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WITH FULL FORCE 2016 – Festivalbericht

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Sommer, Sonne und gute Laune – ja, mein Sommerurlaub stand mal wieder an. Doch nein, es ging nicht nach Malle oder irgendeinem anderen Postkarten-Strand. Um ehrlich zu sein, ist es das genaue Gegenteil davon. Dreckig, laut, ein Großteil der Leute ist ständig besoffen und für Heuschnupfen-Opfer wie mich der absolute Albtraum. Schauplatz: Ein karger Acker zwischen Mini-Flugplatz und Baggersee, im noch viel kargeren Roitzschjora bei Löbnitz. Hier wird nun das inzwischen 23 Jahre alte WITH FULL FORCE FESTIVAL abgehalten und mich zieht es schon das 8. Mal hin.

Auf dem Gelände angekommen wird das Auto erst mal zur ultimativen Koje umgebaut. Sollte es euer Wagen hergeben, hier die Anleitung: Rückbänke umklappen, Vordersitze so weit es geht nach vorn schieben und die Rückenlehnen bis zum Anschlag nach hinten. Im Idealfall ergibt das eine mehr oder weniger ebene Fläche, jedoch gut genug um eine Luftmatratze zu deponieren. Jetzt der Clou: alle Fenster mit einer Rettungsdecke (der silbernen Seite nach außen) abkleben. Voila! Der Innenraum heizt sich tagsüber nicht so stark auf wie gewohnt und erst recht nicht so heftig wie in einem Zelt. Und wenn ihr nichts habt um eure Getränke zu kühlen, einfach ab damit in den Fußraum zum Aufbewahren, dann werden diese zumindest nicht brühend warm. Aber genug der Camping-Tipps. Während sich der Pöbel Abends im Partyzelt schon mal den ersten Kater antrainierte, begebe ich mich um 2 Uhr dann doch lieber ins Bett. Denn, oh Wunder, am nächsten Morgen ballert der Planet von oben schon wieder so stark, dass ab 8 Uhr kein schlafen mehr möglich war. Hätte ich jetzt einen Kater wäre ich ganz schön im Arsch.

FREITAG

With Full Force Crowd
CROWD | Foto: Michael Bomke

Ich bin noch keine 20 Stunden hier und fühle mich schon als hätte ich im Dreck geschlafen. Für Körperhygiene war zum Glück noch reichlich Zeit bevor NORMA JEAN um 13:45 Uhr das Festival einläuten sollten. Und das taten sie, die nicht mehr ganz so jungen Herren sprangen kreuz und quer über die Bühne, wie es heute manche Band in ihren goldenen 20ern nicht mehr hinbekäme. Endlich, ich bin in Festivallaune. Nun aber erst mal eine Runde durch die Fressbuden und Einkaufsläden ziehen. Das Impericon-Zelt ist wie immer überfüllt und die Verköstigungen sind die selben wie in den letzten Jahren.

Ein wenig später stand mein erstes Interview mit den Jungs von GROOVENOM aus Dresden an, welche sich beim Online-Bandvoting einen Slot auf der Hammer-Stage ergattern konnten. Aber dazu dann später mehr. Apropo…die Hammer-Stage. Zum ersten Mal gab es ja eine 3. Bühne. Jetzt mal ehrlich, da wird dem Zuschauer im hintersten Winkel des Festivalgeländes eine winzige Bühne mit eher unterdurchschnittlichem Sound hingeklatscht, dann noch mit dem Namen eines größeren Magazins versehen und das soll dann geil sein? Ich weiß nicht, ich jedenfalls hatte nach 2 Abstechern genug von dieser Bühne. Der Sound war wirklich furchtbar wenn man sich nicht direkt parallel zur Bühne hinstellte. Ein paar Quadratmeter mehr Platz für die Musiker und eine etwas bessere Anlage hätten hier echt schon Wunder bewirkt.

