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Vom Sturm und dem was übrig bleibt

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BELENOS – Kornog
Veröffentlichungsdatum: 09.09.2016
Dauer: 59 Min.
Label: Northern Silence Productions

 

Kennt jemand von euch die Franzosen von BELENOS? Die haben vor mittlerweile 14 Jahren mit „Spicilège“ einen Meilenstein des keltischen Metals herausgebracht (hört mal rein!) und schon damals gekonnt rasenden Black Metal mit geerdeter, düsterer, aber auch epischer Folklore verbunden. Dieses Jahr bringt das mittlerweile auf den Initiator Loïc Cellier geschrumpfte Projekt das neue Album „Kornog“ heraus und bietet wiederum qualitativ hochwertigen und stürmischen Metal im Geiste der Natur- und Heimatverbundenheit der Bretagne. Schon allein vom Blick auf das wunderschön gestaltete Cover, fühle ich mich in eine raue stürmische Naturkulisse hineinversetzt, in der Naturgeister und verborgene Mysterien hinter jeder Ecke lauern.

Mit dem Titelsong „Kornog“ startet das Album und präsentiert sogleich einen sehr starken Song. Kräftiges Midtempo trifft auf tolle Leadgitarren, trifft auf ein wenig Groove und tolle tiefe Männerchöre. Das Ganze wirkt vom Klangbild sehr dicht und zieht mich persönlich sofort in seinen Bann. In den weiteren Songs geht es nun häufig etwas stürmischer zu und es wird teils ordentlich geblastet.

Bemerkenswert ist definitiv das spielerische Können Celliers, der hier bis auf ein paar Streichinstrumente alles allein komponiert und eingespielt hat. Es finden sich viele Spielereien und stilistisch limitiert sich der Sound BELENOS nicht nur auf Black Metal und Folklore. Auch leichte Death- und Thrash Metal-Elemente werden aufgezeigt und bieten damit hohe Abwechslung. Meiner Meinung nach stellt sich das Album damit aber selbst ein Bein, da viele Titel zu vollgepackt wirken und die Songs nicht immer ihren Fluss behalten. Dies ist leider auch der Atmosphäre abträglich. Weniger wäre hier definitv mehr gewesen, denn es zeigt sich meiner Meinung nach auf „Kornog“ immer wieder dann die ganz hohe Klasse, wenn das Songwriting etwas direkter und simpler ist und die altertümlichen, folkloristischen Elemente mehr in den Vordergrund treten. Zu guter Letzt ist es zusätzlich schade, dass ich persönlich wenig wirklich Erinnerungswürdiges auf dem Album finde. Das Album schlägt, auch von einer guten Produktion unterstützt, auf einen ein, doch wenn die Stunde Musik verklungen ist, bleibt mir wenig davon im Gedächtnis. Dies ist sehr schade, denn ich traue BELENOS dieses Potenzial durchaus zu.

loic_cellier

 

„Lidkerzh an anaon“ und „Amorika“ gehören für mich zu den Favoriten der Platte, da diese die oben beschriebenen Trademarks in einer stimmigen Art und Weise verknüpfen und damit zum einen technisch anspruchsvolle und dennoch sehr stimmige Stücke präsentieren. Besonders hervorzuheben ist noch der Song „D´an uvsed“, welcher mit einer Spielzeit von 13 Minuten alle Stilistiken zu einem großen Monster von einem Song vereint. Doch auch hier wirkt der Song auf mich wieder zu überladen.

So bleibt für mich am Ende der Eindruck, dass BELENOS mit „Kornog“ ein gutes Album abgeliefert haben, in dem eine Menge Herzblut steckt, mich nur leider diese heraufbeschworene Kraft nicht erreicht und das Album einiges an Potenzial verschenkt. Dennoch ein gutes Album für alle Freunde ernsthaften dunklen Folk (Black) Metals. 

 

Bild mit freundlicher Genehmigung von Belenos

Autorenbewertung

7
"Kornog" bietet guten und leidenschaftlich dargebotenen Folk Black Metal, der auch vor anderen stilistischen Elementen nicht halt macht, jedoch öfter über das Ziel hinausschießt. Ein gutes Album, wenn auch an einigen Stellen Potenzial verschenkt wurde.
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7 / 10 Punkten

Vorteile

+ hohe spielerische Klasse
+ tolles Cover
+ herrliche Leads

Nachteile

- teils zu beliebiges Songwriting
- Songs sind zu überladen

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