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	<title>Angst Archive - Silence Musik Magazin</title>
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	<description>Das endgültige Metal-Magazin</description>
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	<title>Angst Archive - Silence Musik Magazin</title>
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		<title>Mir doch egal! &#8211; Brutalität im Metal und ihre Folgen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hannes]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Nov 2016 13:10:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gerade läuft &#8222;Deep Cuts from Dark Clouds&#8220; der amerikanischen Sludge-Abrissbirne 16 (Name der Band). Während ich im Booklet die Texte durchblättere, fällt mir mal wieder auf, dass mich die Texte nach 4 Jahren noch immer beschäftigen und mir zu denken geben. Wie ...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Gerade läuft &#8222;Deep Cuts from Dark Clouds&#8220; der amerikanischen Sludge-Abrissbirne <strong>16 </strong>(Name der Band). Während ich im Booklet die Texte durchblättere, fällt mir mal wieder auf, dass mich die Texte nach 4 Jahren noch immer beschäftigen und mir zu denken geben. Wie kommt es eigentlich, dass ich so viele Platten im Regal stehen habe, die <strong>krasse Einblicke </strong>in die<strong> Gedankenwelt der Musiker</strong> offenbaren, aber nur die wenigsten davon heute noch polarisieren? Liegt es daran, dass ich schon so lange Metal höre und <strong>abgestumpft</strong> bin? Ich habe ja schon eine Menge gehört und gesehen. Oder ist die Welt der Kunst gegenüber toleranter geworden? Es wird wohl eine Mischung aus beidem sein.</p>
<p>Wirft man einen Blick auf die Historie des Rock und Metal, so provozierten schon Urväter wie <strong>BLACK SABBATH</strong>,<strong> THE DOORS</strong> und <strong>JIMI HENDRIX</strong> mit dunklen Texten über Religion, Drogen, oder Mord die Gesellschaft. Das schlug richtige Wellen, ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung war sogar richtig entsetzt darüber, wie eine Band über solche Dinge singen kann. Doch am Ende gewöhnten sich die meisten daran und heute sind die genannten Beispiele aus der Geschichte des Rocks nicht wegzudenken.</p>
<p><iframe width="1140" height="641" src="https://www.youtube.com/embed/jVjlWsCYdzo?feature=oembed" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<h4>Der Metal in den 80ern</h4>
<p>Spult man den &#8222;Film&#8220; ein wenig vor, finden wir in den 80ern neuen Zündstoff in Form von Krachfanatikern wie <strong>VENOM</strong>, <strong>SODOM</strong> oder <strong>CELTIC FROST</strong>. Das satanische Image wurde nun so richtig populär. Immer mehr Bands legten mal mehr (<strong>CELTIC FROST</strong>), oder mal weniger (<strong>VENOM</strong>) eine authentische und provokante Einstellung an den Tag, die viele Eltern verschreckte und die Jugendlichen faszinierte. Parallel kamen auch die ersten Splatter-Filme auf den Markt, welche mit düsteren Tabus der Menschheit und abartigen Fantasien spielten. Aber auch das ist heute in der Gesellschaft angekommen. Mittlerweile schockt es die meisten nicht mehr. Der Mensch stumpft ab.</p>
<h3>Um auf meine Situation am Anfang zurückzukommen, frage ich mich also:</h3>
<p>Wieso läuft es mir nicht kalt den Rücken herunter, wenn ich Lyrics über die Misshandlung von Lebewesen lese, Leichen geschändet werden (siehe <strong>CANNIBAL CORPSE</strong>) und die Gewalt glorifiziert wird? Nicht, dass ich so etwas feiern würde, aber es muss doch einen Grund geben, weshalb mich das Ganze weniger verstört?</p>