Nun ja, der Abend rückte näher und ich musste mir irgendwie dieses Trauerspiel um Chris Barnes antun, ich habe immer noch die SIX FEET UNDER DVD vom Full Force 2004 und gucke sie gerne. Doch was die Jungs an dem Tag fabrizierten war jämmerlich. Nicht nur, dass ausschließlich Material von den Gaveyard Classics Cover Alben gespielt wurde, nein, es war auch einfach nicht tight. Langsam wurde es Zeit für den ersten Headliner: SLAYER. Stammgäste des Festivals trifft es auch ganz gut, ich frage mich echt wie lange das WFF diese Kombo noch auf ihre Bühne lassen will, langsam is echt mal gut. Zumindest hab ich meine 3 Lieblingssongs gehört. Naja, zum Glück gibt es ja noch die Knüppelnacht! INQUISITION bolzen sich mitten in der Nacht ihre Gliedmaßen wund, doch bei einem Blick zur Bühne wurde ich stutzig. Das sind nur 2 Leute? Aus der Anlage hört man eine fette Black-Metal Kombo die aber nur aus 2 Leuten besteht? Entweder haben die beiden gute Techniker oder hier wurde viel mit Backingtracks gearbeitet. Nach VADER wurde ich dann aber doch zu müde und machte mich mit einem Gute-Nacht-Bier in Richtung Auto-Bett.

SAMSTAG

August Burns Red
AUGUST BURNS RED | Foto: Michael Bomke

Am Samstag konnte man durchaus etwas länger schlafen, denn Dank Abwesenheit der Sonne und Regen, blieb einem auch nicht mehr viel übrig. Das Wetter wurde auch partout nicht besser. Kurz bevor ANNISOKAY in der Hardbowl den Tag eröffneten, hörte es erst auf mit dem nicht so fröhlichen Geplätscher. Allerdings blieb es stets ungewiss ob es nicht gleich wieder beginnen würde. Doch die Jungs ließen sich davon nicht abschrecken. Die Zeltbühne füllte sich rasant und die Band gab in ihren 30 Minuten alles bis hin zur Wall of Death. Gleich im Anschluss betraten MONUMENTS aus London die Bühne und bolzten sich durchs Zelt und der charismatische Sänger hat bisher als einziger Musiker dieses Wochenendes einen positiven und bleibenden Eindruck hinterlassen. Währenddessen wurde es auf der Mainstage etwas bunt. WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER brachten die Leute ordentlich in Tanzlaune. Ich muss sagen, dass es auf der großen Bühne besser funktioniert hat, als ich es erwartet hätte. Respekt!

Danach spulten EKTOMORF ihre Show im Eiltempo ab und irgendwie hatte ich die Ungarn besser in Erinnerung. Bei BEHEMOTH war ich leider auch etwas ernüchtert. Die schöne Bühnendeko von vor 2 Jahren fehlte komplett, bis auf das Backdrop. Aber dafür hat musikalisch alles gepasst: solides Set, guter Sound, weiter so. Zwischendrin hab ich auch RISE OF THE NORTHSTAR nochmal kurz meine Aufmerksamkeit gewidmet. Fetter Sound: Check! Sänger der live null so klingt wie auf Platte: Check! Brutaler Moshpit: Check! Und wieder weg. Bei HATEBREED wollte der Funken auch nicht so recht überspringen, Jamey Jastas Stimme wirkt inzwischen recht müde und so richtig Spaß machten nicht einmal mehr die Klassiker. Da nun alle dem Fußballfieber verfielen, nutzte ich die Gelegenheit um in Ruhe ohne Wartezeit duschen zu gehen und dann gemütlich zu AMON AMARTH zu watscheln. Denkste! Verlängerung. Elfmeterschießen. Man könnte meinen, unsere Nationalmannschaft hat alles daran gesetzt die Schweden heute nicht mehr spielen zu lassen.

Um ca. 23:45 Uhr war es dann doch so weit. Ein unglaublich fetter Sound konnte mich auch über die Tatsache hinwegtrösten, dass es das Bühnenbild vom vorletzten Jahr ist. Und jedes Mal wenn ich die Wikinger da oben stehen sehe, frage ich mich warum ich immer noch kein Methorn habe. Noch vorm Ende des Sets, nach Guardians of Asgard, begab ich mich zur Hardbowl in der Hoffnung dass hier auch nach hinten geschoben wurde und ich noch etwas von THE BROWNING mitbekam. Und tatsächlich, die Jungs aus Kansas hatten erst angefangen. Wer also auf 90er Jahre Eurodance und Moshparts steht, kommt hier absolut auf seine Kosten. Jedoch verblasste ihr Auftritt in meinen Augen, angesichts der Tatsache dass ich gerade von AMON AMARTH kam und hier beim Sound einfach Welten dazwischen lagen. Bei CYPECORE habe ich dann aber kapituliert. Ich konnte die Band in ihren selbstgemachten Borg-Kostümen einfach nicht ernst nehmen, auch wenn das was da aus den Lautsprechern kam gar nicht so verkehrt klang.

