Von Bergen, Seen und nächtlichen Pfaden – WEDRUJACY WIATR

WEDRUJACY WIATR – O turniach, jeziorach i nocnych szlakach
Veröffentlichungsdatum: 31.10.2016
Dauer: 55 Min.
Label: Werewolf Promotion

Aus unserem östlichen Nachbarland Polen kommen seit Jahren, speziell in der jüngeren Vergangenheit, sehr starke Black Metal-Veröffentlichungen zu uns herüber. Man denke nur einmal an MGLA, die experimentierfreudigen FURIA oder auch OUTRE. Zusätzlich dazu gab es mit dem Release des BATHUSKA-Debüts einen der größten Hypes der letzten Jahre und diese anonymen Musiker kommen ebenfalls aus besagtem Lande.

Nun wurde meine Aufmerksamkeit vor wenigen Wochen durch einen Vorab-Song auf einem Youtube-Kanal auf das Duo WEDRUJACY WIATR (Wandernder Wind) gelenkt und ich war sofort vom sehr atmosphärischen, folkloristisch verwurzelten Schwarzmetall der Herren angetan. Metal Archives zeigt mir an, dass das Zweigespann seit 2011 musiziert und 2013 ihr Debüt veröffentlichte. Somit stellt sich mir nun die Frage, ob die Musik auch auf Albumlänge zu überzeugen weiß und ob die Vorschusslorbeeren des Preview-Songs gerechtfertigt sind.

Das neue Album „O turniach, jeziorach i nocnych szlakach“ beginnt mit dem ruhigen Akustikstück „Ze Szczytów I Z Toni“ und erschafft sofort mit Hilfe von Naturgeräuschen, den weit entfernten Lauten von wilden Tieren und träumerischem Gitarrenspiel eine dichte Atmosphäre, die mich in die Musik eintauchen lässt und vor meinem geistigen Auge Bilder von dichten Wäldern und entfernten Hügeln erzeugt.

Nun folgt mit „Wołanie Z Granitowych Twierdz“ der erste lange Metalsong des Albums. Dieser ist zugleich der mir schon bekannte Vorab-Song. In bester DRUDKH-Manier prescht der Song rau und dennoch melodisch voran. Ein paar Synthies lassen mich aufhören und erzeugen eine wunderbar herbstliche Stimmung. Tolles Geschrei, aber auch verhallte Männerchöre im Hintergrund thronen über dem dichten Klangkonstrukt, welches in mir den Eindruck einer alten, vergessenen Musik erweckt. Auf mich wirken diese Klänge, als seien sie zwar mit „modernen“ Rockinstrumenten eingespielt, deren Essenz ist aber viel mehr archaischer Natur. Die Melodien schicken mich auf eine wunderbare Stimmungs- und Gedankenreise. Ich lasse mich treiben, verliere aber dennoch nicht den roten Faden des Songs aus den Augen, da dieser gut komponiert und strukturiert durch das Stück geleitet. Meines Erachtens kann man diese Art von (Black) Metal nicht besser spielen. Ich bin berührt und begeistert!

 

„Ja Wiatr“ stellt nun mit einer guten Viertelstunde Spielzeit den längsten Song des Album dar. Beginnend mit einer einprägsamen Lead-Gitarre, schwingt sich auch dieses Stück zu atmosphärischen Höhen auf. Die Polen setzen in den langen Stücken immer wieder auf kleine Verschnaufpausen in Form von akustischen Intermezzos. Für mich hätten diese jedoch durchaus weniger vorkommen können, da so der Fluss der Lieder an manchen Stellen verloren geht und es ein wenig gleichförmig erscheint, wenn meist nach ca. 5-6 Minuten ein Akustikintermezzo einsetzt und sich danach die Songs wiederum schwarzmetallisch aufbauen. An sich sind die ruhigen Parts ebenfalls sehr schön, nur für meinen Geschmack ein wenig zu sehr nach dem gleichen Muster konzipiert.

„Na Łańskam Jyziorze“ stellt den vorletzten Song des Albums dar und prescht anfangs sofort herrlich rau voran. Blastbeats vermischen sich mit simplen und eingängigen Gitarrenmelodien und erinnern mich ein wenig an „Black Cascade“ von WOLVES IN THE THRONE ROOM. Eine Frauenstimme erklingt nach den ersten Minuten und eine traurig schöne Synthiemelodie leitet hin zum nächsten Teil dieses Black Metal-Sturms. Ich besitze keine Kenntnisse über die polnische Sprache und kann somit nichts zum Inhalt der Texte sagen. Dennoch spricht für mich die Musik ihre eigene sehr komplexe Sprache und neben „Wołanie Z Granitowych Twierdz“ ist dieser vorletzte Song definitiv ein weiteres Highlight des Albums.

Zum Schluss folgt mit „U Stóp Śniącego Króla Tatr“ ein weiteres Epos. Und trotz dieses immer gleichen Aufbaus weiß auch der Abschluss des Albums nicht zu enttäuschen. Sehr melancholisch und mit etwas gedrosseltem Tempo schafft der Song einen guten Abschluss und spannt mit seinen leise verklingenden Naturgeräuschen am Ende einen guten Bogen zum Anfang der Platte.

 

 

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Autorenbewertung

8
WEDRUJACY WIATR erschaffen mit ihrem Zweitwerk sehr starken, atmosphärischen Black Metal, welcher mal verspielt, mal rau aus den Boxen schallt. Für mich eines der späten Albumhighlights im Kalenderjahr 2016. Alle Freunde stimmungsvollen und dunklen Metals sollten mindestens ein Ohr riskieren.
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8 / 10 Punkten

Vorteile

- dichte Atmosphäre
- schöne Leadgitarren
- rauer, organischer Sound
- sehr episches Songmaterial

Nachteile

- Songs zu sehr nach dem gleichen Schema aufgebaut

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