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Wiederholung ist die Mutter der Langeweile

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7TH ABYSS – Unvoiced
Veröffentlichungsdatum: 29.07.2016
Dauer: 47:01 min
Label: TROLLZORN

Ich mag ja Alben- und Bandtitel, die eine gewisse Beklemmung aufflammen lassen. 7TH ABYSS: Der siebente Abgrund, vielleicht auch die siebente Hölle, und dann darin auch noch stimmlos oder wenigstens ungehört gefangen. Keine schöne Sache. Nächste Idee: Nietzsches Statement zu menschlichen Abgründen: „Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.“ Damit lege ich den fünf Jungs aus Würzburg natürlich schon vor dem ersten Hören ihrer Platte ordentlich Tiefsinn in den Mund. Mit ihrer Ansage, hier auf „intense, technically sophisticated licks and riffs along with haunting melancholic melodies“ zu stoßen, werde ich noch weiter angefüttert. Damit kommen sie nämlich meinen Hörgewohnheiten sehr entgegen. Während ich die CD startklar mache, klicke ich mich noch fix ins Netz, um mir mal eine Übersicht über das Label Trollzorn zu schaffen. Hm…die kümmern sich um: Pagan, Viking & Folk. Steht da so. Das ist ja eher viel weniger das, was ich mir so in meiner Freizeit antue. Na, wollen wir mal sehen, was hier so passieren wird…

7TH ABYSS schmeißen mich nicht von vornherein in die Materie, sondern haben ein Intro auf die Scheibe gebastelt, das sich von einem Regengeplätscher über anderthalb Minuten sanft und episch aufbaut. Die Mischung der Platte gefällt mir schon jetzt. Mit „Lost Eternity“ geht die Reise los. Vielversprechend ballert mir ein gut durchgetretenes Schlagzeug um die Ohren. Die Snare schön knackig und mit straighter Doublebass unterlegt. Passend dazu gibt es eine Portion ordentliches Gitarrengeschwurbel. Ich merke, wie sich kurz Schmetterlinge in meinem Bauch breitmachen – und mit dem Gesangseinsatz leider sofort wieder zu Boden gehen. Ich habe das Gefühl, dass dem Song plötzlich vollkommen die Energie genommen ist. Irgendwas gefällt mir an dem Gesang nicht, auch wenn ich noch nicht genau weiß, woran es liegt.

Song Nummer zwei startet mit solidem Gitarrengekniedel, wieder unterlegt durch Doublebass. Es folgt ein Bruch zu einem Uffda-Beat. Sowas muss man mögen, mir ist’s aber leider nichts. Mit dem Sprung zurück zum Geholze kann ich da doch wieder mehr anfangen. Bei „Deaf“ liegt der Gesang schon besser ‚oben auf‘, stört weniger den Fluss des Songs. Der Cleangesang ist okay, vor allem in den tieferen Lagen. Geht es in die Höhen und raueren Töne, kratzen die Vocals recht schnell an meinem Nervenkostüm. Wie auch bei einigen anderen Songs des Albums, baut sich hier gegen Ende des Titels eine versöhnlich stimmende und schöne Frickel-Passage auf.

Mit „Unvoiced“, dem Titelsong des Albums, wird bislang der aggressivste Ton angespielt. Der Sänger lässt sich zu ordentlichem Growling hinreißen, was für mich das stimmigste Gesamtbild der Kombo abgibt. Die ruhigen Refrains hätten sie sich meinetwegen sparen können, da diese recht vorhersehbar und fast dröge daherkommen. Mitten im Song gibt es eine kurze Solostelle für den Bass. Schade, dass der so leise da hineingemischt ist. Drumrum hatte vorher alles ordentlich vor sich hingeschrotet. Wieso darf der Bass hier nicht dominanter sein, wo es sich doch um eine (wenn auch sehr kurze) solistische Passage handelt? Mit dem darauf folgenden Stück fällt die Spannung zunächst ab, steigert sich und mündet in einem schönen Gitarrensolo, dem ich allerdings mehr Raum und Atmosphäre gewünscht hätte. Potenzial ist da spieltechnisch auf jeden Fall gegeben.

