Wessels, Amaranthe, Epica auf Arcane Dimensions Tour: Ein Abend, Drei Welten
Die Inselpark Arena im Hamburger Süden ist ein gerne besuchter Ort. Regelmäßig finden in der Multifunktionshalle auch Konzerte statt. Konzerte wie das von CHARLOTTE WESSELS, AMARANTHE und EPICA.
CHARLOTTE WESSELS – Yay or Nay?
Ich habe mir einen Platz sehr weit vorne auf der linken Seite vor der Bühne gesichert. Solche Dinge gehen in dieser Halle recht gut. Auch wenn sie ausverkauft ist, was sie an diesem Abend allerdings nicht ist. Das sieht man alleine daran, dass der rechte Oberrang gesperrt ist. Und auf der linken Hallenseite ist die Tribüne zum Sitzen ausgefahren, wo sonst deutlich mehr Menschen stehen.
Opener des Abends ist CHARLOTTE WESSELS. Ich kenne die Sängerin von ihrem gemeinsamen Song mit KISSIN DYNAMITE. Alles andere, was ich bisher von ihr gehört habe, war mir zu lasch und zu generisch. Entsprechend skeptisch bin ich, was mich hier erwartet.
17:48 Uhr. Das Licht geht aus, während noch Musik vom Band läuft. Dann betreten vier Musiker die Bühne gefolgt von CHARLOTTE WESSELS. Die Bühne wirkt irgendwie recht klein, aber im Gegensatz zu den beiden Nachfolgebands braucht die Frau auch keinen großen Bühnenaufbau! Im Grunde genommen reicht ihr mit Blumen umschlungener Mikrofonständer völlig aus.

Der geneigte Leser bemerkt vermutlich, dass meine Skepsis recht schnell verfliegt! Mit dem Opener „Chasing Sunsets“ beweist die Sängerin sehr schnell, dass sie auch Power kann. Der Song bietet eine Mischung aus verspielten leichten Melodieparts und krassen Riffs. Das Publikum der Inselpark Arena ist direkt im Konzertmodus mit Waving Hands bis mindestens zum FOH und Teile der ersten Reihe Headbangen.
Die Bühne erstrahlt in gelb orangenem Licht und ist in einen leichten Nebel getaucht.
Auch in Track 2 wird der Nacken ordentlich gefordert. Hier zeigt sich sehr gut die Gesangsfähigkeit von CHARLOTTE. Auch lichttechnisch macht man hier alles richtig. Dieses wird genutzt, um einen Unterschied zwischen ruhigen und harten schnellen Auf die Fresse Parts zu unterstreichen. Ruhige Passagen werden von sanftem Licht begleitet, während die härteren Momente deutlich hektischer ausgeleuchtet werden.
Gut gemacht ist auch der Übergang von „The Crying Room“ auf „Soft Revolution“, denn am Ende setzt sie sich auf die Bühne, bleibt dort im Scheinwerferlicht sitzen und performt so zumindest den ersten Teil der Rockballade.
Mit „Tempest“ gibt es dann auch einen Song, der bisher auf keinem Album aufgetaucht ist, aber komplett ins Setting passt.
Den Abschluss bildet „The Exorcism“. Ruhig, aber keineswegs zahm. Vor allem im Refrain zeigt CHARLOTTE WESSELS noch einmal, dass sie auch beim Growling einiges zu bieten hat.
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EPICA – Der Name ist Programm
Nach meinem Gefühl müsste nun AMARANTHE dran sein. Nachdem die Crew alle Abdeckungen abgebaut hat und das eigentliche Bühnensetting präsentiert, kommen aber EPICA auf die Bühne. Allerdings mit einem Haken für die Fotografen. Denn Die Band hat festgelegt, dass der erste Song „Apparition“ nicht fotografiert werden darf.
Simone betritt die Bühne komplett in Schwarz. Über dem Kleid liegt ein ebenso schwarzer Schleier. Fast wie ein Trauergewand. Ich verstehe das Fotoverbot hier nicht. Für mich ist das ein Showelement wie alle anderen auch und nimmt meiner Meinung nach nichts vorweg. Aber zumindest meine Laune trübt das Ganze nicht.

