Home»Live»Festivals»Thors steter Zorn: Metal Frenzy 2017

Thors steter Zorn: Metal Frenzy 2017

0
Shares
Pinterest Google+

Endlich wieder Frenzy! Seit 2014 das erste Metal Frenzy Open Air im Norden Sachsen-Anhalts stattfand, fanden sich jährlich gut 1000 Menschen in Gardelegen ein, um das Metal-Festival in der Altmark zu feiern. Von Beginn an wurden äußerst namhafte Bands aufgefahren. Daran sollte sich auch dieses Jahr nichts ändern.

 

Mittwoch, 28.06.2017 – Anreise: Zeit zu singen!

Wie bei vielen Festivals üblich, öffnet auch das Frenzy schon einen Tag vor Beginn der Live-Musik seine Pforten, um die Besucher aus allen Ecken Deutschlands willkommen zu heißen. Um genügend Zeit für den Aufbau unserer Zelte und des SILENCE-Standes zu haben, waren wir bereits am frühen Mittwochnachmittag vor Ort, und gehörten damit zu den ersten anwesenden Besuchern mit freier Platzwahl. Nach einem kleinen Regenschauer blieb es glücklicherweise für den Rest des Abends trocken, sodass sich bis zum Ende des Tages noch eine beträchtliche Anzahl an Besuchern auf dem Acker einfand. Und während sich bereits um halb elf abends die ersten Helden voll wie eine Strandhaubitze im feuchten Gras schlafen legten, feierten andere ab 0 Uhr beim Metal-Karaoke im Infield-Party-Zelt mit. Zu diesem Vergnügen ließen sich unter anderem ein gewisser Hannes mit „Paranoid“ von BLACK SABBATH und als Teil eines „Hearts On Fire“ von HAMMERFALL schmetternden Trios jener Autor hinreißen, der hier gerade schreibt.

Donnerstag, 29.06.2017 – vollgelaufene Schuhe und geschlossene Flugfelder

Lang wurde er herbeigesehnt, und nun war der erste Tag der Live-Musik in Gardelegen gekommen. Um hellwach in den Tag zu starten, galt es zunächst einmal, sich im Freibad neben dem Campinggelände zu erfrischen. Erstmalig gab es hier auch ein Wochenendbändchen für das Bad zu erwerben, womit ein langjähriger Wunsch vieler Campinggäste erfüllt wurde. 8 € für drei Tage unbegrenzten Schwimmbadbesuch sind dabei absolut fair. Nach einigen gezogenen Bahnen und fröhlichen Rutschdurchgängen als menschlicher Tausendfü… als menschliche Kette mit einigen Leuten aus meinem Camp, ging es nach dem feuchtfröhlichen Vergnügen dann auch schon bald aufs Infield, um sich den ersten Auftritt anzuschauen. Lediglich ein kurzer Besuch beim Frühstückzelt sollte noch eingeschoben werden – Rührei FTW!

Anders als üblich (sowohl für andere Festivals als auch für vorangegangene Auflagen des MFOA), fällt der Startschuss am Donnerstag früher als an den folgenden Tagen. Bereits um 11.45 Uhr eröffnen ASATOR mit ihrem melodischen Black Metal das Festival. Direkt vor der Bühne bleibt es noch relativ ruhig, doch etwas weiter hinten wuseln bereits einige Menschen umher. Nicht ganz unschuldig daran ist sicherlich die Happy Hour, bei der es zum ersten Auftritt des Tages 2 Bier zum Preis von einem abzugreifen gibt.

