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VOID RITUAL – Gähnende Leere

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VOID RITUAL – Heretic Wisdom
Veröffentlichungsdatum: 18.08.2017
Länge: 35:40 Min.
Label: Tridroid Records
Stil: Melodic Black Metal

Der US-Amerikaner Daniel Jackson hat unter dem Spitznamen Erus schon viele Projekte angefangen, die es selten über EPs und Demos hinaus geschafft haben. Sein neuester Anlauf mit VOID RITUAL soll das jetzt ändern. Im Gegensatz zu VOLKERMORD, LEGIONS und CORPUS DOMINI schenkt er dieser neuen künstlerischen Schaffensphase ein komplettes Album. Aber hat er dafür genügend Puste? 2013 entjungferte er sich selbst bereits mit seiner ersten LP überhaupt. Wie erwartet, hat VOID RITUAL die gleichen Probleme, die bei ANCESTRAL OATH schon omnipräsent waren.

Langeweile versprüht diese nach dem Lehrbuch ausgeführte Version von Melodic Black Metal zu Genüge. Total irrelevant ist an dieser Stelle, welche Genreväter ich als Einflüsse zitiere. Hier werden TAAKE und DISSECTION vorerst genügen. Der erste Song offenbart schon den Gähn-Faktor. Ein atmosphärisches, langsames Riff läutet das unglaublich klar abgemischte “The Flood” ein. Der abgehackte Wechsel von Aufbau und Eruption lässt zwar auf mehr davon hoffen, verliert sich aber schnell in überdramatischer Soße. Was dem Opener aber am stärksten schadet: er stimmt darauf ein, für den Rest des Albums vom scheppernden Plastik-Schlagzeug belästigt zu werden. Dazu kommt die wenige Variation in der Stimmlage. Alle diese Dinge hübschen den Track nicht gerade auf. Danke dafür, Death Metal!

Das folgende “Breathing Ice” bedient sich so ziemlich der gleichen Mittel. Hier werden die Riffs sogar noch etwas übertriebener in den Vordergrund gestellt. Und das, ohne auch nur annäherungsweise spannungsreich zu sein. Daher hat es eine zweite Betrachtung nicht verdient. Für mich wird es wohl genügen müssen, die besten Lieder der LP anzupreisen. Wer zum Beispiel nicht nur den explosiven Lead-Gitarren-Einheitsbrei hören möchte, schaut lieber in “Nachzehrer” rein. Dort zeigt Daniel Jackson, wozu er eigentlich in der Lage ist. Die mühelose Einarbeitung von chaotischen und dunklen Passagen inmitten des Harmonie-Gewitters macht den letzten Song auf dieser Scheibe mehr als attraktiv. Komplettiert wird das Stück durch die tiefen Growls aus dem Black Metal. Ein solch besänftigendes Ende war defintiv nötig, nachdem Songs wie “Heretical Wisdom”, “The Frozen Altar” und “The Maelstrom” überstanden werden mussten. Letzterer besitzt einerseits mehr Alleinstellungsmerkmale, versinkt andererseits genauso schnell in einem Harmonie-Sumpf.

Es kommt mir immer mehr so vor, als würde sich die kurze Spielzeit des Albums bereits nach der Hälfte ins Unendliche strecken. Es gibt einfach neben den Riffs auf “A Mockery of Flesh & Bone” keine, die im Kopf bleiben wollen. Das so was einprägsamer und gefühlvoller vonstattengehen kann, wird erst auf “Dead in Blackest Night” wieder hörbar. Auf dessen etwas besseren Mittelteil folgt ein bis zum Schluss des kürzesten Stücks anhaltender Ausbruch gnadenloser Monumentalität. Warum konnten solche Knaller nicht die Antlitze der ersten sechs Songs verzieren? Diese landen dank ihrer Gleichförmigkeit in der Schublade verschmähter Lieder.

Genau an dieser Tristesse des Projekts zeigt sich wieder der anfangs angesprochene, grundlegende Fehler: Der Solo-Künstler und Alleskönner hat noch so seine Probleme damit, ein vollständiges Projekt auf die Beine zu stellen. Für die Länge einer EP, die nur die letzten drei Songs beinhaltet, hätte das Material auf “Heretical Wisdom” allemal gereicht. Mehrmals anhörbar wäre es damit auch geworden und verspräche eine strahlendere Zukunft. Im jetzigen Zustand werde ich mich jedoch wahrscheinlich nicht mit dem Album und der Machart anfreunden können.

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Autorenbewertung

3
Kennt ihr diese Alben, die einfach nur Gleichkültigkeit zurücklassen? Warum VOID RITUAL eben dieses tolle Gefühl leider auf ihrem Debüt für mich verkörpern, lässt sich nicht mal so einfach sagen. Eine kompaktere Version der Scheibe hätte die Attraktivität des Projekts aufgebessert.
ø 0.3 / 5 bei 1 Benutzerbewertungen
3 / 10 Punkten

Vorteile

+ solides Ende
+ einige einprägsame Riffs
+ wenn Ausbrüche wirklich stattfinden, nehmen sie einen wunderschön zornigen Charakter an

Nachteile

- viele dieser Songs hätten das Studio nicht als Lückenfüller verlassen sollen
- immer wiederkehrende Strukturen
- Gleichmäßigkeit
- Schlagzeug-Sound
- Stimm-Variation uninteressant bis kaum vorhanden

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