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Von Wüstensound und Vampiren!

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Zum mittlerweile 5. Mal fand am letzten April-Wochenende das Desertfest in Berlin statt.  Bei diesem Line-Up, bei dem wohl jeder leidenschaftliche Stoner/Doom-Hörer ein Tröpfchen in der Hose hat, ließen sich natürlich meine Freundin und ich auch nicht lumpen und machten uns auf den Weg in die Hauptstadt. Auch in diesem Jahr schafften es die Veranstalter wieder, die Tickets komplett an den/die Mann/Frau zu bringen. Ca. 1500 Tickets wurden schon Wochen vor der Veranstaltung als ausverkauft vermeldet! Nach der 2-stündigen Fernbusfahrt machten wir uns gleich auf den Weg in unser Hostel, um unser 6-Bett-Zimmer zu begutachten. Schnell bei den rumänischen Zimmergenossen vorgestellt und vor einer Verrückten auf unserem Zimmer gewarnt worden (aber dazu später mehr!). Da wir schon ziemlich spät dran waren und die erste Band schon in vollem Gange war, eilten wir in Windeseile zur Veranstaltungslocation. Das Astra besteht aus 2 Sälen: im kleinen befindet sich die Foyer Stage, im großen die Main Stage.

Für uns stand als erstes die dänische Damen-Combo Baby In Vain auf dem Plan. Mit ihrem Stoner/Grunge-Mix wussten sie durchaus zu gefallen. Auch das Publikum ließ sich schon zahlreich vor der doch recht kleinen Bühne blicken, war aber doch noch ziemlich verhalten. Etliche Besucher verschlug es aber leider trotzdem wieder nach draußen, um bei bestem Frühlingswetter die ein oder andere Hopfenkaltschale in dem herrlichen Biergarten zu genießen.
Weiter geht’s mit einem echten Urgestein aus der Stoner/Hard Rock-Szene. Spiritual Beggars aus Schweden gaben sich die Ehre und haben auch von Anfang an die Fans im prallgefüllten großen Saal auf ihrer Seite. Einzig an Bühnenpräsenz mangelt es mir hier ein wenig. Dem kann auch ein zwischenzeitlicher Outfitwechsel von Apollo keine Abhilfe schaffen.
An mangelnder Bühnenpräsenz mangelt es Mothership ganz bestimmt nicht! Die 3 Jungs aus den USA zocken ihren „Texas Rock´n´Roll“ von Anfang an gekonnt runter und verbreiten nahezu Festzeltstimmung vor der Foyerstage. Es wird gegrölt, gepfiffen und geklatscht – den Leuten gefällt’s einfach. Auch mich hat Mothership echt vom Hocker gehauen. Ich habe vorher lediglich ein Mal in die Band reingehört und deren Werdegang nicht weiter verfolgt. Mittlerweile bin ich stolzer Besitzer beider Studioalben und ihrer Live-Platte. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die 3 Texaner sich bald mal wieder in europäische Gefilde verirren.
Als Nächstes gab es das komplette Gegenteil. Pelican, ebenfalls aus den USA, luden nun zum Tanzen, oder viel mehr munterem Kopfnicken ein. Mit ihrer rein instrumentalen Musik treffen sie genau den Nerv der meisten hier Anwesenden. Der Saal ist so gut gefüllt wie den ganzen Tag noch nicht. Wir nutzen erstmal die Gunst der Stunde und wenden uns den kulinarischen Köstlichkeiten des Festivals zu. Hier überzeugt das Festival vor allem mit seiner reichhaltigen Auswahl. Ob vegane Döner, Couscous-Pfanne oder Bratwurst. Hier gibt’s für jeden was.
Musikalisch ging es für uns mit den Truckfighters aus Schweden weiter, welche von dem Großteil der Doomer schon mit großer Vorfreude erwartet wurde. Bereits vor dem Eingang zur Main Stage gibt es ein riesen Gedränge. Mit ihrer Performance und Songauswahl können die Jungs aus Örebro auch wieder überzeugen und bringen die Halle zum Kochen. Allerdings stößt mir der Sound etwas sauer auf. Richtig ärgerlich, dass gerade jetzt beim Headliner die Einstellungen nicht passen, obwohl der Klang bei allen anderen Bands richtig stark war.
Abgerundet wurde der erste Festivaltag mit Mantar. Auch hier bricht die Foyer Stage nochmal aus allen Nähten. Die 2 Hanseaten feuern dem Saal ihre Hasstiraden mit einem Mix aus Death, Doom, Black und Sludge um die Ohren. Und das kommt auch richtig gut an!