<figure itemscope itemtype="http://schema.org/ImageObject" id="attachment_11212" aria-describedby="caption-attachment-11212" style="width: 490px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="wp-image-11212 size-full" src="https://silence-magazin.de/wp-content/uploads/2016/11/celticfrost-band.jpg" alt="celticfrost-band" width="500" height="250" srcset="https://silence-magazin.de/wp-content/uploads/2016/11/celticfrost-band.jpg 500w, https://silence-magazin.de/wp-content/uploads/2016/11/celticfrost-band-300x150.jpg 300w" sizes="(max-width: 500px) 100vw, 500px" /><figcaption itemprop="caption" id="caption-attachment-11212" class="wp-caption-text">Finstere Texte auf hohem Niveau: <strong>CELTIC FROST</strong></figcaption></figure>
<p>Vielleicht liegt die Antwort in der <strong>Qualität</strong>. Alben wie &#8222;Deep Cuts From Dark Clouds&#8220; beschäftigen sich genauso mit Themen wie Drogenmissbrauch und Gewalt gegen Menschen. Aber sie sind authentisch geschrieben. Und wenn eine Botschaft in der Kunst gut verpackt ist, dann löst sie auch dementsprechende Reaktionen aus, wie in diesem Song von <strong>16</strong>:</p>
<h4>Opium Hook</h4>
<p><em>it looks like I&#8217;m slipping again</em><br />
<em> my worst enemy</em><br />
<em> has become a friend</em><br />
<em> now it&#8217;s winter</em><br />
<em> the sordid struggle</em><br />
<em> the sun&#8217;s going down</em><br />
<em> we&#8217;re in trouble</em></p>
<p><em>feel it burn</em><br />
<em> rock bottom</em><br />
<em> crawl and squirm</em><br />
<em> rock bottom</em><br />
<em> my mind&#8217;s filled with stinging pain and the sound of a voice that I can&#8217;t explain</em><br />
<em> in a world of emptiness</em><br />
<em> there&#8217;s no love to express</em></p>
<p><em>the spark is gone</em><br />
<em> I’m attached and obsessed</em><br />
<em> So absorbed</em><br />
<em> Strung out</em><br />
<em> progress setback / deathbed</em><br />
<em> we’re sick in the head</em></p>
<p>Der Text handelt von harten Entzugserscheinungen und wie die Hoffnung auf Linderung abebbt. Er ist so gut formuliert, dass ich mir <strong>bildlich</strong> vorstellen kann, was in dem Kopf dieser Person vorgeht. Ich habe dabei ein <strong>ungutes Gefühl</strong>, wenn ich diesen Song höre. Weil die Message bei mir ankommt.</p>
<p>Mich berühren reale Erlebnisse mehr, als ausgedachte Splattergeschichten, welche im Metal zur Tagesordnung gehören. Es liegt daran, dass ich in meiner Jugend immer den härtesten Kram hören, beziehungsweise sehen wollte. <strong>Immer extremer</strong>, dunkler und grausamer. Irgendwann war der Punkt erreicht, an dem ich nur noch gelangweilt von den ganzen Horrorlyrics war. Also wurden die echten Geschehnisse auf einmal wieder interessanter. Und ist es nicht beunruhigender zu wissen, dass das Geschriebene jederzeit in Kraft treten kann, als die fünfzigste Zombieapokalypse?</p>
<p>Hier ein Auszug eines <strong>CANNIBAL CORPSE</strong>-Songs:</p>
<h4>Kill Or Become</h4>
<p><em>Killing is essential to survive</em><br />
<em> The world you once knew forever changed</em><br />
<em> Scavenging just to stay alive</em><br />
<em> Time to release your inner rage</em></p>
<p><em>Fire up the chainsaw</em><br />
<em> Hack all their heads off</em><br />
<em> Fire up the chainsaw</em><br />
<em> Hack their fucking heads off</em></p>
<p><em>If you want to live you have to kill or become</em><br />
<em> There´s no other way you have to kill or become</em><br />
<em> If you wan to live you have to kill or become</em><br />
<em> There´s no other way you have to kill or become</em></p>
