anhaltende Dreckswetter verantwortlich sind, werden angepöbelt.

Nachtblut und der Blick zum Horizont

Neben Altbekanntem geben NACHTBLUT auch zwei Songs aus ihrem neuen Album zum Besten. Die gehen in der Tat ganz gut ab, gefällt mir! Aber der Klassiker schlechthin darf natürlich nicht fehlen, und so wird gegen Ende ihres Auftritts, na, was wohl gespielt? Genau, „Antik“. Zwischenzeitlich kommt mir der Gedanke, dass ich NACHTBLUT gerne mal bei Nacht auftreten sehen würde. Das gäbe bestimmt nochmal einen Bonus an düsterer Atmosphäre. Aber dann ist die Schlacht auch schon geschlagen und ich verziehe mich fröstelnd wieder unter die große Plane des Schutzbunkers aka Fresszelt.

Der Name ist Programm

Geliebt, gehasst, aber vor allem von der Bühne nicht mehr wegzudenken: Das sind EISREGEN! Kein Name könnte auf den heutigen Tag besser passen. Die Band aus Thüringen ist seit mehr als 20 Jahren aktiv und war schon diverse Male beim WOLFZEIT FESTIVAL zu Gast. Ich habe das Gefühl, auch ihr Publikum ist jedes Mal das gleiche. Ein Haufen treuer Fans feiert vor der Bühne im strömenden Regen, der Rest der Festivalbesucher vertreibt sich die Zeit aber lieber mit einer warmen Mahlzeit oder einem Becher Met, wahlweise Glühwein.

Die setlist von EISREGEN ist wenig überraschend: „Eisenkreuzkrieger“, „Blutgeil“, „Panzerschokolade“, und natürlich das Medley aus diversen Songs von ihnen, die auf dem Index stehen. Das Altbekannte halt. Ein bisschen was Neues wird auch gespielt, aber die Zuhörer möchten die Klassiker, und die bekommen sie auch. In den vorderen Reihen bildet sich ein kleiner, aber feiner Moshpit. Sänger Michael „Blutkehle“ Roth feuert die Menge kräftig an und bringt immer wieder den ein oder anderen lustigen Spruch zum nächsten Lied.

Die Blutkehle von Eisregen

Beim letzten Song drehen die Thüringer nochmal richtig auf und geben eine wilde „Elektrohexe“ zum Besten. Spätestens jetzt dürften die Herzen der Fans befriedigt sein. Wer sich heute tatsächlich aus der individuellen Deckung gewagt und vor die Bühne getraut hat, der konnte mit EISREGEN Party machen bis zum Umfallen. Ich bin leider nicht genug auf und ab gehüpft, und deshalb husche ich nun vor Kälte zitternd vom Infield, um mich vor BELPHEGOR und БАТЮШКА noch einmal so gut es geht aufzuwärmen. (Merlin)

Guter Gig, bitterer Nachgeschmack

Es folgen EQUILIBRIUM, heute in einer Light-Version: ohne Basser und mit Ersatzmann an der Trommelkiste. Eines der Nachteile daran, in diesen Zeiten aus einer internationalen Mannschaft zu bestehen. Überraschenderweise ist dies ein Line-Up, das der Band sehr gut steht! Schlagzeuger JAN (Yann?) beherrscht seine Zunft – und ohne SKAR am Bass gibt es in der Band keinen, der für Clean Vocals zuständig ist. Für mich ist die daran angepasste Setlist persönlich eher ein Gewinn als ein Verlust. Dabei gibt es auch hier wieder richtig ordentlichen Sound! Die Klampfen werden mit massiver Heaviness und Wucht gesegnet (eventuell um den Bass zu kompensieren), während Instrumente und Backing-Tracks diesmal perfekt ineinanderfließen (etwas, das bei dieser Band bei weitem nicht immer der Fall ist!). Auch die Auswahl an brachialeren und düstereren Songs funktioniert heute sehr gut.

Heute keine Kompromisse!