Dieser erste Auftritt stimmt die noch kleine Menge gut ein, ehe die Death-Metal-Band BLOODLAND die Bühne übernimmt. Die Kapelle stammt selbst aus Sachsen-Anhalt, und da Veranstalter Robert auch ein Herz für die kleinen Bands hat, bekommt sie hier ihre Chance. Während einige umherstehende Menschen die Band feiern, wird es gerade zum Ende des Auftritts etwas leerer. Die Stimmung ist trotzdem entspannt – gerade bei mir, schließlich liege ich gerade in der Wiese vor der Bühne. Noch ist es warm und trocken. Sollte ich dem Wetterbericht glauben schenken, wäre es damit wohl bald vorbei …

Weiter geht es mit VIRTUE CONCEPT, die mir vor allem durch ihren rauen Core, einem markanten bayerischen Dialekt (allerdings nur bei den Ansagen, glücklicherweise nicht während des Gesangs) und die flammende Hand auf dem Backdrop im Hintergrund in Erinnerung bleiben. Im Anschluss daran folgt der Auftritt einer Band, auf den einige Fans über zwei Jahre lang gewartet haben. Als nächstes treten nämlich VISIONS OF ATLANTIS auf, die schon 2015 in Gardelegen vorbeischauen sollten, aufgrund einer Verletzung des Drummers aber noch absagen mussten. Diesmal ist die gesamte Truppe fit und gibt ihren Symphonic Metal zum besten, der – im Gegensatz zu den Werken vieler Genrekollegen – nicht zur Reihe des „Female Fronted Metal“ gehört, sondern auf ein Zweigespann beider Geschlechter setzt. Siegfried und Clementine, „The Metal Frenchy“, wie sie im Laufe des Auftritts in Anspielung auf den Namen des Festivals bezeichnet wird, funktionieren gut zusammen. Die Musik ist weniger bedrohlich als bei Gruppen wie XANDRIA oder DIABULUS IN MUSICA, sodass ich gerade am Titel „New Dawn“ Gefallen finde, der etwas weniger verschmust wirkt. Doch auch mit der einfühlsamen Ballade „Winternights“ weiß die österreichische Gruppe zu punkten.

Sängerin Clementine Delauney alias “The Metal Frenchy”

Während ich nun zum Camp zurückmarschiere, um mir die guten Dosen-Ravioli vom Kaufland zu gönnen und bei den Autogrammstunden an unserem Stand mitzuhelfen, nimmt Hannes den Auftritt von ILLDISPOSED unter die Lupe:

„Die schrägen Dänen spielen für meine Begriffe unverdient am Donnerstag für gerade mal 50 Minuten. Da heißt es klotzen und nicht trödeln. 11 Songs aus 13 Alben zu picken ist wahrlich nicht einfach, weshalb sich ILLDISPOSED redlich bemühen, von jedem Album etwas zu spielen. Passenderweise regnet es jetzt nicht mehr so stark und zahlreiche Gäste können vor der Bühne ein Fest aus Groove und schrägen, humorvollen Ansagen („Volbeat ist ‚Frauen-Metal‘“) von Sänger Bo zelebrieren. Da wackelt der Kopf von alleine!“

Im Anschluss daran spielt die holländische Band HEIDEVOLK, deren Auftritt meine Kollegin Sarah beiwohnt. Ein wichtiger Auftritt, handelt es sich doch um die einzige auftretende Folk-Band dieses Jahres. HEIDEVOLK feiern auf dem Metal Frenzy Open Air zudem ihr 15-jähriges Band-Bestehen. Das Versprechen, von jedem Album mindestens einen Song zu spielen, lösen sie erwartungsgemäß ein. Mit Songs wie „Winter woede“, „Saksenland“ und „Een nieuw begin“ feiert die ausgelassene Metal-Gemeinde die Band auch bei mittlerweile starkem Regen.

Besagter Regen trägt sicherlich eine gewisse Mitschuld, dass RAGE mit 25 Minuten Verzögerung beginnt. Das Urgestein aus Nordrhein-Westfalen rockt trotz schlechten Wetters die Bühne und versteht es, die Fans abzuholen. Gespielt wird astreiner Heavy Metal mit starkem Ohrwurmpotential. Ich bin überrascht ob der Spielfreude und der Energie, die die Band verströmt. Die Stimmung findet ihren Höhepunkt, als mit dem finalen „Higher Than The Sky“ noch einmal ordentlich zum Mitsingen animiert wird.

