Startseite»Live»Konzerte»Viel Beat oder kein Beat? Live bei VOLBEAT auf Tour!

Viel Beat oder kein Beat? Live bei VOLBEAT auf Tour!

0
Geteilt
Folge uns auf Pinterest Google+

Das Wochenende ist fast vorbei, die bequemen Hosen sind eigentlich Pflicht – sofern man überhaupt welche trägt. Eine gewisse Lethargie ergreift den Körper, Trägheit macht sich breit und das einzige wahrnehmbare Geräusch ist der Lockruf der Couch. Das Essen liegt noch im Magen… und genau DANN muss ich mich aufraffen, den Kamm zücken, das Shirt wechseln und versuchen einen halbwegs in der Öffentlichkeit vertretbaren Ausseneindruck zu erzeugen. Denn es soll losgehen zum kanadisch-amerikanisch-dänischen Liederabend mit dem gut besetzten Programm von DANKO JONES, BARONESS und VOLBEAT.

Auf geht´s!

Die Front-of-Stage Kartenbesitzer treffen bei mir ein, und gemeinsam holen wir dann das zweite Silence-Mitglied ab, denn heute habe ich mir Foto-Unterstützung besorgt, damit es auch mal was fürs Auge gibt. Und so begleitet unsere Knipse Jule uns, und komplettiert die Autobesatzung.

Und die Uhrzeitbeschreibung oben ist nicht übertrieben, denn bereits 17:50 stehen wir an der Arena und holen unsere Karten ab. Dann trennen sich die Wege, denn ich darf meinen Sitzplatz aufsuchen während Jule sich mit den anderen Fotografen versammelt und die beiden FoS´ler sich ins Getümmel stürzen.

Der frühe Vogel fängt … den Rock´n´Roll!

Der Einlass ist noch sehr leer zu dieser Zeit, auch im Inneren ist noch genug Platz und keine große Aufregung. Etwas verzögert kommen dann als Opener DANKO JONES auf die Bühne! Und das mit Getöse, denn die drei Herrschaften legen einen richtig flotten Rock aufs Parkett! Ohne Schnörkel und großes drumherum, einfach 3 Leute, ein Mini-Schlagzeug – und ab!

Und mir gefällt der Auftritt richtig gut! Die Stimme des Sängers passt sehr gut zur Musik, und ich habe lange keinen so soliden Rock-Auftritt gesehen! Die Stimmung in der Halle ist ebenfalls recht gut, wobei sich mir der Eindruck aufdrängt, das sich nicht wirklich viele Besucher im Vorfeld mit den Vorbands beschäftigt haben. Und vermutlich auch nicht mit Ihrer Eintrittskarte, denn der Stehplatzbereich ist in 3 verschiedene Teile unterteilt. Der FoS-Bereich ist gut voll, und ganz hinten stehen ebenfalls sehr dicht die Besucher. Einzig der mittlere Bereich ist bis auf 50 Leute leer, und viele die Karten dafür haben, stehen vermutlich zu diesem Zeitpunkt noch hinten, weil Sie nicht vorkommen.

Voller Einsatz der Kanadier!

DANKO JONES lassen sich davon nicht beirren, voller Energie fordert der Sänger die Meute zum Support auf, und der ist auch berechtigt! Zu den gebotenen Titel gehören unter anderem “Fists up high” “First Date” und “My little RNR”. Und zwischendrin bedankt sich der Sänger noch artig bei den Hardcore-Rock-Fans, die bereits 18:45 zum Sonntag bei einem Konzert sind! Beim anschließenden Klatschen wäre mir doch fast meine Kuchengabel in die Kaffeetasse gefallen!

Nach – leider nur – 7/8 Titeln ist der Auftritt vorbei und ohne großes Aufsehen verschwindet die Band von der Bühne. Ich treffe mich mit der FoS-Meute zum Austausch und wir versuchen ein gerstenhaltiges Kaltgetränk zu erwerben. Wo wir jetzt bei einem der Probleme des Abends wären: Es ist faszinierend, wie schleichend die Versorgung an den Buden im Inneren vorangeht! Wohlgemerkt in einer Mehrzweckhalle, die für Großveranstaltungen ausgelegt ist. Wir müssen also unverrichteter Dinge wieder abziehen. Ich kann hier spoilern das auch der zweite Versuch zur Getränkeversorgung von größeren Strapazen gezeichnet ist, und kurz vor der völligen nervlichen Eskalation meiner Mitstreiter endet.