Stellenweise ist der Aufbau bei EPICA schon etwas ablenkend, weil man nicht genau weiß, wo man nun hingucken soll. Musiker? Bühnenbild?
Aber gleichzeitig schafft er es auch mit seinen verschiedenen Bildern, eine weitere Ebene ins Konzerterlebnis einzubauen.
Wir haben drei Songs hinter uns, die Band ballert einfach richtig und treibt an zum Headbangen, zum Mitsingen, zum Springen und Klatschen. Nach dem ersten Viertel des Sets ist klar: Das wird heute körperlich. Bis auf den Schlagzeuger – den kann ich von meiner Position aus nicht sehen – spielen alle Musiker mit dem Publikum. Ein Lächeln hier, eine Grimasse dort und immer wieder Simone, die mit „Hey, hey, hey“ Rufen das Publikum anheizt.
Die Band weiß, wie sie die Menge zu Höchstleistungen treibt. Allerdings stört es mich ein wenig, dass die Band immer wieder kurz von der Bühne verschwindet. Das kostet mögliche Spielzeit und so wären meiner Meinung nach bestimmt noch zwei Songs mehr drin gewesen.
Immer wieder ein Highlight ist Keyboarder Coen Janssen mit seinem gebogenen tragbaren Keyboard. Aber auch das gesamte lockere Zusammenspiel der Bandmitglieder. Klar liegt der Fokus immer wieder auf Sängerin Simone, ihren Kleidern, ihrer vielseitigen Stimme und der Leichtigkeit, mit der sie sich bewegt. Oder auch ihren Headbang Parts. Dennoch merkt man wie gut EPICA als Band funktioniert, so wie man sich die Bälle zuspielt und miteinander interagiert.

Hervorheben möchte ich auch das Duett zwischen Simone Simons und Charlotte Wessels mitten in der Show. Die Stimmen der beiden Sängerinnen während „Sirens – Of Blood And Water“ ergänzen sich einfach super. Simone klar und hoch und Charlotte tief und kratzig. Während dieses Songs ist alles in Blau getaucht und Nebel zieht über den Boden der Bühne. Aber kein kaltes Blau, eher ein magisches oder mystisches Blau.
Songtechnisch kann ich meine Highlights ganz klar in drei Tracks benennen: „The Grand Saga – A New Ages Dawn Part IX“, „Cry For The Moon“ (mein wirklicher Alltime Favorite) und „Beyond The Matrix“. Vor allem diese drei zeigen für mich, wieso EPICA diesen Namen nicht nur trägt, sondern auch ausfüllt! Und das eben nicht nur in den Studio Aufnahmen, sondern vor allem Live mit voller Wucht!
Und so entlässt uns die Band nochmal mit einem fulminanten Finale und ein paar Metal Aerobics („Springt mit mir Hamburg!“) bei „Beyond The Matrix“ in die nächste Umbauphase für AMARANTHE.
AMARANTHE – Die spaßige Seite
20:50 – Es wird dunkel, aber die Crew muss noch immer werkeln. Dann ertönen Geräusche wie im Maschinenraum eines Schiffs. Eine Melodie ertönt wie aus einem Film und eine weibliche Erzählerin vom Band schwört das Publikum ein.
Nach und nach betreten die Mitglieder von AMARANTHE die Bühne unter klatschendem Takt durchs Publikum. Mit „Fearless“ geht es direkt los. Nebelfontänen schießen vom Bühnenboden nach oben und die Halle ist sofort wach.
Auch hier ist die Sängerin wild am Headbangen. Und trotz der Power, die sie versprühen und mit dem Publikum teilen, muss ich gestehen, dass mir der Auftritt ein wenig zu durchchoreographiert wirkt. Da hatten CHARLOTTE WESSELS und auch EPICA mehr Leichtigkeit. Dabei hatte auch EPICA mit seinem aufwendigen Bühnenaufbau feste Abläufe. Dort wirkte das Ganze auf mich trotzdem etwas natürlicher.

Highlight ist auf jeden Fall die Ballade „Crystaline“. Elize Ryd sitzt hier auf dem Bühnenboden. Alles ist in kühles Blau Weiß gehaucht. Während die Sängerin im Fokus des Scheinwerfers sitzt, ist der Rest der Bühne etwas dunkler gehalten. Die erste Strophe singt Elize und in der zweiten Strophe stößt dann Nils Molin für die männlichen Cleanvocals, von der linken Seite der Bühne dazu und setzt sich ebenfalls. Das bildet einen angenehmen Gegenpol zu den vielen energiegeladenen Songs und den ständigen Laser-Effekten.
Ähnliches bietet vier Songs später „Amaranthine“. Hier steht erst Keyboarder Olof Mörck alleine auf der Bühne im Scheinwerferlicht und spielt erstmal ein Keyboard Solo und dann kommt Elize dazu um den Song als Akustik Version zu performen.
Ansonsten gibt es einen Powersong nach dem anderen, wobei mich tatsächlich wundert, dass die meisten Songs vom Vorletzten Album stammen, anstatt dem letzten. Aber egal von welchem Album die Songs stammen: Spaß macht das Ganze trotzdem jede Menge.
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Fazit
Würde ich wieder zu einer der drei Shows gehen? Trotz meiner Kritikpunkte? Absolut. Der Spaßfaktor überwiegt hier eindeutig. Und allein für EPICAs „Cry For The Moon“ würde sich der Abend für mich schon wieder lohnen.
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