<figure itemscope itemtype="http://schema.org/ImageObject" id="attachment_11228" aria-describedby="caption-attachment-11228" style="width: 740px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="wp-image-11228 size-full" src="https://silence-magazin.de/wp-content/uploads/2016/11/cannibal-corpse-band.jpg" alt="cannibal-corpse-band" width="750" height="500" srcset="https://silence-magazin.de/wp-content/uploads/2016/11/cannibal-corpse-band.jpg 750w, https://silence-magazin.de/wp-content/uploads/2016/11/cannibal-corpse-band-300x200.jpg 300w, https://silence-magazin.de/wp-content/uploads/2016/11/cannibal-corpse-band-360x240.jpg 360w" sizes="(max-width: 750px) 100vw, 750px" /><figcaption itemprop="caption" id="caption-attachment-11228" class="wp-caption-text">Schon immer im Splatter/Gore-Sektor unterwegs: <strong>CANNIBAL CORPSE</strong></figcaption></figure>
<p>Na? Wen hat es jetzt ernsthaft gegruselt oder verstört? Mich jedenfalls nicht. Mein 16-jähriges Ich hätte es bestimmt für krass und gut befunden. Ein Tipp: sucht nicht immer nach dem härtesten Extrem. Irgendwann seid ihr davon gelangweilt.</p>
<h4>Das gute alte Gefühl der Angst</h4>
<p><strong><em>Bevor ihr weiterlest, möchte ich darauf hinweisen, dass jetzt einige Bands folgen, die tatsächlich verstörend sein können.</em></strong></p>
<p>Zu einem spannenden Text gehört natürlich die akustische Untermalung. Und wenn diese in dieselbe Kerbe der Worte schlägt, ist auch die Chance, dass man selber <strong>aufgewühlt</strong> ist, recht hoch. Ich erinnere mich daran, wie meine Augen auf einer Rezension des 2007 erschienenen <strong>DEATHSPELL OMEGA</strong>-Albums (&#8222;Fas-Ite, Maledicti, In Ignem Aeternum&#8220;) ruhten. Als ich mit meinen zarten 17 Lenzen die Boxen aufriss und diese unvergleichliche Musik mir wie ein Orkan entgegenspie, wusste ich: Das ist ein <strong>neues Level der Härte</strong>. Die Nackenhaare stellten sich mir auf. So etwas hatte ich damals noch nie gehört. Vergessen waren die Monster! Gedärme und Blut gehörten der Vergangenheit an. Ähnlich verhält es sich mit dem Ausnahmewerk der französischen Doom Band <strong>FUNERALIUM</strong>. Ihr Zweitwerk &#8222;Deceived Idealism&#8220; gehört für mich zum Abartigsten, was der Metal je ausgespuckt hat. Der Titel ihres Demos macht der Musik alle Ehre. <strong>Ultra Sick Doom</strong>. Da können nur noch <strong>KHANATE </strong>mithalten.</p>
<p><iframe loading="lazy" width="1140" height="641" src="https://www.youtube.com/embed/DLgk6XgzHwY?feature=oembed" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<h4>Wie kann so etwas getoppt werden?</h4>
<p>Muss man noch eine Schippe drauflegen? Das entscheidet jeder glücklicherweise selber. Ich persönlich ziehe die Grenze bei dem wohl morbidesten Tondokument von <strong>WHEN</strong> (&#8222;The Black Death&#8220;). Die <strong>Pietätlosigkeit</strong> dieses Albums ist grenzenlos (Geräusche von sterbenden Ratten und Menschen). Tatsächlich habe ich den Fehler begangen, und mir diese Scheibe im Dunkeln angehört. Das Resultat war tatsächlich etwas wie Angst. Einfach nur widerlich, was die Norweger da abziehen.</p>
<h4>Warum kommt das Thema Angst in der Musik vor?</h4>
<p>Um zu schocken und dich zu schützen. <strong>Angst gehört zum Menschen</strong>, so wie der Tod. Angst soll dich wachrütteln und auf die Probleme dieser Welt hinweisen. Das wäre wohl die einfachste Antwort. Es bereitet am meisten Unbehagen, denn wer will schon an die Misere in seinem Umfeld erinnert werden? Und doch ist es (für mich) die beste Art, ernsthaft über das Leben und seine Zipperlein nachzudenken. Interessanterweise schafft das kein Politiker bei mir, sondern der Metal mit seinen kritischen Aussagen.</p>
<hr />
<p>Nachtrag: Natürlich ist die Auseinandersetzung mit dem Thema vielfältig. Eine allumfassende Betrachtung der Thematiken Brutalität und Angst ist, je länger man darüber nachdenkt, gigantisch und würde wohl den Rahmen sprengen. Deshalb bin ich darauf gespannt, wie ihr zu diesem Thema steht.</p>
<hr />
