Startseite»Reviews»Core»WHILE SHE SLEEPS – na und?!

WHILE SHE SLEEPS – na und?!

0
Geteilt
Folge uns auf Pinterest Google+

WHILE SHE SLEEPS – “So What?”

Veröffentlichungsdatum: 01.03.2019
Länge: 48:01 Min.
Label: Spinefarm
Genre: (ist das noch) Metalcore (?)

Wer hier gern mal mitliest, hat vielleicht meinen Bericht zum Konzert von WHILE SHE SLEEPS aufgeschnappt. Darin erwähnte ich bereits, dass die vorgestellten, neuen Songs vom kommenden Album “So What?” durchaus Lust auf mehr machen. Dieses liegt nun vor, und ich kann schon mal vorweg nehmen: Das Warten hat sich gelohnt. Warum das so ist, versuche ich in den folgenden Zeilen mal zusammenzufassen. 

Zunächst sei erwähnt, dass ich relativ skeptisch war, denn der geniale Vorgänger “You Are We” hat die bandeigene Messlatte schon verdammt hoch gelegt. Und irgendwie fühlt er sich noch immer frisch und unverbraucht an. Es kommt mir vor, als sei das Album erst kürzlich erschienen, denn ich zehre immer noch regelmäßig davon. Das Album ist auch noch keine 2 Jahre alt, was zeigt, dass die Band bei Weitem nicht gewillt ist, sich auf ihren wohlverdienten Lorbeeren auszuruhen. 

ELEMENTE

Die erste Single “Anti-Social” hängt mir noch immer im Ohr, als wäre sie da eingezogen. Sie eröffnet das Album auch dementsprechend erfreulich. Bereits bei diesem Song zeigte sich, dass WHILE SHE SLEEPS sich nicht zu fein sind, auch über den genrebezogenen Tellerrand zu blicken, und spielen hier beispielsweise mit Rapeinlagen. Dass alles wird aber begleitet von klasse gespielten Gitarren. Was neue Elemente angeht, so ist das wortwörtlich nur der Anfang.  Songs wie “Inspire” spielen mit Sounds, die ich bisher nur im Popradio gehört habe. Es ist verrückt, aber derartige Klimpertöne passen auch in mein bevorzugtes Genre! Und dennoch knallt besagte Nummer ordentlich.

Doch nicht nur neue Sounds spielen auf “So What?” eine tragende Rolle, auch kommen Effekte zum Einsatz, die vielen Songs völlig neue Facetten verleihen, sei es auf instrumentaler oder stimmlicher Seite. Das geht zum Teil so weit, dass man während des Durchhörens manchmal denkt, es seien 22 Stücke, dabei ist es die Abwechslung in den Songs selbst, die dieses Gefühl verursacht. Es ist schon beeindruckend, wie hier mit den Hörgewohnheiten gespielt wird. Dass die Brachialität eines “Brainwashed” in diesem Ausmaß nicht mehr vorhanden ist, sollte man allerdings auch schon beim Vorgänger bemerkt haben. Die Herren aus Sheffield haben es aber geschafft, ihren Sound in eine wesentlich melodischere Richtung zu pushen, ohne die Härte aus den Augen zu verlieren. Clean Vocals sind beispielsweise mittlerweile nicht mehr nur die Ausnahme, wie noch bei eben erwähntem Album, und wurden im direkten Vergleich zur letzten LP deutlich ausgearbeitet. 

Das alles mag für viele Hörer, die “You Are We” (wie auch immer das möglich wäre) komplett ignoriert haben, befremdlich wirken, aber wer für diese konsequente Entwicklung offen ist, wird hier ein Album vorfinden, welches meiner bescheidenen Meinung nach zu DEN Veröffentlichungen 2019 zählen wird, wenn nicht sogar darüber hinaus. Ich muss an der Stelle dringend empfehlen, nichts zu skippen, sondern von vorn bis hinten am Stück zu lauschen. Losgelöst könnten Songs wie “Gates Of Paradise” oder “I’ve Seen It All” ein falsches Bild vermitteln, in Gänze fügt sich aber alles perfekt zusammen, ohne wie ein Konzeptalbum zu wirken. Es gibt keine Lückenfüller und keine Pausen, um sich ablenken zu lassen. 

EINBLICKE

Was “So What?” obendrein so besonders macht, ist der Entstehungsprozess. Schaut euch unbedingt die von der Band selbst produzierte Doku dazu an! Die verlinke ich euch auch gleich mal hier unten, Songs gibt’s ja sowieso überall. Welches Herzblut da rein gesteckt wurde und was es für Hürden zu überwinden gab bzw. gibt, ist schon wirklich mitreißend anzusehen. Bei dem, was Sänger “Loz” zum Beispiel durchmacht, würden andere schon aufgeben (müssen). Wer die Definition des Wortes “Vollblutmusiker” kennenlernen möchte, wird hier fündig. Ich finde es wirklich spannend, mal nicht nur Sachen wie “hier sind wir im Studio” oder Making Ofs zu (einfachen) Videos zu sehen. WHILE SHE SLEEPS geben in diesen Bildern wirklich viel von sich Preis, was sehr authentisch und fan-nah wirkt. Großen Respekt dafür an der Stelle! 

Offizielle WSL Homepage

Autorenbewertung

10
"So What?" stellt für mich ein absolutes Highlight im noch recht jungen 2019 dar. Es ist aber nicht nur das Album selbst, sondern viel mehr auch alles drum herum. Die Doku, das vergangene Konzert, das schlichte, aber geniale Cover-Artwork, alles wirkt, als ob WHILE SHE SLEEPS sagen würden: "Na und?" - wir machen's einfach! Momentan kann ich mir nur schwer vorstellen, dass meine Ohren dieses Jahr noch ein ähnliches Werk erreichen wird. Helm ab, Frau Mütze!
ø 4 / 5 bei 7 Benutzerbewertungen
10 / 10 Punkten

Vorteile

+ konsequente Entwicklung in allen Bereichen
+ erfrischend neue Elemente + Sounds
+ Doku zur Entstehung

Nachteile

- ?

Du liest diesen Beitrag, weil unsere Autoren lieben, was sie tun - wenn du ihre Arbeit liebst, kannst du uns, wie andere schon, unterstützen. Wie? Mit einem kleinen monatlichen Beitrag über silence-magazin@patreon Patreon
letzter Artikel

Knallhart #14 - Eure Metalnews der Woche

nächster Artikel

SILENCE-SCHATZSUCHE #6: ALL BUT ONE - SQUARE ONE

Keine Kommentare

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.