Es wird bunter!

Irgendwo scheint es aber doch schnellere Versorgung zu geben, denn auf meiner Tribüne wird es langsam voller, und das dort versammelte ü45-Publikum ist mindestens  gut mit Getränken bestückt, teilweise aber auch schon so betankt, dass die wenigen Stufen zur echten Herausforderung werden.

Jetzt dürfen BARONESS die Bühne entern und das machen sie auch recht imposant. Ich muss ja zugeben, dass die Jungs eigentlich mein persönlicher Haupt-Act waren im Vorfeld. Allerdings scheine ich damit relativ alleine zu stehen, denn ich höre nicht viele begeisterte Stimmen im Publikum um mich herum. Ich wollte die Band gerne sehen, seit ich über das Album “Yellow&Green” gestolpert bin. Vom letzten Album dagegen war ich sehr enttäuscht, denn “Gold&Grey” klingt einfach nur furchtbar produziert und dadurch als wenn es durch einen 20 Jahren kaputten Kassettenrekorder abgespielt wird. Sehr schade!

Live gefällt mir der Auftritt, gerade auch die Energie des Sängers. Denn der schafft es scheinbar gar nicht seinen Elan in die Musik zu kanalisieren. Allerdings zünden auch hier die neuen Lieder nicht ganz so. Und ich muss auch zugeben, dass der Rahmen meiner Meinung nach für die Band nicht ganz ideal ist. Nach den flotten DANKO JONES ist es sicher für viele einfach zu langsam, zu getragen. Ausserdem werden bei dem versammelten Event-Publikum auch nicht viele auf diese Musikrichtung stehen. Ich fand es trotzdem sehr gut und es wurde dann auch mit dem für mich schönsten Lied “Take my bones away” geendet.

Wie man sich Karten besorgt – so sitzt man!

Ich bin also sehr zufrieden auf meinem Sitzplatz. Und ich habe mich in der Zwischenzeit vor dem Tod durch Dehydrierung retten können, trotz der Widerstände an den Versorgungsständen. Und so schaue ich mir gespannt an, wie die Halle sich jetzt doch sehr füllt und der Stehplatzbereich bald angemessen voll ist. Auch die Sitzplätze füllen sich jetzt spürbar mehr.

Schon den ganzen Abend vorhanden ist ein Bühnensteg, der nach vorne ins Publikum führt. Das finde ich sehr schön gemacht, da es doch für eine deutlich größere Nähe zum Publikum sorgt. Und aus dem FoS-Bereich kann man die Band dann dementsprechend von allen Seiten und aus nächster Nähe sehen. Eine Bühnenaufbauform die für mich gerne öfter präsent sein darf!

Das angespannte Summen im Publikum wird größer, die Musik aus der Konserve besser und ANTHRAX tönt durch die Halle, während die letzten Arbeiten an der Bühne passieren. Ich kann die Fotografen durch den Graben flitzen sehen und dann ist es soweit. Die Halle wird dunkel – und VOLBEAT sind da! Und starten furios in das Konzert, was vom Publikum auch mit großer Begeisterung aufgenommen wird!

Danish Dynamite!

Das Publikum wird aufgefordert sich zu erheben, man ist hier auf einer Rockshow – und dann geht es rund. Und man merkt einen spürbaren Stimmungsunterschied zu den Vorbands im Publikum. Auch die Tribüne steht geschlossen, sodass ich umgeben von leicht unbeholfen schunkelnden Familienoberhäuptern und ihren wild hüpfenden Sprösslingen versuche das Geschehen im Blick zu behalten. Währenddessen operiere ich auch noch unglaublich engagiert an meinem Handy herum, um ein halbwegs passables Bild des Auftaktes zu bekommen, und an den extra @home bereitstehenden Instagram-Beauftragten zu schicken. Ich bin also vollkommen mit Multitasking ausgelastet und nutze den Schwung der Band um diese Aufgaben zu bewältigen. Nach 3-4 Liedern bringt sich auch die Tribüne wieder in gesetztere Positionen, was dem ein oder anderen angeschlagenen Gleichgewichtssinn sichtbare Erleichterung bringt.