Einen kleinen Dämpfer erhält die gute Laune, als verkündet wird, dass sich der Auftritt AMORPHIS‘ aufgrund Verzögerungen beim Flug verschiebt. Allzu schade ist das aber nicht, denn dies bietet Gelegenheit, sich ein wenig zu trocknen, da der Regen unverändert stark anhält. 21.22 Uhr beginnt schließlich die Show. Die finnische Metal-Band, die früher durch Melodic Death Metal bekannt wurde und sich mittlerweile in Richtung Progressive Metal entwickelt hat, gibt ein knapp einstündiges (und damit leicht verkürztes) Set zum Besten. So unangenehm der Kleidung durchweichende Regen auch sein mag, so stark beeinflusst er doch die Stimmung. In einer dem Wetter trotzenden Meute stehen und „Sacrifice“ lauschen, während die Regentropfen auf dem Gesicht niedergehen – atmosphärisch gesehen, ist der Gig von AMORPHIS definitiv einer der stärksten des 4. Metal Frenzy Open Air.

Richtig heiß wurde es noch einmal bei der Feuershow von Völkerball.

Doch die längste Show des Abends sollte erst noch folgen. Obgleich AMORPHIS offiziell als Headliner gesetzt war, wurde VÖLKERBALL von Anfang an ein zweistündiger (!) Slot zugedacht, um mit einer „explosiven RAMMSTEIN Feuershow“ anzuheizen. Die relativ große Menge, die sich trotz des schlechten Wetters vor die Bühne wagt, zeigt, dass hier die richtige Entscheidung getroffen wurde. Die Tribute-Band wartet mit allerlei Pyro-Spielereien auf und bietet tatsächlich eine würdige Show. Insbesondere in den langsamen und tiefen Gesangspassagen klingt Sänger René Anlauff mitunter ähnlich wie das Vorbild Till Lindemann. Von alten Hits wie „Weißes Fleisch“ über „Sonne“ bis hin zu neueren Nummern wie „Zerstören“ oder „Frühling in Paris“ wird ein sehr abwechslungsreiches Set geboten. Ich selbst möchte eigentlich 0 Uhr los, lasse mich aber doch immer wieder von den Hits meiner Lieblingsband jüngerer Jahren bannen. „‚Mein Teil‘? Okay, der geht noch. Jetzt aber… Oh, oh, ‚Du Hast‘, das MUSS ich sehen!…  So, jetzt aber nach Hau… Wie, ‚Ich tu dir weh‘? Ob hier wohl wie beim Original ein Funkenstrom auf den Keyboarder niedergeht? Das muss ich wissen… Oh ja, wunderbar!‘. Die Band macht einen fantastischen Job. Als dann „Ohne Dich“ beginnt, sehe ich das als persönliches Zeichen an mich, nach Hause zu gehen. Mit vollgelaufenen Schuhen und einer nassgesaugten Jacke, die ihr Gewicht mindestens verdreifacht hat, hieve ich mich ins Auto, um in meine nahegelegene Heimat zu düsen und dem Regen zu entgehen.

 

Freitag, 30.06.2017 – Lasset das Heu fliegen!

Als ich am nächsten Morgen erneut in Gardelegen eintrudle, hat sich der Regen glücklicherweise verzogen. Einige Zelte haben Wassereinbruch zu beklagen gehabt – ich selbst wäre trocken geblieben, wie ich bei der Inspektion meines noch immer stehenden Zeltes feststelle.

Der Boden des Campgrounds und des Infields haben unter dem Regen gelitten, doch die Crew vom Frenzy lässt sich nicht lumpen und wirkt dem Schlamm durch Einsatz von größeren Mengen Heu entgegen. Somit können die Besucher der ersten Band NAMELESS DISEASE vor der Bühne zuschauen, ohne im Schlamm einzusinken. Der Sound ist sehr sauber, als die sachsen-anhaltische Band aus Nordhausen die Menge mit ihrem harten Death Metal wachrüttelt. Ich hätte erwartet, dass nach der feuchten Nacht nur wenige Besucher vor die Bühne finden, doch es finden wider Erwarten einige Menschen mehr vor die Bühne. Das weiß die Band zu würdigen, die sich beim Veranstalter Robert Röttger für die Chance bedankt, als so kleine Band erstmalig auf einer so großen Bühne spielen zu dürfen.