Maximale Minuspunkte kriegt die Band allerdings für die Aussagen, die Sänger ROBSE meinte, zwischen den Songs von sich geben zu müssen. Erst glaubte ich, es handele sich um Ironie, als er mehrmals von Maulkörben in den Gesichtern der Zuschauer geredet hat. Doch als dann die Aussage „Wir sind alle gesund, lasst euch keine Scheiße einflößen!“ kam, dachte ich, ich höre nicht richtig. Selbst wenn man diese Meinung vertritt und sich der Dummheit und Unverantwortlichkeit davon, so etwas von der Bühne aus in die Masse zu posaunen, nicht bewusst ist – selbst dann ist es immer noch eine gewaltige Frechheit dem Orga-Team des Festivals gegenüber, welches mit Händen und Füßen dieses Festival mit Müh und Not und nur durch peinlichstes Einhalten vorgegebener Regeln hat wahr werden lassen können. Die Besucher wurden hiermit unverblümt und buchstäblich dazu aufgefordert, die Situation sowie die Regeln nicht ernst zu nehmen. Nicht cool. Absolut nicht cool.

Eine späte Messe

Nach dem Konzert gibt dann eine spontane Änderung im Running Order: БАТЮШКА tauschen ihren Headliner-Slot mit BELPHEGOR. Gründe dafür werden nicht bekanntgegeben. An und für sich ist das wohl in Ordnung, jedoch lassen БАТЮШКА ihr Publikum, begleitet von gruseligem Ambient-Soundtrack, mehr als eine halbe Stunde länger vor der Bühne warten als geplant. Als endlich der Mensch die aufgebaute Kirchenszene betritt, der für das Anzünden der Kerzen verantwortlich ist, bläst ihm der Wind letztere auch noch immer und immer wieder aus. Und es sind viele Kerzen. Und der geht seelenruhig wieder hin und fängt sie wieder an. Während sie schon wieder am Ausgehen sind. Es macht mich verrückt. Nach dem fünften Versuch gibt er es dann endlich auf, und mit knapp 35 Minuten Verspätung kommt dann auch endlich mal die Band zum Vorschein. Wenigstens hat es mittlerweile aufgehört zu regnen.

Halleluja, es geht los!

Was dann folgt, ist das Warten allerdings mehr als wert. Ein finster-sakrales Schauspiel, schwarze Silhouetten vor unheilvollem roten Licht, Kirchenchor und Blast Beats – das Ganze umrahmt von einer Szenerie, die düstere Bilder altehrwürdiger Trauermessen hervorruft. Ein behängter Sarg, Tuniken, Heiligenbilder und Kerzenständer dekorieren das Bühnenbild zu der intensiven, hypnotischen Musikoffenbarung, mit der BATUSHKA ihre Anhänger segnen. Bedrohlich und atmosphärisch verschwimmt alles zu einer konzentrierten Gesamterfahrung, die die Zuschauerschar in sich hineinzieht und bis zum Ende nicht mehr hinauslässt. Erst spät merke ich, wie Kälte und Müdigkeit mich schon lange wieder eingenommen haben. Ich mache mich schleunigst zum Zeltplatz zurück, setze mich ins Auto und drehe die Sitzheizung auf Maximum. (Mich)

Ein würdiger, aber wenig würdevoller Abschluss

Es ist kalt, es ist spät, aber immerhin regnet es nicht mehr. Trotzdem muss ich mich einigermaßen gewaltsam dazu motivieren, ein letztes Mal das Infield zu betreten, um wenigstens etwas von BELPHEGOR mitzubekommen. Andere Festivalbesucher scheinen ebenfalls mit der Entscheidung gerungen zu haben. Besonders viel ist nicht los von der Bühne, und auch während des Konzerts verschwinden immer wieder Menschen in Richtung Ausgang. Ob das nur am Wetter oder auch ein bisschen an BELPHEGOR liegt?

„Wolfszeit! Wolfszeeeiiit!!! Come on!! Deutschland! Deutschlaaand!“, versucht der Sänger die verbliebenen Zuhörer zu motivieren. Besonders viel Reaktion kommt aber nicht zurück. Vielleicht auch deshalb, weil die deutschen Konzertbesucher es nicht zwangsläufig abfeiern, wenn ihnen der Name ihres Landes entgegengebrüllt wird. Musikalisch ist das, was BELPHEGOR da treiben, aber echt in Ordnung. Black-Death, unterstützt von gruseliger Bühnendeko und gespielt von blutverschmierten Musikern.

