Universum25 – Live zwischen Maschinen und Menschlichkeit

Wir gehen zurück in die kalte Jahreszeit in Hamburg vors Knust.
Es ist eine trockene, herrliche Kälte und in Hamburg liegt überall Schnee. Kurz vor Einlass wird sogar nochmal der Bereich direkt vor der Tür gestreut.

Hausverbot?

Patrick Burkhardt

Die Luft im Knust ist schon gut erhitzt und der Saal füllt sich doch recht schnell. Heute heißt es ausverkauft. Dann betreten SOAB die Bühne und liefern direkt ab. „Hausverbot“ heißt der erste Track des Abends, der von der gleichnamigen EP aus dem Februar stammt! Hier gibt es einen geilen Takt, der immer mal wieder zum Klatschen einlädt. Warum auch immer nutzt das leider niemand! Keine Ahnung warum. Es wirkt auch nicht so, als ob die Gäste die Band ablehnen würden. Denn sie machen fleißig mit, als die Band das Publikum den Refrain nachsingen lässt, nachdem sie ihn selbst viermal vorgesungen haben.
Und auch wenn die Leute das irgendwie nicht nutzen, schreit der Song einfach „Gute Laune“!
Nach dem dritten Song beginnt dann auch das Publikum an den geeigneten Stellen das Klatschen, angestiftet vom Sänger, der damit endlich das Eis bricht!

Zwischen Eskalation und ehrlichen Momenten

Fünf junge Männer, die einfach feiern wollen, was sich in ihren Texten auch widerspiegelt. Im Gepäck haben SOAB aber auch durchaus kritische Texte wie zum Beispiel bei „Get The Fuck Up“. Oder auch nachdenkliche Texte, die eine schöne Zeit mit Freunden über Geld stellen, wie in „Gib mir Zeit“, der mit den Worten eingeleitet wird „Wenn ihr irgendwie Zweifel daran habt, dass ihr ganz tolle Leute um euch herum habt, habt den Mut, wenn es euch schlecht geht mit denen darüber zu reden. Irgendwann ist es zu spät dafür.“
Im Grunde liefern sie einen Mix aus deutschem Punkrock und etwas Nu Metal.

Leider ist auch eine vertane Chance in der Setlist. Denn mit „Mit jedem Kilometer“ hatten SOAB auf ihrem 2022er Album ein DRITTE WAHL Feature, welches man hier mit Gunnar hätte gemeinsam spielen können. Finde es immer schade, wenn sowas nicht genutzt wird. Immerhin steckt Gunnar mindestens einmal seinen Kopf ausm Backstagebereich, der direkt an der Bühne gelegen ist.
Natürlich bedanken sich die Jungs von SOAB auch bei UNIVERSUM25, dafür, dass sie als Support eingeladen wurden.

 

Patrick Burkhardt

Mit „Dinos aus dem All“ gibt es auch einen Song vom anstehenden Album, das man kurz anteasert, genauso wie die Release Show in Ottelin, im Landkreis Rostock. Dort veranstalten die Jungs das Festival OETTELVILLE am 16.05.2026.

Und dass die Jungs keine Berührungsängste haben, zeigt zumindest Sänger Georg bei „Get The Fuck Up“, als er kurz vor Schluss ins Publikum geht, um einen Moshpit zu starten. Dieser beginnt eher zögerlich, nimmt dann aber Fahrt auf.
Zum letzten Song des SOAB Sets, „Ich hass dich“ von NINA CHUBA im Original, bedanken sie sich auch nochmal beim Publikum. „Hamburg, vielen vielen vielen Dank. Wir hatten etwas Schiss vor dem Abend, aber ihr habt uns so lieb empfangen. Vielen Dank für den großartigen Abend mit euch!“
Die Menge grölt vor Freude.

 

SETLIST SOAB

Hausarrest – Beiss ab – Alles was mal war – Maulmische – Gib mir Zeit – Mit jedem Kilometer – Dinos aus dem All – How we know – Get the fuck up – Ich hass dich

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Wenn Roboter träumen und das Knust im Nebel versinkt

Das Knust ist in Nebel und gespenstisches blaues Licht gehüllt! Etwas, das UNIVERSUM25 sehr gut machen; das Spiel mit dem Licht! Nach und nach betreten die Mitglieder die Bühne und nehmen ihre Position ein. Ihr Set eröffnen die fünf Jungs mit dem Track „Wenn Roboter träumen“ und feiern damit die Live-Premiere des ersten Tracks vom neuen Album „Die Maschinen wollen leben“, welches, zu diesem Zeitpunkt, in wenigen Stunden erhältlich sein wird. Es folgen noch 4 weitere Live Premieren über das gesamte Set verteilt.

Begrüßt wird das Publikum dann mit den Worten „Hallo Hamburg.“ von Gunnar und Michas „Hummel Hummel, Mors Mors.“, einem alten Hamburger Sprichwort, das sich auf den Wasserträger Johann Wilhelm Bentz beziehtAnsonsten geht es erstmal ohne Umschweife direkt mit der eingedeutschten Version „Irgendwann“ weiter, die im Original von Pats Band FIDDLER’S GREEN stammt.
Man merkt auf jeden Fall direkt, dass sowohl die Menge im Knust, wie auch die Band selbst, richtig gute Laune haben. Wie soll es auch anders sein. Ausverkauftes Knust und einen Tag vor Release.