Auf eine junge Band folgt eine alte. TEMPEST rockt nun die Bühne. Die Gruppe ist bereits seit 1983 aktiv, hat im Verlauf der letzten 35 Jahre aber ihre gute Laune nicht verloren und präsentieren den Fans Heavy-Metal-Titel wie „Barracuda“ aus den vergangenen Jahrzehnten. Damit ist die Band auch schon die letzte, die vom „guten“, bewölkten Wetter profitiert, denn beim folgenden Auftritt der CRUSHING CASPARS, den sich Hannes zu Gemüte führt, setzt der Regen auch schon wieder ein.

„Neben den KRAWALLBRÜDERN sind die CRUSHING CASPARS die einzigen Verfechter des (Hardcore) Punks, doch das kommt bei den Leuten ziemlich gut an. Auch wenn vielleicht nicht so viele Menschen die Show erleben, so lassen sich die Jungs aus Rostock keineswegs beirren und zocken mit sichtbarer Spielfreude ein Set voller Energier herunter. Und gegen Ende stehen dann doch noch ordentlich Leute vor der Bühne, um die Mischung aus Rock ‘N’ Roll, Metal und Punk abzufeiern.“

Als nächstes ist dann auch schon IN DEMONI aus Magdeburg am Start. An regionalen Bands aus Sachsen-Anhalt mangelt es wirklich nicht. Die Death-Metal-Truppe aus der Landeshauptstadt war allerdings nicht von Anfang an eingeplant, sondern sprang relativ kurzfristig für NAILED TO OBSCURITY ein, welche wenige Tage zuvor aus gesundheitlichen Gründen absagen mussten. Eine große Chance für die Magdeburger, und ein umso größerer Tag, da heute zum ersten Mal der neue Sänger mit der Band auftritt. Trotz Abwesenheit des Gitarristen Mathi gibt sich die Band keine Blöße, zieht den Gig durch und bedankt sich bei den anwesenden Fans, dass sie die Band unterstützen, da ein solcher Auftritt für die Band nicht ganz alltäglich sei. Und wie die Fans sie unterstützen – mit dem Heu vor der Bühne um sich schmeißend und im Heuregen tanzend. Ein schönes Spielzeug, das Robert ihnen dort hinterließ! Spaß hatten die Zuschauer hier auf jeden Fall.

Sehr voll, vielleicht sogar voller als bei den Auftritten der beiden großen Bands des Vorabends (Merke: Regen schrumpft die Zuschauerzahl!), wird es beim Auftritt von MACBETH unter ausnahmsweise trockenen Bedingungen. Endlich trauen sich auch ein paar Mosher aus ihren Zelten. Die sympathische Band zieht! Das zeigt auch das Luftbild, das während dieses Auftritts eingefangen wird, als ein kleines Flugzeug das Gelände umkreist.

MACBETH besteht ebenfalls schon seit Anfang der 1980er Jahre und wurde seitdem mehrfach aufgelöst und neugegründet. Die Heavy-Metaller sind neben VADER die erste Band, die zum zweiten Mal auf dem Festival auftreten darf, und verkündet, sich über die offenbar gestiegene Anzahl an Campern zu freuen. Das Festival solle weiter stattfinden, damit man nach dem 2. und 4. Metal Frenzy auch bei der 6. Auflage dabei sein könne.

An die gute Laune können die EVIL INVADERS anknüpfen, die mit hervorragendem Thrash die Leute in Feierlaune versetzen. Schnell und melodisch, mit einer sich wunderbar einfügenden, hoch kreischenden Stimme des Frontsängers, kommen einige Fans nicht umhin, erneut das getrocknete Gras durch die Luft wirbeln zu lassen und den strohernen Circlepit zu eröffnen. Auch der erneut einsetzende Regen kann die Leute nicht bremsen. Selten war ein Auftritt so ausgelassen wie dieser!