7th Abyss Bandfoto

Langsam fällt mir auf, dass sich die Songs zeitweise ziemlich ziehen. Klar, vier und fünf Minuten pro Song wollen erstmal gefüllt sein. Leider gelingt es 7TH ABYSS bei einigen Songs absolut nicht, die Spannung über die Dauer aufrecht zu erhalten. So auch bei „Nightmare At The Fields“ oder „Don’t Take Blowjobs From The Prime Time Whore“. Weniger Wiederholungen würden die Songs vermutlich nicht schlechter werden lassen.

Ehrlich gesagt, fange ich an dieser Stelle langsam an, mich sogar ernsthaft zu langweilen. Was mir jedoch noch über den Rest des Albums positiv auffällt, sind die gedoppelten Gesangspassagen, in denen Cleangesang und Growling übereinanderliegen. Das gibt dem Ganzen eine frische Note. Gegen Ende des Langspielers, mit „Schwester Rabiata“ werden sogar Crowdshouts eingebaut. Ja, facettenreich ist der Gesang gestaltet. Das Songwriting jedoch leider nicht. Die Musiker verstehen anscheinend alle ihr Handwerk, so wie sie kniedeln, knüppeln und auf Tempo ein ordentliches Brett abliefern. Das tröstet jedoch nicht darüber hinweg, dass mir nach der Hälfte des Langspielers schon aufstößt, dass sich Melodieläufe und Songstrukturen untereinander anscheinend stark ähneln. Bei „Despaired“ entfährt mir sogar ein leicht genervtes Schnalzen. Hier wiederholt sich wirklich alles viel zu oft. Gefühlt hundert Mal jault mir der Sänger die Ohren mit den gleichen Lyrics (Überraschung: „Despaaaaaiiiiiired“) auf der gleichen Gesangsmelodie voll. Wer einen Hang zu melancholisch-verzweifelten Patterns hat, wird den Song vielleicht mögen. Ich empfinde ihn schlicht und ergreifend als überflüssig.

Bild mit freundlicher Genehmigung von 7th Abyss Facebook Page

Autorenbewertung

5
7TH ABYSS legen mit ihrem Silberling ein temporeiches Erstlingswerk vor. Gitarrenposing und ein zuverlässig durchholzendes Schlagzeug sind gleichermaßen vertreten. Dem Bass wird keine tragende Rolle zugesprochen, er gliedert sich quasi ungehört in das Konglomerat ein. Gut, der Gesang gefällt mir echt nur zu einem Bruchteil. Aber das ist, wie wir wissen, wirklich Geschmackssache. Die Dopplungen trösten mich jedoch irgendwann darüber hinweg. Über die Dauer der Platte bin ich recht gelangweilt. Die Jungs räumen ihren Songs durchschnittlich viereinhalb Minuten ein. In dieser relativ langen Zeitspanne passiert in den Liedern selbst allerdings nicht besonders viel. Erschwerend kommt hinzu, dass sich sowohl Songstrukturen als auch Melodieführung untereinander ziemlich ähnlich scheinen. Dennoch bringen 7TH ABYSS eine gesunde Portion Energie mit, die ich mir durchaus live mal antun würde. Dahingehend würde ich dem Ganzen gern noch eine Chance geben.
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5 / 10 Punkten

Vorteile

+ gute Mischung und Produktion
+ energiegeladenes, schnelles, virtuoses Spiel
+ facettenreicher Gesang

Nachteile

- ähnliche Songstrukturen und Melodieläufe
- angestrengter Cleangesang in höheren Lagen zerrt an den Nerven

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2 Kommentare

  1. Nina
    6. Juli 2016 bei 17:37 — Antworten

    Danke für den Hinweis, Herr Winterschmied! Ja, daran liegt es wohl. Ich konnte es wohl nicht identifizieren, weil Core sehr weit von dem entfernt ist, was ich so höre 😉
    Instrumental ist da schon ordentlich Biss drin, aber zu wirklich „fetzigem“ Melodeath fehlt mir da noch ein bisschen was. Wie gesagt, Potenzial sehe ich da genug.

  2. Winterschmied
    6. Juli 2016 bei 17:24 — Antworten

    Kann dir sagen, was dir an dem nicht gefällt. Es ist ne typische „core“-Stimme über eigentlich ganz fetzigem Melodeath… ^^°

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