Vereinzelt sehe ich Leute mitwippen oder sogar headbangen, bei den meisten scheint die Energie aber verbraucht zu sein, und so geht der letzte Auftritt des diesjährigen WOLFSZEIT recht unspektakulär zu Ende. Wie schon gestern Abend weist die Security die verbliebenen Zuschauer an, zügig das Infield zu räumen. Ich stapfe also langsam Richtung Ausgang und habe dabei erstmals die Gelegenheit, das volle Ausmaß der Zerstörung zu begutachten:

Der gesamte Boden ist voll von Plastikbechern. Also nicht nur hier und da mal einer, sondern das Infield, vor allem der Bereich vor der Bühne, ist gepflastert mit ihnen. Ey Leute! Muss das wirklich sein? Ja, es die wenigen Mülleimer in Bühnennähe sind auch schon übervoll. Aber dann geht halt etwas weiter hinter zu denen bei den Essensständen, gebt eure Becher wieder dort ab, wo ihr sie herhabt, oder nehmt sie von mir aus mit auf den Campground und steckt sie dort in euren Müllsack (ja, ich weiß, als ob das einer machen würde). Aber das Infield wie sau zu hinterlassen, geht halt wirklich gar nicht. (Merlin)

Fazit

Puh! Wer hätte gedacht, dass das größte deutsche Metal-Festival 2020 ein derart feucht-fröhliches Vergnügen werden würde? Oder soll ich lieber sagen derart grim und frostbitten? Dass wir uns dadurch die Freude an der Sache nicht haben nehmen lassen, sollte an diesem Punkt klar sein. Wind und Wetter wurden getrotzt, der Pandemie wurde verdient der Mittelfinger ins Gesicht gehalten und es wurde nach allen unter diesen Umständen erlaubten und möglichen Regeln der Kunst gefeiert, geheadbangt und getrunken.

Nicht nur für die Zuschauer war diese Veranstaltung eine lang ersehnte Erlösung am Ende eines langen Sommers ohne viel Geselligkeit, Live-Musik und Opportunitäten, dem Metal zu frönen. Auch viele der Künstler konnten von der Ausnahmesituation profitieren, um endlich wieder auf der Bühne zu stehen zu dürfen. Das WOLFSZEIT 2020 war wahrlich ein Fest der Wiedergeburt und der Erneuerung. Ein gesetztes Zeichen dafür, dass die Kunst immer einen Weg findet, und dass kein Sturm und kein noch so langanhaltender Regenfall – metaphorischer oder realer Art – daran etwas ändern wird. (Mich)

Holla die Waldfee, was war das für eine Bewährungsprobe. Und damit meine ich nicht die Corona-Maßnahmen, sondern das unsägliche Herbstanfang-in-eure-Fresse-Wetter. Abgesehen davon war das WOLFSZEIT aber ein voller Erfolg. Trotz der Masken war den Besuchern die Freude über das doch noch zustande gekommene Festival buchstäblich vom Gesicht abzulesen.

Einen fetten Dank an dieser Stelle an die Orga, die ihren treuen Wölfen dieses Erlebnis auch in Coronazeiten ermöglicht hat!

Die Pandemie hatte übrigens auch Vorteile: Dank des Hygienekonzeptes gab es bei den Dixis auf dem Infield Wasser zum Hände waschen – das darf gerne so beibehalten werden! Auch Desinfektionsmittel war an Ein- und Ausgang immer ausreichend vorhanden. Was mir negativ auffiel, war der Zustand des Infields am Samstagabend. Vielleicht nächstes Jahr mehr Mülleimer seitens der Veranstalter und mehr Respekt seitens der Besucher. Insgesamt war es aber ein fettes Festival, das mir und hoffentlich auch allen anderen positiv in Erinnerung bleiben wird! trotz des miesen Wetters. Aber hey, das Ganze hatte einen Vorteil: Keine einzige Wespe weit und breit!

Was soll ich noch sagen – WOLFSZEIT 2020? Es war großartig mit euch. (Merlin)

Cheers und bis zum nächsten Mal!

Vielen lieben Dank an Zwarg, der spontan für uns als Fotograf eingesprungen ist!

Der Beitrag Wolfszeit 2020 – Metal, Matsch und Maskenpflicht erschien zuerst auf Silence Musik Magazin.

]]>
WOLFSZEIT 2020 – der Vorbericht! https://silence-magazin.de/wolfszeit-2020-der-vorbericht/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=wolfszeit-2020-der-vorbericht https://silence-magazin.de/wolfszeit-2020-der-vorbericht/#respond Thu, 17 Sep 2020 14:41:03 +0000 https://silence-magazin.de/?p=36204 Selbst den widrigsten Bedingungen trotzt dieses Jahr das Wolfszeit Festival. Wer von Euch ist dabei?

Der Beitrag WOLFSZEIT 2020 – der Vorbericht! erschien zuerst auf Silence Musik Magazin.

]]>
Nach viel Hin und Her ist es in ein paar Tagen endlich dann doch soweit: Das WOLFSZEIT Festival 2020 findet statt!