Im Anschluss folgen zwei ungleiche Death-Metal-Bands. Zuerst knüppeln VADER, die auch schon beim Debüt des MFOA mit von der Partie waren, ordentlich los, ehe mit FLESHGOD APOCALYPSE eine sehr spannende Band das Ruder übernimmt. Die Römer mischen technischen Death Metal mit symphonischen Klängen. So wird auch die wundervolle Opernstimme Veronica Bordacchinis wirkungsvoll in Szene gesetzt. Es entsteht eine Art Symphonic Death Metal, die ziemlich besonders ist.

Nachdem sich der Regen zunächst etwas verzogen hatte, verstärkt er sich pünktlich zum Auftritt des Freitagsheadliners wieder. Zum ersten Mal in der Geschichte des Frenzy wurde eine Band aus dem Power Metal als einer der Hauptacts ausgewählt: die Finnen von STRATOVARIUS. Trotz vorangegangerer logistischer Schwierigkeiten der Band (die Keyboards für den Auftritt waren bereits für den nächsten Gig nach Madrid geflogen worden), die es nötig machten, dass Keyboarder Jens Johansson sein Instrument noch bis kurz vor dem Auftritt im Hotel modifizierte, steht die Band mit leichter Verzögerung letztendlich auf der Bühne, als sei nichts gewesen. Der Stil ist Band ist gekennzeichnet durch das recht dominant eingesetzte Keyboard, doch auch durch den insgesamt weniger harten Sound. Leider ist es deutlich leerer als z.B. bei VÖLKERBALL am Vorabend. Die Finnen bleiben der Headliner mit den wenigsten Fans vor der Bühne.

Und so selten das ist: an diesem Tag darf sich der After-Headliner auf eine größere Fanbase stützen als der eigentliche Headliner. Überraschend oft ertönten schon im Voraus die Machwerke der Gore-Band GUTALAX auf dem Campinggelände. Trotzdem ist die Band auf dem Metal Frenzy Open Air Festival wohl die kontroverseste. Zum einen können die Vocals mit Fug und Recht als einzigartig bezeichnet werden. Das Lieblingsthema der Band ist menschlicher Dung. Die Fans finden die Tschechen aber ganz und gar nicht scheiße und feiern ausgelassen und heiter, mit Klobürste und Klorollen bewaffnet. Diesem Treiben wohne ich allerdings nicht selbst bei, sondern meine Kollegin Sarah, da ich die Band wie ihr Thema bewerte und mich fluchtartig nach Hause begebe.

Der vielleicht größte Publikumsmagnet des vierten Metal Frenzy: Gutalax.

Samstag, 01.07.2017 – Die Wolken lichten sich

Als ich zum letzten Mal den Acker in Gardelegen befahre, tröpfelt es noch leicht, sodass es ein wenig ungemütlich ist, doch der schlimmste Regen ist überstanden. Gut für die Tages-Opener ABORT ONCE AROUND, die aus Sachsen-Anhalt stammen, genauer gesagt aus dem SILENCE-Zentrum: Halle an der Saale. Die Band macht für den ersten Act des Tages erstaunlich viel Stimmung und heizt mit ihrem Metal- und Hardcore richtig ein, was das Publikum mit vereinzelten Circle Pits dankt. Die Jungs auf der Bühne werden nicht müde zu betonen, wie glücklich sie über ihre Chance sind und wie sehr sie sich freuen, dass sich so viele Leute (immerhin 80-100) den Auftritt anschauen. Ein persönlicher Dank geht abermals an Robert Röttger, dass er das Festival trotz finanzieller Ungewissheit immer wieder durchführt und so die Szene unterstützt.

Wer dachte, dass ABORT ONCE AROUND die regionalsten Künstler des Tages sind, irrt! Gleich im Anschluss betreten nämlich die Alternative-Metaller SIN ARREST die Bühne. Diese stammen aus Gardelegen selbst und sind damit die Lokalmatadoren des 4. Metal Frenzy. Die kleine Band legt sich ordentlich ins Zeug, und der Sänger nutzt sogar den Graben vor der Bühne aus, um sich richtig auszutoben. Die Gruppe bemüht sich insgesamt, das Publikum einzubeziehen, was sich zu dieser Zeit als sehr schwer erweist. Allein aufgrund ihres Einsatzes gebührt den Jungs auf jeden Fall Respekt!