Zwischen Freundschaft und Wut

Patrick Burkhardt

Der Abend ist gespickt mit Sprüchen und kleinen Seitenhieben zwischen den Bandmitgliedern. Zum Beispiel als Gunnar davon erzählt, wie sie Hamburg erkundet haben. Unter anderem den Flakbunker, an dem man außen entlang auf das Dach kann um ihn als Aussichtsplattform zu nutzen. Diese Erzählung wird unterbrochen von Pat: „Trotz Michas Höhenangst, Applaus für Micha!“ Der Aufforderung kommt das Publikum johlend nach und Pat legt einen drauf: „Wir mussten ihm die Hand halten. Wir mussten ihn hochschleifen. So ist er auf die Hälfte mit hoch gekommen, dann ist er auch gleich wieder runter.“
Die Menge lacht und Micha entgegnet: „Mir fällt für dich heute Abend auch noch was ein, verlass dich drauf.“
Man merkt einfach, dass hier nicht nur Band Kollegen, sondern Freunde auf der Bühne stehen. Menschen, die sich schon jahrelang kennen und gemeinsam über sich lachen können. Mit seinen flapsigen Sprüchen erheitert Pat auch regelmäßig die Fans von FIDDLER’S GREEN.
Dann wird es aber auch direkt wieder ernst. Das Licht hüllt das Knust in Rot und es erklingen die ersten Töne, von „Harte Kost“! Bei diesen Texten braucht es die gelegentlichen Scherze zwischendurch. Der Gesang von Micha ist sehr ausdrucksstark und energiegeladen. Und das Publikum singt fleißig mit und lässt seiner Wut einfach freien Lauf!
Und auch sonst gibt es einiges an Interaktion mit der Crowd, wie bei „Wir warten“, wo diese unaufgefordert laut die Worte „Wir warten“ grölt.

Mitten in der Menge – und plötzlich allein

Patrick Burkhardt

Unangenehm wird es bei „Einsamkeit“ vom aktuellen Album. Als Single fand ich den textlich gut, aber melodisch hat er mich nicht gepackt. Live wirkt das plötzlich ganz anders. Die intensive Stimme von Micha, das kalte blaue Licht und der Nebel ziehen mich komplett rein. Für einen Moment fühle ich mich einsam und allein – obwohl ich von rund 500 Menschen umgeben bin.

Und zum Thema Lichtspielerei muss ich sagen, dass ich bei „Manchmal frag ich mich“ die Ausrichtung des Lichts sehr geil finde. Oben ein helles Rot, dass dann in ein Lila untergeht. Ein wenig wie erhitztes Metall. Das find ich wirklich großartig.

Natürlich darf es auch nicht fehlen, dass UNIVERSUM25 immer wieder auf ihr neues Album „Die Maschinen wollen leben“ aufmerksam machen, immerhin sind es zu dem Zeitpunkt nur noch wenige Stunden bis zum Release.

Greifen wir nochmal die Frotzeleien zwischen den Mitgliedern auf. Micha kündigt das letzte Lied an und Pat macht so Gänsefüßchen und sagt: „Das letzte Lied, man weiß ja nie was noch so passiert.“
Darauf erwidert Micha in Pats Richtung, „drohend“ aufgreifend, was er schon früher am Abend meinte „Ich weiß es noch, was heute noch passiert.“
Und wieder der schnelle Wechsel zu nem ernsten Thema, denn Micha verweist darauf, dass man heutzutage viel zu oft wegguckt, obwohl man eigentlich viel öfter genauer hinsehen sollte und sie spielen die letzte Singleauskopplung vom aktuellen Album „Gardinen zu“.

Am Morgen danach bleibt mehr als Musik

Patrick Burkhardt

Ein Running-Gag, der sich durch den ganzen Abend zieht, ist auch die Ansage, wenn jemand aus der Band vorgestellt wird und in welcher Band er eigentlich spielt, dass dann jedes Mal darauf hingewiesen wird, dass er natürlich auch bei UNIVERSUM25 spielt.

Oder auch die häufigen Hinweise, dass Gunnar von der Band DRITTE WAHL stammt. Ein Überbleibsel aus der ersten Tour 2023 oder 2024. Damals verwies Micha darauf, dass es Gunnar sehr wichtig sei, aus welchen Bands sie kämen und so wurde das den ganzen Abend immer wieder erwähnt und hat damals schon die Konzertbesucher amüsiert.

In der Zugabe amüsiert sich dafür Micha nochmal, denn die erste von zwei Zugaben ist die allererste Single „Der Traum ist aus“. Und genau diese Worte erklingen im Refrain. Und das Wort „aus“ kommt vom Publikum, doch ist dieses jedes Mal zu früh. Man sieht das Grinsen in Michas Gesicht sofort.

Den Abschluss bildet dann „Am Morgen danach“.

Am Ende gehe ich mit einem verdammt guten Gefühl aus dem Knust. Zwischen all den Frotzeleien, der Energie und Momenten wie „Einsamkeit“, die mich völlig unerwartet erwischt haben, bleibt vor allem eins hängen: Und zwar wie gut Konzerte für die Seele sein können.

 

UNIVERSUM25 Setlist

Wenn Roboter träumen – Irgendwann (FIDDLER’S GREEN COVER) – Ich geb dir mehr – Die neue Zeit – Harte Kost – Wir warten – Einsamkeit – Ebbe und Flut (SLIME Cover) – Manchmal frag ich mich (NR 13 Cover) – Genug – Zu deiner eigenen Sicherheit – Lichtgeschwindigkeit – Vor deiner Tür – Nur wegen dir – Horizont in Flammen – Gardinen zu – ZUGABE: Der Traum ist aus (TON STEINE SCHERBEN Cover) – Am Morgen danach

 

 

Die Links

UNIVERSUM25

SOAB

Knust

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