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URFAUST-Ein neues Kapitel der Meditation

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Urfaust – Empty Space Meditation
Veröffentlichungsdatum: 28.10.2016
Dauer: 43:05 Min.
Label: Ván Records
Stil: Black Metal

Der eine liebt sie abgöttisch, der andere findet sie grottig. URFAUST sind in der Tat eine Band, welche seit 12 Jahren polarisiert. Ein Großteil der Songs ähnelt sich von der Geschwindigkeit her, der Gesang wechselt zwischen Gekeife und einem Operngesang, der für manchen Hörer wie ein betrunkener Seemann klingt, der voller Depression das Schiff steuert. Über die Texte ist so gut wie nichts bekannt, nur dass sie in altem holländisch verfasst wurden. Bereitet euch außerdem auf eine gehörige Portion an atmosphärischem Ambient vor, denn er hat seinen festen Platz in diesem Ensemble. Die Band selber bezeichnet „Empty Space Mediation“ übrigens als einen großen Songkoloss, welcher durch das Label in 6 Kapitel eingeteilt wurde.

Kapitel 2

Kehlkopfgesänge erklingen und ein leises Keyboard beginnt leiernd den Ritus einzuleiten. „Kapitel 2“ vermittelt unmissverständlich den Kurs der Vorgänger-EP „Apparitions“, der Split mit LUGUBRUM und der „Einsiedler“-EP. Sobald das erste Kapitel in einer Noise-Collage verschwimmt, platzt der rumpelnde Takt mit einem Schrei sofort heraus. Seit dem letzten Album „Der Freiwillige Bettler“, begleitet das Duo nun auch ein Bass, welcher sich hier ein weiteres Mal präsentiert. Sphärische Keyboards betören sofort die Seele.

Der Start in die astrale Reise ist geglückt. Mit einem gehörigen Einschlag von alten 90er-Jahre-Kapellen wechseln die Holländer in einen schunkelnden Rhythmus, wo sich zum ersten Mal das Organ von Sänger IX wie eine schwarze Rose entfaltet. Kaum ein Sänger kann so hysterisch, kratzig und melodiös zugleich singen, das beeindruckt mich immer wieder. Schade, dass das Lied schnell vorbei ist. Für meine Bedürfnisse hätte es noch ein wenig länger gehen können, bevor es – wie am Anfang mit Ambientsounds – ausklingt.

Kapitel 3

Als würde die Batterie schwächer und schwächer werden, fahren sich die elektronischen Spielereien zurück, es wird geradezu feierlich die nächste sakrale Messe angekündigt. Bedächtig mit vollmundigem Schlagzeugklang, schleppt sich das Stück leidend zum Sterben verdammt zur letzten Ölung. Der Doom Metal hält Einzug und die Tasteninstrumente verbreiten ein herrlich bedrückendes Flair.

Kapitel 4

Was bei „Kapitel 3“ schon funktioniert hat, bleibt auch im weiteren Verlauf beständig. Interessanterweise klingen die elektronischen Effekte nach PAYSAGE D’HIVER, das verbuche ich als großen Pluspunkt. Monoton und doch erhaben marschiert die Komposition voran. Mit doppelter Stimmkraft klingt „Kapitel 4“ noch viel kräftiger, denn es ergänzt die Wucht der Bassdrum umso mehr. Am Ende gibt es wieder Deep Ambient-Klänge und der Track fadet aus.

urfaust-band

Mit schallenden Klangschalen und den für URFAUST typischen Groove begeben wir uns in das vorletzte Stück. Zwar holpert Schlagzeuger VRDRBR (nein, ich denke mir den Namen nicht aus! Fügt den Buchstabe „E“ ein und ihr habt die Lösung) zwischendurch arg, aber URFAUST wären nicht sie selbst, wenn es perfekt zugehen würde.

Orientalische Klänge

Ungewohnt betritt die Band mit Sitar und stampfendem Rhythmus Neuland. Was im ersten Moment komisch klingt, wächst jedoch mit jedem Hörerlebnis und klingt Schritt für Schritt schlüssiger. Stellt euch einen Pilger vor, der den quälend langen Marsch zur Pilgerstätte antritt und dabei Wüstenstürme durchqueren muss, ehe er sein Ziel erreicht. Doch ob er es schafft, ist fraglich, denn das Outro lässt jede Hoffnung fahren …

 

Bild mit freundlicher Genehmigung von Nona Limmen

Autorenbewertung

8
Die 2015 angedeutete Weiterentwicklung hat sich endgültig bewahrheitet. Was bei anderen Bands sofort zu heftigen Reaktionen führt, wirkt hier nachvollziehbar und erschafft Kopfkinoerlebnisse vom Feinsten. Erfrischenderweise benutzt die Band Instrumente aus dem Orient und gestaltet so immer wieder unverbrauchte Songideen. Fans der ersten Stunde wissen sofort Bescheid und können nahezu bedenkenlos zugreifen. Die Neulinge unter euch hingegen werden sich mit Geduld und Spucke diesem Album entgegenstellen müssen.
ø 4.8 / 5 bei 3 Benutzerbewertungen
8 / 10 Punkten

Vorteile

+ durch den unvergleichlichen Gesang und die Songs erkennt man Urfaust jederzeit
+ analoger Sound
+ großartiges Artwork mit Poster und silberner Beschriftung der Hülle
+ Atmosphäre pur
+ 43 Minuten vergehen wie im Flug

Nachteile

- erreicht nicht die Klasse von "Der Freiwillige Bettler" oder den Split-LP
- Vinyl klingt besser, aber bei der CD gibt es keine Pause durch das Wenden der Schalplatte
- 43 Minuten vergehen wie im Flug

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