Optisch ist bei VOLBEAT nun deutlich mehr los, als noch zuvor. Die ganze Bühne leuchtet, erhellt durch einen großen LED-Screen, der durch mehrere kleine unterstützt wird. Auf diesen laufen entweder zum Lied passende optische Effekte, Großaufnahmen der Bandmitglieder oder teilweise auch Musikvideos zu den Songs. Zwischen den Liedern werden dort auch kleinere Trailer oder Zwischensequenzen eingespielt. Das ist ein Stilmittel was ganz nett sein kann, aber durch zu häufigen Gebrauch auch sehr nervig ist. Zumal diese Sequenzen enorm laut sind und für eine sehr unangenehme Kulisse sorgen.

Ein hoch auf die Arena – wirklich!

Aber wo wir gerade dabei sind: zu laut, zu leise, zu hoch, zu tief, oder komplett doof. Der Sound in der Arena war schon häufig mal Kritikpunkt und intensive Konzertgänger haben oftmals nicht die beste Meinung über den Klang vor Ort. Heute kann ich von meiner Position aus behaupten, dass ich in der Arena noch nie einen so konstant guten und ideal abgemischten Klang gehört habe. Auch der seit Jahren andauernde unsägliche Trend die Stimme des Sängers in der Musik untergehen zu lassen schlägt heute nicht zu. Es ist druckvoll, angenehm kräftig laut und vorallem kann man sowohl den Sänger als auch alle Instrumente hören – und das bei allen 3 doch sehr verschiedenen Bands. Das muss einfach mal positiv erwähnt werden und hier möchte ich eine Lanze für die Arena brechen!

Das Konzert von VOLBEAT betrachte ich einfach mal gleich komplett. Was ich bei der Band live sehr mag, ist, das es einfach deutlich flotter, härter, derber klingt. Die Musik ist aus der Konserve mit den letzten Veröffentlichungen leider immer sanfter geworden bzw. bemängele ich daran, dass die Musik im Hintergrund fast schon beliebig ist. Es wird sich nur auf der sehr markanten und einmaligen Stimme des Sängers ausgeruht. Aber diese Konzept funktioniert eben auch, denn sobald man die Stimme hört, erkennt man sofort VOLBEAT.

Live ist immer besser!

Live ist es da eine ganze Nummer flotter, die Titel werden teilweise rockiger, teilweise schneller gespielt. Es gibt absolut sympatische Momente, wie zum Beispiel die Frage “Do you know Johnny Cash?” mit anschließendem “Ring of Fire” Cover, und der Feststellung das für Johnny Cash immer Zeit ist! “Black Rose” wird dann mit dem Sänger von DANKO JONES zusammen präsentiert. “Die to live” dagegen wird zusammen mit ZZ BOTTOM gespielt, die aus der Bühne nach oben gefahren kommen, dank clever verstecktem Lift. Dazu kommen später noch 2 mal kräftige Konfettikanonen und auch ein Riesenhaufen Papierschlangen und übergroße schwarze Ballons die wild über die Crowd hüpfen sind dabei. Es wird hier also auf jeden Fall einiges geboten, und die Show wird nicht langweilig!

Die Songauswahl bietet ebenfalls für jeden Geschmack etwas, denn es werden bei weitem nicht nur neue Stücke sondern auch viele bekannte Stücke und Klassiker der Band gespielt wie zum Beispiel “Lola Montez”, “Doc Holliday”, “The Garden´s Tale”, “Sad Man´s Tongue”, “Slaytan”, “For Evigt”, “lonesome Rider”, “Fallen”, “Last day under the sun” und das Dusty Springfield Cover “i only want to be with you” ( das meinen älteren Kollegen, den ich zufällig traf in helle, leicht alkoholisierte Ekstase versetzte! ) Beendet wurde alles mit “Still Counting“.