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Sind wir noch sicher?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Alex]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 Jul 2016 17:30:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Angst]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Lage ist angespannt : Die letzten Monate waren voller beunruhigender Nachrichten aus aller Welt &#8211; Attentate auf öffentlichen Veranstaltungen wie den nationalen Feierlichkeiten in Nizza, die Attacke in einem Zug bei Würzburg und nun auch noch ein Amoklauf in München. Ist man ...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-weight: 400;">Die Lage ist angespannt : Die letzten Monate waren voller beunruhigender Nachrichten aus aller Welt &#8211; Attentate auf öffentlichen Veranstaltungen wie den nationalen Feierlichkeiten in Nizza, die Attacke in einem Zug bei Würzburg und nun auch noch ein Amoklauf in München. Ist man denn überhaupt noch irgendwo sicher?</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Machen wir uns nichts vor: Großveranstaltungen sind immer ein attraktives Ziel für Angriffe. N<span style="font-weight: 400;">atürlich ist es wahrscheinlicher, je größer die Veranstaltungen sind &#8211; in der perfiden Logik des Attentäters ergeben sich dort mehr potentielle Zielscheiben, mehr Opfer, die es zu erwischen gilt!<br />
</span></span>Diesen Sommer beherrschen aber auch wieder sich häufende Unwettererscheinungen die Medien. Diese Wetterphänomene machten aus den sonst als sicher geltenden Räumen der großen Festivals große Zielscheiben für himmlische Mächte: Die Bilanz waren dutzende Verletzte bei Rock am Ring und Southside.</p>
<p><span style="font-weight: 400;">Zwischen all dem fragt man sich natürlich, ob man sich nicht von solchen Veranstaltungen fernhalten soll.</span><span style="font-weight: 400;"><br />
</span><span style="font-weight: 400;">Zu dem Thema habe ich mit Ralf Nüsser vom SUMMER BREEZE telefoniert um</span><span style="font-weight: 400;"> herauszufinden, wie ein Festival, vor allem in einer solchen Situation, für eure Sicherheit garantieren kann. Und ob das überhaupt möglich ist.</span><span style="font-weight: 400;"><br />
</span></p>
<p><iframe loading="lazy" width="1140" height="641" src="https://www.youtube.com/embed/RRMqTbNa-mo?feature=oembed" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
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		<title>Die Angst vor der Mittelmäßigkeit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Alex]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 05 Jun 2016 16:04:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
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		<category><![CDATA[Reviews]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Angst &#8211; eine der treibenden Kräfte unseres Lebens. Sie beeinflusst unser Handeln, Denken und Fühlen. Manchmal bewusst, manchmal allzu unbewusst. Und sie geht tief, so viel tiefer als wir erwarten. Und selbst der einfache Musikjournalist ist von Angst getrieben. Ich lese seit ...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://silence-magazin.de/die-angst-vor-der-mittelmaessigkeit/">Die Angst vor der Mittelmäßigkeit</a> erschien zuerst auf <a href="https://silence-magazin.de">Silence Musik Magazin</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Angst &#8211; eine der treibenden Kräfte unseres Lebens. Sie beeinflusst unser Handeln, Denken und Fühlen. Manchmal bewusst, manchmal allzu unbewusst.<br />
Und sie geht tief, so viel tiefer als wir erwarten. Und selbst der einfache Musikjournalist ist von Angst getrieben.<br />