Blöderweise verpassten wir am 2. Festivaltag einen Teil der Bands aufgrund eines kleinen Zwischenfalls. Für uns begann der Tag mit der niederländischen Spacerock-Combo Monomyth. Mit ihrer instrumentalen Musik wird man von der einen auf die andere Sekunde in andere Sphären gesogen.
In eine komplett andere Kerbe schlagen dagegen Mondo Drag. Mit ihrem doch schon sehr psychedelisch angehauchten Rock versetzen die Kalifornier das Publikum vor der Bühne in eine wahre Tanzgesellschaft. Nach 45 Minuten Spacerock können ein paar psychedelische Klänge nicht verkehrt sein.
Danach steht mein Highlight überhaupt auf dem Plan. Elder haben mich mit ihrem aktuellen Album „Lore“ echt verzaubert. Das eine einzige Band Einflüsse so vieler Genres in ihrer Musik unterbringt, ohne dass sie dabei überladen klingt, hat echt den vollsten Respekt verdient. Gestartet wird gleich, genau wie auf „Lore“, mit ‚Compendium‘. Sofort hat man den brechend gefüllten Saal hinter sich. Man muss sagen, dass sich die neuen Songs genauso gut in ihr Live-Set einfügen wie die alten. Diese Band ist einfach gemacht um auf der Bühne zu stehen!
Nun folgten also Electric Wizard. Von vielen, auch mir, schon mit großer Vorfreude erwartet, begannen sie sofort ihren knurrigen Doom mit einer ordentlichen Mischung aus alten, gestandenen Songs und neuem Material dem Publikum um die Gehörgänge zu dröhnen. Absolut bemerkenswert waren auch dieses Mal wieder die Videos, die im Hintergrund auf der Leinwand abgespielt worden. Auf ihren Festivalshows im letzten Jahr liefen noch diverse Okkult-Porno-Sequenzen, mittlerweile sind es Ausschnitte aus 60er/70er-Jahre-Biker-Filmen. Insgesamt muss man sagen, dass es ein sehr gelungener Auftritt der Briten war.

Der letzte Festivaltag startete für uns mit den schwedischen Stonern von Asteroid. Nach einer 2-jährigen Pause formierte sich die Band erst im vergangenen November neu und kehrt nun umso energischer zurück. Ihr Stoner Rock mit dezenten psychedelischen Einflüssen kommt beim Publikum sehr gut an.
Als 2. 2-Mann-Band schickt Deutschland nun DŸSE ins Rennen. Ok, wenn man deren Mucke nicht kennt, wird man vielleicht erstmal verwundert darüber sein, was denn dort auf der Bühne so vor sich geht. Nachdem man ein ganzes Wochenende nahezu ausschließlich englische Texte durch den Saal schallen hörte, waren es nun DŸSE, die mit ihrem „New Wave Of German Noiserock“ ein Novum aufstellten.
Orientalischer sollte es dann mit Egypt werden. Oder auch nicht … Die 3 Jungs kommen nämlich aus North Dakota, was mindestens genauso weit von Ägypten weg ist, wie deren Musik zu orientalischen Klängen. Dennoch sprach mich die Band sehr an. Wahrscheinlich auch, weil ich mir im Vorfeld alle ihre Veröffentlichungen besorgte. Überrascht war ich auch von der stimmlichen Leistung des Sängers, welcher vorallem mit seinem Klargesang zu begeistern wusste. Gespielt wurde ein Querschnitt aus allen 3 Veröffentlichungen der Band, wobei das Hauptaugenmerk auf „Endless Flight“ lag.
Abgeschlossen wurde das diesjährige Desertfest mit der Sludge-Legende Crowbar. Von Beginn an hatte die sympathische Truppe um Kirk Windstein das Publikum fest auf ihrer Seite. Das Set bestand aus neueren Songs, aber auch die Klassiker kamen nicht zu kurz. Ein sehr gelungener Abschluss des Festivals.

Obwohl ich kein großer Fan von Indoor-Festivals bin, muss ich sagen, dass diese Veranstaltung echt gelungen  und vollkommen zu Recht ausverkauft war. Wenn man bandtechnisch im nächsten Jahr nicht total ins Klo greift, werde ich 2017 mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Ausgabe Nummer 6 mit meiner Anwesenheit beehren.

Und nun zu der Geschichte mit der verrückten Vampirfrau: Als wir in der 2. Nacht schon leicht angeheitert in unserem Hostelzimmer ankamen, hatten wir noch keine Ahnung, was uns in dieser Nacht erwarten würde. Nach gefühlt 20 Minuten Schlaf wurde das komplette Zimmer von der „Verrückten“ geweckt. Mit der Begründung, dass das komplette Zimmer nach Knoblauch stinken würde, sprühte sie jedem Gast ihr abartig riechendes Raumspray ins Gesicht (und das im 30-Minuten-Takt). Nach ewigen Diskussionen mit ihr und der Hostelleitung konnte man sich darauf einigen, dass sie das Hostel verlassen muss und wir unseren dringend benötigten Schlaf bekommen.

http://www.desertfest.de/


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1 Kommentar

  1. […] kreisen sollte. Und damit noch nicht genug. Kurz darauf folgte die Bestätigung für das Berliner Desertfest. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und war hin und weg über die […]

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