Als Power-Metal-Fan freue ich mich sehr auf den anstehenden Auftritt von VICTORIUS. Die Band selbst hat ihren Sitz in Leipzig, wobei auch einige Bandmitglieder aus Sachsen-Anhalt stammen. Die ostdeutsche Power-Metal-Band liefert souverän ab und macht richtig Spaß, obgleich sich mein Kollege bei Songnamen wie „Empire Of The Dragonking“ und „Hammer Of Justice“ sowie Passagen über das „Ende des Regenbogens“ nicht verkneifen kann,  ob der Klischees schmunzelnd den Kopf zu schütteln. Macht aber nichts, Power Metal darf (und soll?!) so sein. Sauber!

Im Anschluss gibt es mit dem atmosphärischen Black Metal FIRTANs, die sich heute ohne ihren Bassisten auf die Bühne wagen müssen, sowie der deutlich brutaleren Hardcore-Formation BORN FROM PAIN ein starkes Kontrastprogramm zur vorangegangenen Truppe auf die Ohren. Begleitet von dieser musikalischen Untermalung, kundschafte ich die Essensstände auf dem Frenzy aus. Über Schnitzel und Bockwurst, Knoblauchbrot und Buletten, Flammkuchen und Crepes sowie Burger und Hotdogs gibt es hier ein sehr vielseitiges Angebot zu meist angemessenen Preisen.

Ob Sonnenschein oder Wolkenbruch – wirklich leer ist es vor der Bühne nie.

Heiß erwartet wurde für 17:10 Uhr die Pagan-Band BLACK MESSIAH, die ihr 26-jähriges Bandbestehen feiert. Die deutschen Urgesteine waren bereits vor ihrem Auftritt bei uns am SILENCE-Stand zur Autogrammstunde und brachten eine gehörige Portion gute Laune mit. Diese Power können sie auch auf der Bühne zum Ausdruck bringen und feiern mit den Fans zu Songs wie „Söldnerschwein“, „Sauflied“ und „Wildsau“. Einen Tag vor ihrem Auftritt brachte die Band übrigens ihr siebtes Album heraus. Aus diesem Grund geben die Herren aus Gelsenkirchen auch von der neuen LP eine Kostprobe.

Nach diesem schwungvollen Auftritt, tritt mit DESOLATED aus dem Vereinigten Königreich eine völlig andere Band auf. Die Musik ist oftmals sehr langsam und schwer. Der Auftritt fällt allerdings überraschend kurz aus, da die Band 20 Minuten früher aufhört als geplant und somit nur auf 30 Minuten Spielzeit kommt. Für mich umso günstiger, da ich mich mit meinen Kollegen auf die Autogrammstunde des Abends mit dem größten Andrang vorbereiten kann. Eine unglaubliche Masse an Leuten möchte von TANKARD Autogramme bekommen, sodass sich eine sehr lange Schlange bildet. Die mit Abstand bestbesuchte Signing Session des Wochenendes!

Danach spielen THE UNGUIDED, auf die ich mich lange gefreut habe. Diese zollen den Besuchern Respekt dafür, an den Vortagen wie echte Krieger dem Regen widerstanden zu haben, kommen gleichzeitig aber nicht umhin, etwas zu feixen und sich darüber zu freuen, dass der Sommer in Deutschland genauso beschissen sei wie in Schweden, der Heimat der Band. Die Band spielt sehr melodischen Metal, der sich bereits in Richtung Metalcore bewegt, wie u.a. Breakdowns und die vielen cleanen Gesangslines verdeutlichen. Die Musiker selbst wissen um den umstrittenen Ruf dieser Richtung in der Szene, weshalb sie sich noch einmal extra dafür bedanken, dass so viele Leute gekommen sind, obwohl die Musik „nicht so richtig Metal“ ist. Voll ist es in der Tat, und auch die Stimmung ist äußerst locker.

