Home»Reviews»Black Metal»Tchornobog – Innere Dämonen

Tchornobog – Innere Dämonen

0
Shares
Pinterest Google+

TCHORNOBOG – Tchornobog
Veröffentlichungsdatum: 28.07.2017
Dauer: 64:24 min.
Label: I, Voidhanger Records
Stil: Black/Death/Doom Metal

Junge Menschen haben es manchmal nicht einfach. Der Wunsch, eine Band zu gründen und damit Anerkennung zu erreichen, ist ein löbliches Vorhaben. Doch die meisten nehmen viel zu schnell ein Album auf, ohne genügend Zeit im Proberaum zu verbringen. Das Ergebnis ist dann im schlimmsten Fall ein Rohrkrepierer, der eher für herbe Kritik und Häme sorgt. Bei TCHORNOBOG ist das aber eben nicht der Fall. Der 21 jährige Markov Soroka hat es geschafft, mit seinem Debüt einen düsteren Einblick in seine Psyche und den Eindruck auf diese Welt zu kreieren.

Tchornobog – Der Dämon in dir

Lediglich 4 Musikstücke befinden sich auf dem selbst betitelten Album “Tchornobog”. Doch die Spielzeit weist eine monströse Länge von 64 Minuten auf. Für zwischendurch eignet sich diese Platte also eher nicht. Beeindruckend ist jedoch, dass mit der Unterstützung von Magnús Skúlason (SVARTIDAUðI) und Greg Chandler von ESOTERIC klangliche Welt aus Schmerz und einem hohen Level an Verlorenheit erschaffen wurde.

Schon der Opener “The Vomiting Tchornobog” heult wütend mit seiner 21-minütigen Vielfältigkeit an rasenden Momenten und doomigen Abschnitten auf. Dazwischen ist immer wieder Platz für die abartigen melodischen Parts, die jedoch sehr bedacht eingestreut werden. Das Gesamtpaket hat eine starke Note von SVARTIDAUðI und, man glaubt es kaum, THE RUINS OF BEVERAST. Allerdings handelt es sich hier kaum um eine Kopie, obgleich die Einflüsse gut hörbar sind.

Die seltsamen Geräusche und Soundcollagen inmitten des Songs sorgen dann endgültig für eine auditive Séance der Extraklasse. Und ich habe gerade einmal den ersten Song gehört. Wie wollen die restlichen Kapitel das noch toppen?

Auch das Logo passt wie auf den Leib geschnitten

Verschmelzung von Realität und Fiktion

Das Tor zur Welt des TCHORNOBOG – einer eigenen Definition des Musikers für seine inneren Dämonen und dem Kampf mit ihnen in seiner Umwelt – steht weit offen. “Hallucinatory Black Breath of Possession (Mountain-Eye Amalgamation)” stürmt sogleich mit treibendem Rhythmus in die Hallen der Seele. Beängstigend nah an den Urvätern des chaotischen Black Metals (DEATHSPELL OMEGA) wüten die Gitarren zu zornigem Gebrüll. Ein Sog aus Manie und geifernder Aufwallung entfaltet sich. Im Auge des Sturms: ein hemmungsloser Anfall aus geradezu eingängigen Takten und die totale Entladung aus Gefühlen.

Und jetzt stellt euch noch einmal vor, dass es sich hier um einen Menschen handelt, der zarte 21 Lenze zählt. Der Beweis, dass auch in so einem Alter ein erwachsenes Werk entstehen kann. Hier gibt es keine modernen Zutaten wie den unerträglichen Trigger. Oder eine digitale Produktion.

Als Pluspunkt werte ich in diesem Song den Gesang, der nach IMHA TARIKAT klingt.

Nichtexistente Wärme

Der Beginn in “Non Existence’s Warmth” mit seinen unheilvollen Melodien und den rituellen Toms in Kombination mit den gehauchten Vocals könnte nicht besser sein. Statt einer neuen Eruption baut sich allerdings das Lied mit ruhigen Klängen und verhaltenem Drumming auf. Ein leicht ungerader Takt, der mit einem wunderschönem Saxofon-Solo veredelt wird. Und der anschließende Aufbau könnte nicht verbitterter klingen. Hier hört man die tiefe Verbundenheit, mit der Markov Soroka agiert. Dieser Song ist wahrhaftig der Höhepunkt von TCHORNOBOG.

Taucht HIER ab!

Nach diesen 8 Minuten zeigt sich dann wieder die hässliche Fratze der Band. Im Kriechgang suhlt sich das Stück vor Trauer umher und behält dabei die melancholische Note. Der Songtitel wird dem Ergebnis gerecht.

“Here, At The Disposition Of Time” zieht einen dann selber endgültig auf den Grund der bitteren Realität. Hier ist ein weiteres Mal die Ode an THE RUINS OF BEVERAST spürbar. Es bedarf keiner weiteren Worte. Hört euch diesen Giganten ausnahmsweise ohne meinen Input an.

Das ganze Album ist eine Erfahrung für sich. Sie wird vor allem auch durch das fantastische Cover von Adam Burke perfekt unterstützt.

https://markovsoroka.bandcamp.com/

Bilder mit freundlicher Genehmigung von Tchornobog und Tchornobog

Autorenbewertung

9
Wahnsinn. Ich spreche hier einen Pflichtkauf aus! Bringt Geduld mit und ihr haltet ein echtes Juwel aus Verzweiflung und Dunkelheit in euren Händen. Gerade der dritte Song bietet eine Verbundenheit aus kompakten Songwriting und echten Emotionen. Wehe ihr hört nicht rein!
ø 0 / 5 bei 0 Benutzerbewertungen
9 / 10 Punkten

Vorteile

+ authentisch
+ erdige Produktion
+ gelungene Gastbeiträge
+ herzergreifende Momente
+ tolles Cover
+ keine Längen auf der gesamten Platte!

Nachteile

- nichts für zwischendurch

Du liest diesen Beitrag, weil unsere Autoren lieben, was sie tun - wenn du ihre Arbeit liebst, kannst du uns, wie andere schon, unterstützen. Wie? Mit einem kleinen monatlichen Beitrag über silence-magazin@patreon Patreon
Vorheriger Beitrag

Pack die Bierpalette ein, nimm dein kleines Schwesterlein... - Barther Metal Open Air XIX

Nächster Beitrag

Die Sause auf dem Berg – Dong Open Air

1 Kommentar

  1. […] BATUSHKA und NARGAROTH nicht. Ersatzdrogen sind hier CULT OF FIRE, EVILFEAST oder auch seit neuem TCHORNOBOG, die aus verschiedenen Genres einen Prototyp geschaffen haben, den sonst nur THE RUINS OF BEVERAST […]

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.