Ich lese seit langer Zeit keine Reviews mehr. Ich schreibe auch selten noch einen derartigen Beitrag. Zum einen, weil mir Musik weit mehr bedeutet, wenn ich sie selbst für mich entdeckt habe. Zum anderen, weil mir die Meinung der meisten Redakteure und jene die sich als solche bezeichnen &#8211; völlig egal ist. Wie kommen sie denn eigentlich auf die verquere Idee, ihre subjektive Einschätzung eines Kunstwerkes anderer Individuen in den Orkus blasen zu dürfen. Auch als Parabelritter stehe ich mir da von Zeit zu Zeit selbst auf den Füßen. Noch perverser als der Versuch sich mit rationalen Mitteln den emotionalen Ergüssen eines völlig Fremden zu nähern, ist der Versuch all das in eine ZAHL zu pressen!</p>
<blockquote><p>Wie soll man denn KUNST schätzen, außer unter dem Auktionshammer?</p></blockquote>
<p>Kunst hat doch keinen Wert, keine Relation, keine vorgegebenen Richtlinien die es ermöglichen, durch die Berechnung der durchschnittlichen Abweichung von eben jenen Richtlinien, einen strukturellen Wert zu errechnen. Das mag vielleicht bei Mathcore und Technical Death Metal möglich sein, aber ob das noch Kunst oder den bloßen Triumpf des Willens über das Fleisch darstellt ist natürlich fraglich.<br />
Und doch muss es Reviews und manchmal auch Punktewertungen geben. Warum? Weil der Mensch Vereinfachungen braucht. Es mag ja stimmen, dass der Redakteur möglichweise eine ganz eigene Ansicht darüber besitzt, WAS ein gutes Album ausmacht, jedoch gibt es eine ungeheure Bandbreite an Künstlern, die auch objektiv betrachtet Schrott sind und diese müssen, vor allem in Zeiten der überquellenden Fülle an Neuerscheinungen, ausgesiebt werden um mehr Platz für die empfehlenswerten Alben zu machen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2794" src="https://silence-magazin.de/wp-content/uploads/2016/06/Evil-judge.jpg" alt="Evil-judge" width="300" height="287" /><br />
Es gibt also keine Form und keine empirische Möglichkeit, die Arbeiten objektiv zu bewerten, fernab von technischen Mängeln oder lyrischen Totalausfällen und jeder Autor gießt seine subjektivsten Ansichten hemmungslos über dem Leser aus und jener kann nie WIRKLICH wissen, ob er aus seinem eigenen Kunstverständnis heraus zum gleichen Schluss käme.</p>
<p>Wir sind dem Schreibenden also ausgesetzt. Kunstrezeption erfordert die Aufmerksamkeit und die Mitarbeit des Lesenden. Doch wer liest eine Review schon aktiv und geistig-arbeitend?<br />
Dient sie nicht meistens eh nur als schlichte Kaufempfehlung?</p>
<blockquote><p>„Schau mal, die neue „ApgarngarnlknarPB OR“ von RPÖKOGJPEGOJEIPOHDN hat 9001 Punkte von Magazin XYZdrölf bekommen &#8211; das muss gut sein. Ich bestell mir das jetzt mal, brauch eh neue Musik.“</p></blockquote>
<p>Also runtergebrochen auf mein Mantra: <em>„Kaufen oder Kotzen“</em>. (Ich wusste gar nicht, dass dahinter tatsächlich eine ganze Portion Psychologie steckt! Ich bin geistreich!)</p>
<p>Und plötzlich bemerken wir, dass die Review ein Problem hat &#8211; ist sie nicht herausragend, sagt sie nicht „KAUFEN“ &#8211; dann kann das nur bedeuten, dass das Werk nicht gekauft werden sollte. Denn machen wir uns nichts vor: Der Künstler will, dass ihr den Scheiß kauft und nicht, dass ihr es sinnlich durchdringt, respektiert und dann doch nicht kauft und euch Anderem zuwendet.</p>
<p>Die Wertung einer Scheibe als „durchschnittlich“ kann bereits dazu führen, dass man sich den Kauf mehrfach überlegt, auch wenn man es vorher eigentlich geplant hatte. Und wenn man dann als Schreiber wirklich begründete Zweifel hat, dass der neue Stil der Band gut zu Gesicht steht, dann zerbrechen schonmal ewig währende Fanschwüre.<br />
Wir erinnern uns: Der Leser will vom Autoren das Album vorverdaut bekommen, damit er sich nicht mehr aufwändig damit auseinandersetzen muss. Er beeinflusst vorder- und hintergründig Kaufentscheidungen mit, ohne dass man nachvollziehen könnte (oder wöllte) wie er zu seinem Schluss kam. Außerdem: Die Empfehlung eines Freundes ist so viel mehr Wert als die bloße Werbung der Firma selbst. Man sieht im Review-Schreiber (unbewusst) einen Freund, dessen Werturteil man vertrauen kann. Oder will.<br />