SONNTAG

Lionheart
LIONHEART | Foto: Michael Bomke

Der letzte Tag begann zum Glück mit etwas besserem Wetter und nachdem ich gekonnt TO THE RATS AND WOLF verpasst hatte, startete ich mit BEARTOOTH in den Tag. Die Band um den alten ATTACK ATTACK-Sänger machte einen soliden Eindruck aber hatte mich leider auch nicht vom Hocker reißen können. Ich weiß zwar nicht mehr wie ich es geschafft habe BURY TOMMOROW zu verpassen, da ich mich eigentlich darauf gefreut hatte, aber mit der Show von LIONHEART war das schnell vergessen. Etwas traurig war jedoch der Umstand, dass es ihre einzige Show beim WITH FULL FORCE sein würde, da sich die Californier nach den noch verbleibenden Shows trennen werden (wir berichteten). Kurz darauf betrat meine frühere Lieblings-Liveband die Mainstage: AUGUST BURNS RED. Leider war ich auch hier wieder sehr ernüchtert. Zu groß finde ich die Bühne für eine solche Band und auch konnte ich mich mit dem musikalischen Kurs der letzten Alben nicht so ganz anfreunden. Und noch bevor die Christ-Corer ihr Set durch hatten, begab ich mich lieber zurück zur Hardbowl und gab noch THY ART IS MURDER eine Chance. Mächtige Töne schellten durch meine Ohren, jedoch war die Band ohne ihren charmanten Sänger nicht dieselbe, so brutal sie es auch versuchten.

Ein Blick auf meinen Running-Order-Zettel verriet mir, dass es jetzt einfach an der Zeit war nach Hause zu fahren. Keine Band interessierte mich hier noch, außer vielleicht zu sehen wie sich VARG auf dieser Mini-Playbackshow-Bühne schlagen würden, aber dies hab ich mir einfach verkniffen. Irgendwie war das Festival dieses Mal eine kleine Enttäuschung und ich wollte mir einfach noch weitere ersparen. Darüber hinaus war ich auch einfach zu fertig von den ständigen Wetterwechseln.

Auf der Rückfahrt habe ich mich gefragt, mit was das WITH FULL FORCE nun diese massive Preiserhöhung rechtfertigt? Etwa für diese kleine zusätzliche 3. Bühne? Falls ja, dann baut entweder diese Bühne weiter aus oder verzichtet gänzlich darauf. Es ist ohnehin gemein sich als Zuschauer zwischen 3 Bands entscheiden zu müssen. Manchmal reicht es ja schon zwischen 2 Bühnen hin- und herzurennen. Investiert doch lieber mal in andere Acts die man nicht schon gefühlt 10 Mal bei euch gesehen hat. Ohne es böse zu meinen, aber ich bin froh das nächstes Jahr nicht wieder MOTORHEAD auf dem Line-up stehen wird. Doch ich bin sicher es wird vermutlich IN FLAMES, PARKWAY DRIVE, HEAVEN SHALL BURN sein oder irgendwas anderes das in den letzten 5 Jahren weit oben auf den Plakaten zu finden war. Jedenfalls einer der üblichen Verdächtigen. Und dann muss ich mich wirklich fragen: Hab ich da eigentlich noch Lust drauf?

www.withfullforce.de | With Full Force Facebook

Bild mit freundlicher Genehmigung von Michael Bomke

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2 Kommentare

  1. […] lang beschallen zu lassen. Doch damit ist nun Schluss – jedenfalls auf sächsischem Boden: Das With Full Force Festival zieht nach Sachsen-Anhalt und dürfte damit ein großes Loch in der Festivallandschaft des […]

  2. Lodenschwein
    7. Juli 2016 bei 17:23 — Antworten

    Super Beitrag, klasse geschrieben ohne mit Alkoholismus anzugeben;) i like!!!

    Ich hab das erste mal seit 15 Jahren verzichtet, kein Bock auf die durchschnittlichen Bands und mögliche Wetter extreme. Und hatte es aus reiner Neugier und liebe zum Black Metal zum: Under The Black sun gezogen! Kann ich empfehlen!!! Ich seh mich nächstes Jahr noch nicht aufm Force wenn die von dir angesprochene Probleme nicht besser werden

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