Hier dürfte also jeder Fan der Band auf seine Kosten gekommen sein, und es war aus jeder Schaffensperiode etwas mit dabei!

Um aber auch etwas Kritik anzumerken, muss ich einfach feststellen, dass am heutigen Abend die vorhin genannte markante Stimme des Frontmannes etwas beeinträchtigt zu sein scheint. Bei den ersten 4-5 Liedern sind einige Passagen, bei denen die Stimme Ausflüge in ungeplante Höhen macht. Aber auch allgemein hat diese heute nicht so ganz den Charakter, der sie so einmalig macht. Gegen Ende, beim Dusty Springfield Cover “I only want to be with you” klingt es dann schon recht heiser.

Tja, und dann könnte ich jetzt gemein sein und der Band unterstellen, dass man einfach ein funktionierendes Konzept für einen Song gefunden hat, der für die breite Masse gut funktioniert. Und dieses Grundkonzept stülpt man nun über jeden Song. Das wäre nicht ganz falsch, aber auch nicht ganz fair. Im Endeffekt ist es aber so, dass für einen neugierigen Zuschauer, der nicht unbedingt Die-Hard-Fan der Truppe ist, nach einer längeren Spielzeit  eine gewisse Monotonie Einzug hält. Das kommt, weil die Lieder sich eben oftmals sehr gleichen und hauptsächlich auf die Stimme aufbauen. Der eigentlich sehr löbliche Fakt, dass die Band ganze 2 Stunden voll durchzieht, verkommt hier dann gegen Ende fast ein wenig zum Nachteil, denn die letzten 20-25 Minuten ziehen sich dann doch sehr hin.

Um mich herum brechen die Besucher scharenweise schon von der Tribüne auf, was ich unmöglich finde, auch gerade als Feedback für die Band! Denn ich stelle mir vor, dass es ein mieses Gefühl ist, wenn nach dem letzten Lied das Licht angeht und 75% der Tribüne schon gegangen sind. Da auch viele wirkliche Fans der Band da um mich herum gesessen haben, verstehe ich das noch weniger – aber ich muss auch sagen, dass unter dem Publikum insgesamt wenige regelmässige Konzertgänger gewesen sein dürften. Die Band stellt halt auch ein wenig den kleinsten gemeinsamen Nenner dar, für alle die sich irgendwie für Rock interessieren.

Fazit

Wer VOLBEAT noch nicht live gesehen hat, und das aber auf der To-Do-List hat, der sollte die aktuelle Tour mitnehmen! Denn ich finde das Konzept der 3 doch sehr unterschiedlichen Bands sehr gelungen! Wer die Band bereits mehrfach gesehen hat oder aber auch mit dem neuen Album nicht besonders glücklich ist, der sollte es sich unter Umständen nochmal überlegen.

Aber grundsätzlich kann ich sagen, dass es für mich ein sehr guter Abend mit gut gemischter Rock-Musik in verschiedenen Facetten war. Und auch wenn VOLBEAT sicherlich ein wenig das mainstreamigste sind, was Rock und Metal aktuell zu bieten haben – so haben sie doch irgendwie ihren eigenen Charme! Und sie bieten eine gute Show, die auch sehr motiviert durchgezogen wird! Eine Spieldauer von 2 Stunden bekommen einige andere Szenegrößen leider nicht hin, und auch das muss positiv erwähnt werden.

Zum Schluss möchte ich mich dann nochmal für den Support von der lieben Jule bedanken, die euch die grandiosen Bilder geliefert hat. Und bei Daniel, der Sonntagabends fleißig den Instagramaccount gepflegt hat.


Du liest diesen Beitrag, weil unsere Autoren lieben, was sie tun - wenn du ihre Arbeit liebst, kannst du uns, wie andere schon, unterstützen. Wie? Mit einem kleinen monatlichen Beitrag über silence-magazin@patreon Patreon
letzter Artikel

2019 - Der Folk-Metal-Rückblick [Part 1]

nächster Artikel

RISING INSANE - Der Elefant im Coreladen

Keine Kommentare

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.