Verbaler Durchfall und Pavillons in Embryo-Stellung – Metal.Frenzy 2016

Freitag um eins macht jeder seins. Fast. Dreiviertel zwei ist es. Raus aus der Uni, ab zum Alex, der schon studentenlike mit ner Mate vor der Mensa auf mich wartet. Mate? Was soll das denn? Sauf ein Bier, Junge! Na egal. Brötchen auf die Faust geholt, ab ins Wohnheim zum Ritterchen. Jetzt heißt es: warten auf Mr. El Zecho. Da wir noch ein wenig Zeit haben, pusten wir uns bei Call of Duty gegenseitig die Birnen weg und lassen uns einen reudigen, alten Likör schmecken, den Alex noch dastehen hat. Geschmacksrichtung: Heißklebepistole, oder so. Ekelhaft. Aber wenns weg muss, muss es weg.

Gruß an Frau Holle oder den Wetterfrosch und Danke fürs Trockenhalten

Telefon klingelt, El Zecho ist da. Top! Sachen greifen, ab ins Auto. Erstes Ziel: Kaufland – wir brauchen noch diverse flüssige und feste Leckereien. Einladen und weiter. Herr Kutscher (in dem Falle Herr Zecho), auf zum Spaßbad Gardelegen! Wer jetzt denkt, wir fahren bis nach Gardelegen nur zum Planschen, weil es in Halle nix gibt, der liegt falsch. Direkt auf dem Gelände vor dem besagten Bad findet dieses Jahr zum dritten Mal das METAL.FRENZY statt, das mich seit der ersten Auflage anlockt und zu überzeugen weiß. Auch dieses Jahr fängt, wenn für uns auch erst Freitag, super an. Denn zumindest scheint schon mal die Sonne, was bei aller angesagten Wechselhaftigkeit nicht selbstverständlich ist. Gruß an Frau Holle oder den Wetterfrosch (je nachdem, wer Schicht hat) und Danke fürs Trockenhalten.

Wie die beiden vorherigen Jahre heißt uns Veranstalter Robert mit seinen Kollegen willkommen. Der Bursche ist noch ziemlich jung und stellt hier schon zum dritten Mal das METAL.FRENZY Festival auf die Beine. Hut ab! Nun aber erstmal: Karre ausladen, Zelt aufbauen und ankommen. Der Zeltplatz sieht voller aus als die letzten Jahre. Sehr gut! Wurde auch Zeit, bei dem Preis-Leistungs-Verhältnis! Denn grundsätzlich ist zu sagen, dass Robert ein Händchen dafür hat, ein spannendes Line-Up für jeden Geschmack zusammenzustellen. Party von Mittwoch bis Samstag für sage und schreibe 59,00 Euro. Sauber!

Wasserrutsche ausprobieren und im Anschluss einfach mal gepflegt duschen gehen

Hinzu kommen faire Getränkepreise, geile Auswahl an Essen und (das mag jetzt nach Rentner klingen) an jeder Ecke Sanitäranlagen (wenn auch aus Plastik) für den gepflegten Gang zum Unvermeidbaren. Und das absolut Besondere ist das Spaßbad nebenan. Für (soweit ich weiß) 3,00 Euro kann man loslegen, die Wasserrutsche ausprobieren und im Anschluss einfach mal gepflegt duschen gehen. Und das ohne Anstehen und ewig lange Wege. Top!

Bands

Da wir dieses Jahr erst Freitag anreisen konnten, hab ich leider Bands wie MAAT, MELECHESH, unsere Freunde von TORTURIZED und EISREGEN verpasst. Schade, aber immer noch genug Gelegenheit, gute Musik zu genießen. WISDOM haben gerade alles gegeben, als wir ankamen – eine Band, die ich bisher nicht kannte, weil ich vom Power Metal zugegebenermaßen keine Ahnung habe. Die haben mich tatsächlich überrascht. Ging gut nach vorn und hat verdammt Bock gemacht zu lauschen. So viel Energie! Fett! Weiterhin erwarteten uns am Freitag noch die Legenden von NAPALM DEATH, doch zuvor musste noch etwas erledigt werden: Das Silence-Magazin-Banner durfte das Licht der Festival-Welt erblicken und zum allerersten Mal Gassi-Hängen. Es benötigte zwar noch unsere Hilfe beim Platz finden, aber es ist ja auch noch jung.