Wo wir gerade bei umstritten sind: als drittletzte Band des Festivals treten die KRAWALLBRÜDER auf. Deutschrock ist ja immer so ne Sache … In der Altmark hat dieser aber offenbar eine starke Basis, da der Auftritt besser besucht ist als die vorangegangenen. Ich selbst kann den Brüdern dort vorn nicht viel abgewinnen, und auch die Pyro-Effekte in Form von Flammensäulen hätte man sich angesichts des Kopfschmerzen erzeugenden Gestanks besser gespart. Eigentlich hatte die Band auch die letzte an unserem Autogrammstunden-Stand sein sollen, doch man entschied sich wider Absprache spontan, sich dafür einfach ins Nachbarzelt zu den Merch-Kollegen zu setzen. Kein feiner Zug, aber Grund genug für uns, aufgrund des abgeschlossenen Programms zusammenzupacken und unseren Stand abzubauen.

Mit Destruction spielt am Sonntagabend die letzte von insgesamt 30 Bands.

Wie auch schon beim letzten Frenzy, besteht das Finale aus einer Deutschrock-Band, gefolgt von zwei Thrash-Größen. Diese sind in diesem Jahr TANKARD und DESTRUCTION, zwei der „Teutonic Four“. Schon bei ersteren wird zu Klassikern wie „Empty Tankard“, „Chemical Invasion“, „Zombie Invasion“ und „Rest In Beer“, aber auch neuen Titeln wie „One Foot In The Grave“ lautstark gefeiert. Den Abend beschließt ab 23:45 Uhr Headliner DESTRUCTION. Auch hier stehen einige Hits auf der Setlist. Neben „Nailed To The Cross“ und „Bestial Invasion“, wird der Song „Thrash Attack“ zum Besten gegeben, der zuvor sehr lange nicht gespielt worden war. Sänger Schmier lässt während des Auftritts die Menge an seinem Hopfengetränk teilhaben und ist amüsiert, dass dieses mit Bravour gefangen wird. „In Deutschland ist das Bier heilig“, wie er verlauten lässt. Als er mit den Worten „Wer will schon zwischen 80.000 Leuten eingesperrt sein? Geiles Ding, geiles Festival!“ sein Lob für das Metal Frenzy ausspricht, sehe ich das als fantastisches Schlusswort. Unser Stand ist abgebaut, unsere Zelte auch – ab nach Hause!

 

Fazit-Time: Wie war das 4. Metal Frenzy?

Kurz gesagt: gewohnt geil! Ich liebe das Mixed-Metal-Konzept des Metal Frenzy Open Air. Für jeden sind einige Treffer dabei, aber auch solche Bands, die eine Grill- und Bierpause guten Gewissens zulassen, da fast niemand sämtliche Genres gleichermaßen feiert. Außerdem kann die Veranstaltung mit Namen glänzen, die kaum ein Open Air dieser Größe auffahren kann. Obwohl das Festival mit schlechtem Wetter zu kämpfen hatte, war zudem auch die Stimmung wieder hervorragend. Das Festival selbst ist hervorragend durchgeplant, was sich auch an der schnellen Reaktion auf des Wetter (Stichwort: Heu-Verteilung) und der wie jedes Jahr erstklassigen Dixi-Situation zeigt. Wie in allen Jahren zuvor, kam der potentielle Pluspunkt „Schwimmbad“ zur Abkühlung bei Hitze leider nicht zum Tragen. Der Wettergott scheint dem Festival in Gardelegen nicht wohlgesonnen. Doch dafür hat das Metal Frenzy bei mir einen dicken Stein im Brett. Robert, zieh weiter durch – nächstes Jahr komm ich wieder!

Frenzy Online


Du liest diesen Beitrag, weil unsere Autoren lieben, was sie tun - wenn du ihre Arbeit liebst, kannst du uns, wie andere schon, unterstützen. Wie? Mit einem kleinen monatlichen Beitrag über silence-magazin@patreon Patreon
Vorheriger Beitrag

Trauriger Verlust für LINKIN PARK-Fans

Nächster Beitrag

Alles auf Anfang – MALLEVS MALEFICARVM im Club From Hell Erfurt

Keine Kommentare

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.