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THE RUINS OF BEVERAST – Vertonter Schamanismus

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THE RUINS OF BEVERAST – Exuvia
Veröffentlichungsdatum: 05.05.2017
Dauer: 01:07:38 Min.
Label: Ván Records
Genre: Black/Death/Doom

Wenn man sich das Cover von “Exuvia” so ansieht, dann schwant einem Übles. Herr Meilenwald hat sich doch nicht etwa an das Thema Schamanismus gewagt? Peinlicher geht es nicht! Hat er zu viel Konservenmusik aus der Fußgängerzone konsumiert, oder ist er jetzt auf einem dieser spirituellen Trimm-dich-Pfade, die gefühlt jeder dritte Mensch in den Wechseljahren beschreitet, angekommen?

Ich kann euch beruhigen, der ehemalige Schlagzeuger von NAGELFAR war weder zu lange im Dschungelurlaub, noch hat er die Midlife-Crisis. Stattdessen befasst er sich mit einem sehr ernsten Prozess, ja geradezu Ritual, welches seine Band durchläuft.

“Exuvia”, was so viel wie “Häutung” in der Insektenwelt bedeutet, beschreibt ein weiteres Mal den stetigen Fortschritt von THE RUINS OF BEVERAST. Stillstand ist sozusagen der Tod. Der fünfte Output in gut 14 Jahren Bandhistorie ähnelt frappierend seinem Vorgänger “Blood Vaults” in Hinsicht auf die Schwere der Saiteninstrumente.

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Wiege dich in Trance

Von einem abrupt endendem Sample eines Schamanen, der eine Formel vor sich hinzumurmeln scheint, erhebt sich mit ruhigen Gitarren die magische Präsenz vom Titelsong “Exuvia” mit federleichtem Frauengesang. Kurz darauf ertönt es, das wohlige Growling von Alexander von Meilenwald, welches so unnachahmlich in Black-Metal-Gefilde jederzeit abdriftet. Auffällig ist wieder einmal, wie einzigartig dieser Musiker Songs komponiert und das “Exuvia” tatsächlich als erstes Album in einem richtigen Studio aufgenommen wurde. Alles andere nahm Meilenwald nämlich im Proberaum auf.

Nicht viele Leute können alle Instrumente einspielen, schon gar nicht so simpel und doch erhaben. Das Gefühl, in einen faszinierenden Ozean aus Atmosphäre einzutauchen, wird auf dieser Scheibe mehr als deutlich.

Spätestens ab der achten Minute befindet sich der Hörer vollkommen in dieser geheimnisvollen Klangwelt von THE RUINS OF BEVERAST. Das Lauschgift wirkt stark. Immer wieder verführen einen die repetitiven Töne. Der majestätische Gesang und ein astreines Gitarrensolo verstärken diese Prozedur um ein Vielfaches, bis sich das Konstrukt zu einem wahnhaften Gesamtwerk hochschaukelt.

Alleinkämpfer der Extraklasse: Alexander von Meilenwald

THE RUINS OF BEVERAST – immer tiefer in eine Welt aus Magie

So lässt sich auch der Rest des Albums beschreiben. Auch wenn sich die Stücke voneinander im Detail unterscheiden, so klingen sie wie ein großes Werk. “Surtur Barbaar Maritime” besticht durch knüppelnde Passagen, die ordentlich ballern, und hat doch einen interessanten Touch von einem Marsch aufzuweisen. Auch hier wartet der Track mit einem in sich fließendem Finale auf, das gekonnt alle Elemente vom Anfang vereint. “Maere (On A Stillbirth’s Tomb)” versprüht mit seinem absolut stimmigen Gitarrenbild und dem genialen Takt am Schlagzeug ein düsteres Dschungelflair. Es ist fast beängstigend, wie viel authentische Ausstrahlung Musik besitzen kann.

In Gedanken bewege ich mich hier immer tiefer in labyrinthartige Tropengebiete, die Orientierung ist schon längst verloren gegangen. Aber das ist egal, ich muss immer tiefer in dieses Milieu eindringen, bis ich mein (mir noch unbekanntes) Ziel erreicht habe.

Kommen wir nun zu meinem Liebling auf der Platte. “The Pythia’s Pale Wolves” wartet mit einem animalischen Rhythmus auf, dabei kommen verfremdete Laute wie aus einem anderen Universum zum Vorschein, die sphärischen cleanen Momente sind auch hier präsent. Tatsächlich scheinen auch alte Referenzen an die ersten Alben durch, welche ich natürlich mehr als willkommen heiße. Zur Mitte hin kommt die gewohnte Reizüberflutung und am Ende der Blastbeat, sowie schräge Tastenklänge.

Das letzte Drittel

“Towards Malakia” verbreitet von der ersten Sekunde an ein mulmiges Gefühl. Dies hält verdammt lange an. Erst nach knapp 7 Minuten befreien einen die Trommeln und der Blastbeat. Übrigens bedeutet das Wort “Malakia” so viel wie “Krankheit” oder “Unnatürliche Lust”. Die andere Bedeutung, nämlich “Masturbation”, steht natürlich auch im Raum, aber ich überlasse es lieber dem Hörer, an welche Bedeutung er glaubt. Den Abschluss macht “Takitum Tootem”, eine Beschwörung in Noten, welche durch konstantes Drumming und kehliges Gekeife seinen Charme entwickelt.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Alexander Von Meilenwald

Autorenbewertung

7
Alles in allem bietet "Exuvia" ein gewohnt erstklassiges Hörerlebnis, das in Deutschland unerreicht bleibt. Auch wenn Meilenwald nicht zurück zu seinen Wurzeln geht, sich gar von dem Vorgängeralbum entfernt, so bietet die neue Platte eine super Gelegenheit, sich mit The Ruins Of Beverast vertraut zu machen. Ritualistisches Schlagzeugspiel trifft auf spirituelle Anrufungen der Naturgeister.
ø 4.6 / 5 bei 3 Benutzerbewertungen
7 / 10 Punkten

Vorteile

+ kilometerdicke Atmosphäre
+ Weiterentwicklung und doch Altbewährtes zugleich
+ authentisches Konzept
+ kein Album klingt gleich

Nachteile

- für Neueinsteiger sehr lang
- kaum mit den anderen Alben vergleichbar

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1 Kommentar

  1. […] und harter Gitarrenmusik finde ich noch heute sehr spannend. Ein aktuelles Beispiel dazu wäre das vom Kollegen Hannes besprochene THE RUINS OF BEVERAST-Album “Exuvia”, wo ebenfalls viel mit eher hintergründig eingesetzten Synthies und elektronischen Elementen […]

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