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Zum Glück KEIN Kettensägengeschrabbel – dafür belgisch, brachial und black

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ARS VENEFICIUM – The Reign of the Infernal King
Veröffentlichungsdatum: 26.09.2016
Dauer: 40:52 Min.
Label: Immortal Frost Productions

ARS VENEFICIUM – noch nie was von dieser Truppe gehört? Ich auch nicht. Das wird wahrscheinlich daran liegen, dass dies das erste Full-Length der Belgier ist. Angeführt wird die stürmisch-schwarzmetallische Kapelle von S., dem Inhaber des Labels Immortal Frost Productions. Nachdem das Label schon ein paar Jahre besteht, greift er nun auch selbst zum Mikro und bildet die Frontsau dieser Band.

Hoffend, dass es sich bei ARS VENEFICIUM nicht um War Black Metal handelt (davon werde ich wahnsinnig!), öffne ich das Jewelcase und stelle fest, dass das Artwork und Booklet eher nach schwarzer Messe als nach Panzern und Sirenen aussieht. Das beruhigt mich schon mal. Und ab dafür!

Das „Intro“ sorgt für ein düsteres Ambiente. Das Einzige, was man hört, ist ein starkes Atmen sowie die Hammerschläge eines Schmieds. Spooooky! Nach ein paar Sekunden denke ich mir allerdings: „Ok, wann kommt der alles vernichtende Blast?“, den ich genre- und klischeebedingt nach einem solchen Intro erwarte. Zack! Da ist er ja! Die Prophezeiung hat sich erfüllt! Mit dem Beginn des Titels „Damnation of the Soul“ pustet mich eine dunkle, derbe Wand weg.

The Reign of the Infernal King

Ich kann nicht anders und muss mich vorerst auf den Sound der Instrumente/den Mix konzentrieren, der nicht übel, aber auch nicht wirklich gut ist. Gerade die Drums klingen meiner Meinung nach recht stumpf und haben zu wenig Eier und Raum. Die Screams überzeugen dafür umso mehr. Surtur klingt beim Schreien unglaublich brachial, gleichzeitig wird mit einem Effekt auf den Vocals gespielt, der so klingt, als ob neben dem Schrei gleichzeitig jemand seinen letzten Atemzug aus dem Körper entweichen lässt. Hat was!

Doch zurück zum Titel „Damnation of the Soul„: Das Riffing stellt für mich hier nichts Außergewöhnliches oder Einprägsames dar, der Wunsch nach noch ’ner Runde bleibt aus, trotz des überraschenden, rockigen Mitnicken-Parts sowie eines Gitarrensolos am Ende des Tracks. Da der erste Titel einer Platte meistens dazu da ist, den Hörer „anzufixen“, muss ich sagen, dass ich dieses Album wahrscheinlich wieder weggestellt hätte, wenn es danach ginge. Dass dies ein Fehler gewesen wäre, wird sich noch zeigen!

…als wäre man bei einem schwarzen Ritual dabei und hätte nur Wahnsinnige um sich herum.

Es befinden sich nämlich auch richtige Ohrenweiden auf der Scheibe. „Angel of Angels“ beispielsweise packt mich da schon wesentlich derber. Der Song wirkt sehr eigen, beginnt ruhig und tragend, bricht allerdings durch einen (wie soll es auch anders sein?) Blastbeat aus und ist im Gesamten sehr abwechslungsreich und melodisch, allerdings nicht verspielt-melodisch, sondern schwarz-melodisch – als wäre man bei einem schwarzen Ritual dabei und hätte nur Wahnsinnige um sich herum. Starker Song! Jetzt habe ich angebissen!

Auch „Extinguished are the Candles of Holiness“ kann meinen Launepegel weit oben halten, da ebenfalls melodisch und abwechslungsreich. Kurzweiligkeit wird durch viele Tempiwechsel und derbes Geknüppel erzeugt. Da dürfte das Herz eines jeden Schwarzmetallers ein gutes Stück höher schlagen.

„Reign of Darkness“ und „As Flames spread into Chaos“ nehmen anschließend wieder etwas Tempo heraus. Vielleicht ist es so gewollt, dennoch verfliegt zumindest bei mir nun wieder die eben aufgebaute Euphorie.

„Thy Will, My Hands“ tritt glücklicherweise wieder aufs Gaspedal und überzeugt trotz aller Kürze vollkommen, aber nicht nur mit brutalen Blasts, sondern mit einem von mir lange ersehnten Beat hinter den Drums: Grundtakt mit viel Bassdrum. Das lockert auf, treibt aber gleichzeitig unglaublich an! So lasset eure Haare fliegen, Jünger des dunkelsten Musik-Genres der Welt!

„Bringer of Light“ hält als letzter Song des Werks ebenfalls ein paar Überraschungen bereit. Alle, die sich beim vorherigen Track „eingekopfkreiselt“ haben, brauchen die Matte gar nicht erst zu kämmen. Es geht nochmal voran! Extrem frisch kommen auch mal abgedämpfte Gitarren daher, die bisher (sicher auch nix Ungewöhnliches im Black Metal) ausblieben. Auch hinter den Drums wird im Fußbereich nochmal ordentlich getreten.

Jeder, der Kettensägen-Sound, Stumpfsinn und Kratzen auf Black Metal-Debüts satthat, der sei bitte dazu aufgerufen, Surtur und seiner Sturmtruppe zu lauschen!

Grundsätzlich gibt es für mich auf „The Reign of the Infernal King“ ein paar uninteressante Tracks, aber auch verdammt gute Werke. ARS VENEFICIUM haben ihren eigenen Stil, der sehr brachial, und vielschichtig daherkommt. Rau, derb, vernichtend, aber dazu melodisch! Jeder, der Kettensägen-Sound, Stumpfsinn und Kratzen auf Black Metal-Debüts satthat, der sei bitte dazu aufgerufen, Surtur und seiner Sturmtruppe zu lauschen! Ich bin gespannt, wie es mit der jungen Band weitergeht und werde sicher die Chance wahrnehmen, bei einem Live-Ritual dabei zu sein.

… spätestens auf dem BARTHER METAL OPEN AIR 2017

Webpräsenz: Ars Veneficium

Facebook: Ars Veneficium

Bild mit freundlicher Genehmigung von Ars Veneficium

Autorenbewertung

6
ARS VENEFICIUM bieten sehr derben, aber auch abwechslungsreichen und melodischen Black Metal, allerdings machen nicht alle Songs der Platte Lust auf mehr, dafür sind die übrigen Tracks umso hörenswerter!
ø 2.1 / 5 bei 2 Benutzerbewertungen
6 / 10 Punkten

Vorteile

+ rau, derb
+ melodisch, aber nicht verspielt, sondern düster
+ starke Screams
+ hohe Abwechslung

Nachteile

- einige Songs können anderen auf der Platte nicht das Wasser reichen, dadurch sinkt an mancher Stelle die Euphorie und die Lust auf mehr

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