Und zu guter Letzt, ist der Schreibende ja ein EXPERTE. Weil er eben in der Position eines Autoren ist und um dort hin zu kommen, bedarf es ja der vorzüglichsten Qualitäten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2796" src="https://silence-magazin.de/wp-content/uploads/2016/06/20080404-expert.png" alt="20080404-expert" width="380" height="253" srcset="https://silence-magazin.de/wp-content/uploads/2016/06/20080404-expert.png 380w, https://silence-magazin.de/wp-content/uploads/2016/06/20080404-expert-300x200.png 300w, https://silence-magazin.de/wp-content/uploads/2016/06/20080404-expert-360x240.png 360w" sizes="auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px" /></p>
<p>Und nun wechseln wir die Perspektive zum Schreibenden, der an seinem Tisch sitzt und ein Album aus einem Postbrief befreit, das er persönlich vom Promoter oder Label bekam, um es zu vermarkten. Diese Parteien schicken natürlich gerne auch handfeste Ausgaben an ihre Medienpartner. Die einen werden dafür bezahlt, Alben zu vermarkten &#8211; also besonders gut in der Medienlandschaft zu positionieren &#8211; und die anderen verdienen daran, wenn das gelingt. Die dritte Partei, also die Redakteure und Magazine verdienen meistens gar nichts daran. Sind die Magazine zu klein für Print oder Werbeschaltungen würde folgendes passieren: Redakteur XY gibt einem Album des Labels ImaginaryEvilArtistTrap einen kompletten Verriss. Passiert das dann öfter denkt sich das Label: Gut, schick ich einfach nichts mehr. Der Redakteur bekommt keine gratis Alben mehr, kann über nix mehr schreiben und muss sich fortan wieder alles selber kaufen. Doof. Deswegen wird er sich lieber zusammenreißen, wenn ihm das Label und die dortigen Bands nicht völlig egal sind. End of story.<br />
Ist das Magazin auf Werbung angewiesen weil es sich sonst nicht tragen würde, hat das angesprochene Label IEAT zwei Möglichkeiten: Entweder sie bezahlen keine Werbeflächen im Magazin mehr, was zu erheblichen Umsatzeinbrüchen führen könnte. Oder sie kaufen Werbeflächen im Magazin, wo genau die Alben beworben werden, die man im Magazin selbst zerrissen hat. Im ersten Fall wäre das negativ bewerten also ein finanzieller Selbstmord, im zweiten Fall ein psychologischer Selbstmord.<br />
Und das tückische daran: Schlecht bewerten heißt in dem Fall, wie bereits eingangs erwähnt, nicht EXZELLENT zu bewerten.</p>
<blockquote><p>Denn Mittelmaß verkauft sich nicht, fast genau so schlecht wie absolute Grütze.</p></blockquote>
<p>Also lesen wir im Durchschnitt nur Positives von großen Bands und Labels, weil sich niemand leisten kann, sie im schlimmsten Falle so kritisch zu betrachten, wie man es mit Underground so oft tut. Sie haben Angst vor den Konsequenzen. Und eben jene widerwärtige Gehässigkeit gegenüber den kleinen Newcomern ist es, die solche ferngesteuerten Magazine dann als Ausgleich und Vertuschungsversuch als Maske aufsetzen.<br />
Also ist eine solche Wertung im Grunde ÜBERHAUPT NICHTS mehr wert. Eine 5 ist bereits Ausdruck eines absolut unhörbaren Albums, &#8222;verschwende deine Zeit nicht damit&#8220;. Aber gerade weil wir ersticken in Neuerscheinungen, ist es objektiv überhaupt nicht möglich, dass alle immer nur 8/9/10er Wertungen bekommen.<br />
Sowas wird es hier nicht geben. Das lasse ich nicht zu &#8211; und das wissen auch unsere Medienpartner.</p>
<p>Hier meine ganz persönliche Richtschnur mit meinen Beispiel-Alben, die ich meinen Redakteuren im Sinne der Punktbewertung ans Herz gelegt habe und mit eiserner Faust in ihre Gewohnheiten einhämmern werde, um eben diesem Trend entgegen zu wirken.</p>
<p><em>Und damit ihr wisst, dass es eben NICHT heißt, dass ein Album mit 5 Punkten ein schlechtes Album ist.</em><br />
