Vainstream 2025: Zwischen Nostalgie und Abschieden
Das Vainstream 2025 war eines von den Jahren, die sich ziemlich schnell setzen. Nicht, weil ein einzelner Moment alles überstrahlt – sondern weil vieles gleichzeitig gut funktioniert hat.
Musikalisch sowieso, aber auch drumherum. Wetter stabil, Stimmung durchgehend gut. Und irgendwo dazwischen dann doch ein paar Dinge, die hängen bleiben. Hier meine persönlichen Highlights
Zwischen Pit und Fotograben
LANDMVRKS waren wie immer ein sicherer Abriss – inklusive Croissants in die Crowd. Funktioniert jedes Mal, funktioniert auch 2025. Gleichzeitig war das kein stumpfer Durchlauf: Gerade die Mischung aus französischem Hip Hop und melodischen Parts hat das Set getragen. Das aktuelle Album „The Darkest Place I’ve Ever Been“ trägt sich live auf Festivals zu 150% und vor der Bühne gab entsprechend viel Bewegung. Teilweise eher Crowdsurfing-Wettbewerb als Konzert. Die Securities hatten gut zu tun. Typisch LANDMVRKS eben.
CURRENTS haben einen anderen Zugang gewählt – weniger Chaos, mehr Atmosphäre. Dichte Soundwände, viel Dynamik zwischen ruhigen Passagen und technischen Ausbrüchen. Genau diese Wechsel haben das Set stark gemacht. Das Publikum ist da mitgegangen, nicht nur im Pit, sondern auch in den ruhigeren Momenten. Eher kollektives Eintauchen als Dauerabriss.
Aus Fotografinnenperspektive waren dann vor allem A DAY TO REMEMBER und BULLET FOR MY VALENTINE spannend. Beides Bands, mit denen viele groß geworden sind, die aber gleichzeitig immer noch problemlos große Slots tragen. Gerade bei A DAY TO REMEMBER wurde es dann doch auch nostalgisch. Großes Highlight war der gigantische Bälleregen. Hier haben sich einfach cineastische Bilder im Kopf eingeprägt.
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Visuell am auffälligsten: MOTIONLESS IN WHIT. Trotz Tageslicht, einfach eine ästhetische Bombe – aus Foto-Sicht. Das kann ich halt einfach nicht ablegen. Auch musikalisch war die US-Metalcore Band natürlich on point und hat im Publikum mitgenommen was ging.
Zwischen Nostalgie und Abschied
Ein Moment, der hängen bleibt, ist REFUSED. Einfach, weil man weiß, was diese Band für viele bedeutet hat – über Jahre, über Generationen hinweg. Das hatte nichts Überladenes, eher etwas Ruhiges. So ein kurzer Gedanke von: gut, das nochmal gesehen zu haben.
Auf der anderen Seite dann das Gegenteil: das letzte Mal STRAY FROM THE PATH für viele. Kein großes Pathos vor Ort, aber dieses Wissen läuft mit und ich war tatsächlich etwas traurig. Den Moment dürften viele versucht haben abzuspeichern.
Große Momente, die trotzdem einfach passieren
Generell war die Crowd über beide Tage stark. Viel Bewegung im Pit. Es kann nur ein Gefühl sein, aber es gab diesmal auffällig viele Zwischenfälle, welche auch einen Sani-Einsatz forderten.
Deshalb noch mal ganz klar: Wenn jemand fällt, bleibt stehen und helft. Und: trinkt Wasser. Dehydrierung bei ballender Sonne ist lebensgefährlich!
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Gelände am Limit
Was man gemerkt hat: Das Gelände ist inzwischen ziemlich am Maximum. Spätestens ab Nachmittag wird es schwierig, sich noch frei zu bewegen. Wer seinen Spot hat, bleibt da.
Die Verdichtung passiert vor allem an Engstellen und vor den großen Bühnen. In der Vergangenheit konnte das Vainstream noch hochskalieren, indem nach und nach weitere Flächen hinzugenommen wurden: Die Sputnikhalle für kleine Indoor Shows, der Coconut Beach, Öffnung der Fläche für die Morecore Stage. Doch das sind Workarounds, die zwar legal mehr Menschen aufs Gelände zulassen, realistisch gesehen das Festival aber nicht entzerren. So wie es aktuell gelöst ist – kompakt, mit klaren Wegen und der Einbindung der Halle, passt es noch – für die Zukunft hoffen viele Besucher allerdings, dass man beim VAINSTREAM nicht mehr nach „Erweiterungen“ für die Fläche sucht, da die wirklich gute Experience sonst nicht mehr gewährleistet ist.
Fotograben: Luft nach oben
Aus Fotograf:innen-Sicht war es dieses Jahr stellenweise schwierig. Festival-Bühnen haben aufgrund der Höhe bereits ihre Herausforderung. Sobald an der Stagefront durchgängige Podeste aufgebaut werden, wird die Sicht auf die Bühne fast unmöglich. Gerade bei A DAY TO REMEMBER und HEAVEN SHALL BURN war es teilweise ein Kampf um brauchbare Perspektiven.
Gezielte Podeste für einzelne Positionen – vor allem für Drums – würden hier viel verbessern. Das hängt natürlich auch immer vom Tech Rider der Bands ab. Aber man darf ja träumen.
Und dann noch: Sonnenbrand
Wetter war top – vielleicht zu gut. Klassiker: oben eingecremt, unten nicht. Ergebnis: komplett verbrannte Waden für mich. Zwei Tage Festival können sich dann sehr ziehen.
Learning: komplett eincremen. Wirklich komplett.
Einordnung: eines der stärkeren Jahre
2025 war insgesamt ein starkes Jahr. Auch, weil Headliner dabei waren, die man so vielleicht nicht mehr automatisch auf dem Vainstream erwartet.
Wenn man zurückdenkt: Viele der heute großen Namen standen hier früher schon – ARCHITECTS, BRING ME THE HORIZON und viele andere. Manche wachsen irgendwann raus, auch was das Publikum angeht.
Gerade deshalb fühlt es sich gut an, Bands wie YELLOWCARD, BULLET FOR MY VALENTINE oder A DAY TO REMEMBER hier zu sehen. Nicht als Nostalgie-Nummer, sondern weil sie immer noch funktionieren.
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