Am Samstag Morgen ging es direkt weiter mit IRON BASTARDS und MUNARHEIM. Während ich von MUNARHEIM bisher nur geile Auftritte gewohnt bin, war ich bei IRON BASTARDS doch ziemlich geflasht. Auch diese Band kannte ich vor dem diesjährigen METAL.FRENZY nicht. Wobei ich sagen muss, dass sich besonders das saugute „Ace of Spades“ – Cover eingebrannt hat und zum komplett entarteten Ausrasten animiert hat. Puh! Zum Mittag jetzt also erstmal Pause!

Zeltplatz

Aber wer es – neben der Musik – mindestens genau so genießt, einfach mit Freunden im Campingstuhl zu hocken, verbalen Durchfall zu produzieren und das ein oder andere Getränk zu konsumieren, der wird verstehen, dass solche „Pausen“ Gold wert sind und man so die Zeit vergisst, dass man leider die eine oder andere Band verpasst (so ging es mir diesmal übrigens mit FINSTERFORST – hat mich derb geärgert, Alex war aber da). Da sitzt man mittags auch gern mal einfach in der Sonne und genießt die freie Zeit mit tollen Leuten, die man teilweise nur wenige Male im Jahr zu Gesicht bekommt. Manch einer konnte sich in der Mittags-/Nachmittagssonne sogar so entspannen, dass er am helllichten Tage im Stuhl einschlief und Geräusche mit Hilfe seiner Nase erzeugte, die man zuvor höchstens im Goregrind irgendwo gehört hatte. Stimmts, Herr Prinz?

…während sich andere Zelte zu Bassengs transformierten und Pavillons durch dem Sturm in die Embryo-Stellung begaben

Als ob sich die Geräusche im Himmel an die Soundwand von Alex anpassen wollten, zog nun doch noch, es ist ja fast schon Tradition zum METAL.FRENZY, ein kurzes aber derbes Gewitter auf. Zum Glück hatten wir coole Nachbarn mit ’nem Pavillon, der dem Wetter standhalten konnte, während sich andere Zelte zu Bassengs transformierten und Pavillons durch dem Sturm in die Embryo-Stellung begaben. Doch nach zehn Minuten war alles wieder schick und es wurde warm und sonnig. Also zurück unter freien Himmel – mit Freunden den Tag genießen.

Krönender Abschluss

Einen krönenden Abschluss des Festivals bekam man durch die Shows von SODOM und OVERKILL geboten, die es immer noch verdammt gut verstehen, die Bühne zum Beben und die Crowd völlig zum Abdrehen zu bewegen. Also wurde noch ein letztes Mal für dieses Wochenende der Gehörkanal freigepustet (oder mit den Worten von SODOM ausgedrückt: „Ausgebombt„), gefeiert und durchgedreht, bevor unser Silence-Banner eingesackt und wir die Heimfahrt angetreten haben. Sowie ich im Auto saß, war ich – zugegebenermaßen etwas fertig – sofort eingepennt und wurde vom besten Herrn Zecho der Welt sicher nach Hause gebracht.

 

Und wieder mal hat es sich nach einem so wunderbaren Wochenende am Montag so angefühlt, als müsste man nach einem Jahresurlaub mit Freunden zum ersten Mal wieder auf Arbeit gehen (oder in meinem Fall: zur Uni). Jeder hasst dieses Gefühl, aber man hat dieses eben nur, wenn der Urlaub, oder das Festival, verdammt gut war und man sich unfassbar wohlgefühlt hat mit seinen Leuten und guter Musik. Das dritte METAL.FRENZY war also wieder jede einzelne Sekunde wert. Wenn es auch für die Leber und den Körper eher ein Bootcamp ist, ist ein Festival wie dieses doch das reinste Seelenfutter. Hoffen wir, dass es noch viele Jahre so sein wird, dass Robert zum METAL.FRENZY einlädt. Ein Besuch lohnt sich so dermaßen!

Webseite: Frenzy

Facebook: Frenzy FB


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