Dafür musste aber nicht nur die Zeit, sondern auch der Ort gewechselt werden: In Thüringen wäre eine solche Veranstaltung trotz Hygienekonzept und kleinem Umfang nicht möglich gewesen, und so hat man alle Räder zum Drehen gebracht, um das Wolfszeit in ein anderes Bundesland zu verlegen. Es wird sich nun also vom 24. bis 26. September in Torgau (Sachsen) auf dem Gelände Entenfang ereignen.

Bestaunen darf man am Freitag HELGRINDUR, TOTENGEFLÜSTER, ELLENDE, ASENBLUT, HARAKIRI FOR THE SKY, DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT und MGŁA. Zudem sind in letzter Sekunde WOLFCHANT als Ersatz für MANEGARM eingesprungen, da letztere aufgrund der Corona-Regelungen leider nicht aus Schweden anreisen dürfen. Am Samstag geben sich HEXADAR, KANKAR, OBSCURITY, NACHTBLUT, EISREGEN, EQUILIBRIUM, BELPHEGOR und zu guter Letzt БАТЮШКА die Ehre!

Es erwartet also, wie man es von diesem Festival gewohnt ist, ein exquisites Bankett an Pagan- und Black-Metal-Kapellen und Konsorten.

Damit für die Sicherheit aller Besucher und Musiker gesorgt ist, gelten in diesem Jahr allerdings einige besondere Regeln (direkt zitiert von der Wolfszeit-Facebook-Seite):

– Ermöglichung der Kontaktnachverfolgung im Ernstfall (Formular)
– Teilnehmer müssen die Einhaltung der Hygiene- & Infektionsschutzmaßnahmen bestätigen (Formular)
Maskenpflicht auf dem Bühnengelände, Einlass, Sanitärbereich, Wartebereiche etc. (ausgenommen davon ist euer Zeltplatz und wenn ihr euch auf der riesigen Wiesenfläche im Bühnengelände einen Platz mit mindestens 1,5m Abstand zu anderen Personen aussucht, um dort zu trinken und zu essen).
Jeder Teilnehmer muss sich beim Eintritt ins Bühnengelände und in den Sanitärbereich die Hände desinfizieren. (Desinfektionsspender findet ihr vor Ort)
Nach einmaliger Anreise darf das KFZ nur noch zur Abreise bewegt werden. Teilnehmer dürfen das Festivalgelände (inkl. Zeltplatz) nur zur einmaligen Abreise verlassen. Zwischendurch einkaufen im nächsten Ort oder eine Übernachtung außerhalb ist leider nicht möglich.
Personen, die Symptome von Atemwegserkrankungen bzw. Fieber bei sich feststellen / Kontakt zu Personen mit Atemwegserkrankungen in den 14 Tagen vor der Veranstaltung hatten / in den 14 Tagen vor der Veranstaltung in einem Gebiet mit erhöhtem Infektionsrisiko waren, dürfen nicht an der Veranstaltung teilnehmen.
Personen, die im Ort Torgau wohnen, dürfen leider nicht am Wolfszeit Festival 2020 teilnehmen. (Die Tickets behalten ihre Gültigkeit für 2021 oder können auf Wunsch erstattet werden)
– Die Anreise ist ab Donnerstag, den 24.09.2020 um 10:00 Uhr möglich (bitte reist nicht früher an).
Grillen und jegliches offene Feuer ist leider verboten. Es gibt in Torgau keinen gesicherten Grillplatz und der Wald ist einfach zu nah und trocken.

Ganz großer Respekt gilt den Veranstaltern, dass sie es, ganz gleich der vielen Probleme, Einschränkungen und Schwierigkeiten, die die momentane Situation mit sich bringt, durchgezogen haben und auch in diesem Jahr das WOLFSZEIT wieder auf die Beine gestellt haben. Wir bitten euch deswegen, den gleichen Respekt zu zeigen und die diesjährigen Zusatzregeln ernst zu nehmen – so dass es für alle ein schönes, auf gegenseitigem Respekt basierendes Festival ohne Risiken wird! Denn ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber wir lassen uns, auch mit diesen paar Einschränkungen, nicht den Spaß an der Sache verderben – und freuen uns wie jedes Jahr auf ein großartiges Festival mit richtig guten Bands. 

Der Beitrag WOLFSZEIT 2020 – der Vorbericht! erschien zuerst auf Silence Musik Magazin.

]]>
https://silence-magazin.de/wolfszeit-2020-der-vorbericht/feed/ 0