<strong>0 Punkte</strong>: Wer auch immer das produziert hat gehört dafür bestraft. Alles von den <strong>FLIPPERS</strong> oder den <strong>AMIGOS.</strong><br />
<strong>1 Punkt</strong>: Man hört, dass die Musiker in der Lage waren, die Instrumente zu halten. Was danach passierte ist jedoch unerklärlich. Ich brauch jetzt nen Drink. <strong>TOTENMOND, MARDUK</strong><br />
<strong>2 Punkte</strong>: Die Ansätze sind da, aber es fehlt hier noch deutlich an Technik/Erfahrung/Eiern/Einhörnern. Nicht empfehlenswert. Alles von <strong>EVANESCENCE</strong> ab 2007<br />
<strong>3 Punkte</strong>: Es könnte Fans hierfür geben, aber es sind noch Mängel erkennbar. Erträglich<br />
&#8222;Repentless&#8220; &#8211; <strong>SLAYER</strong>, &#8222;Billy Talent III&#8220; &#8211; <strong>Billy Talent</strong>, &#8222;A Clear Path&#8220;- <strong>Cold Body Radiation</strong><br />
<strong>4 Punkte</strong>: Auf einem guten Weg, aber noch etwas zu eintönig/uninspiriert/holprig/unschlüssig. Vielversprechend, aber irgendwas stört mich noch.<br />
&#8222;International Black Jazz Orchestra&#8220; &#8211; <strong>SHINING, DISTURBED</strong><br />
<strong>5 Punkte</strong>: Das Standartalbum. Man hört es und erleidet weder Schmerzen, noch wird man davon feucht. Nach der Review kommt es in den Schrank und wird vergessen.<br />
<strong>AMON AMARTH</strong> seit 2012<br />
<strong>6 Punkte</strong>: Ich werde mir die Band auf dem nächsten Festival mal geben, die könnten Stimmung machen und diesen einen Song find ich echt gut/sie haben was besonderes an sich. &#8222;Moonlover&#8220;-<strong>GHOST BATH</strong>, &#8222;Arpitanian Lands&#8220; &#8211; <strong>ENISUM</strong><br />
<strong>7 Punkte</strong>: Tolle Scheibe, ich kam die ganze letzte Woche nicht davon weg! Auf jeden Fall empfehlenswert. &#8222;Aura&#8220; &#8211; <strong>SAOR</strong> , &#8222;I am Nemesis&#8220;- <strong>CALIBAN</strong><br />
<strong>8 Punkte</strong>: Ein Hammer Album, ich empfehle es allen meinen Freunden. Das Album läuft Wochen in Dauerschleife. &#8222;Dance of the Death&#8220; &#8211; <strong>IRON MAIDEN</strong> , &#8222;Unia&#8220; &#8211; <strong>SONATA ARCTICA</strong>, &#8222;Unity&#8220; &#8211; <strong>SKYFOREST</strong>, &#8222;Ecailles de Lune&#8220; &#8211; <strong>ALCEST</strong><br />
<strong>9 Punkte</strong>: Dieses Album ist ein Meilenstein des Genres (zumindest für mich). Ich bekomme es monatelang nicht aus dem Kopf und es könnte zu meinen Alltime Favs gehören. The Silent Force &#8211; <strong>WITHIN TEMPTATION</strong>/ &#8222;Exercises in Futility&#8220; &#8211; <strong>MGLA</strong>/ Vempire &#8211; <strong>CRADLE OF FILTH</strong>, Death Magnetic &#8211; <strong>METALLICA</strong>, With Oden on your Side- <strong>AMON AMARTH</strong><br />
<strong>10 Punkte</strong>: Dieses Album hat mein Leben verändert. Diese Wertung kann nicht bei einem neuen Album getroffen werden. Imaginations From The Other Side &#8211; <strong>BLIND GUARDIAN / &#8222;</strong>Billy Talent II&#8220;- <strong>BILLY TALENT</strong></p>
<p>Ich hoffe, ich konnte euch ein wenig dafür sensibilisieren, was eine Review und vor allem ihre Bewertungszahl bedeutet. Wenn ihr also einen vermeintlich geringen Wert für eine Review seht, denkt daran, dass wir einen realistischeren Maßstab ansetzen als die Anderen. Habt keine Angst davor anzustoßen. Zumindest, wenn ihr wisst worauf ihr euch einlasst.<br />
<strong>Was haltet ihr davon?</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
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<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://silence-magazin.de/die-angst-vor-der-mittelmaessigkeit/">Die Angst vor der Mittelmäßigkeit</a> erschien zuerst auf <a href="https://silence-magazin.de">Silence Musik Magazin</a>.</p>
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