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HELIOD im Interview – Psychedelic Rock im Zeichen der Sonne

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Wie, ihr kennt HELIOD nicht? Na dann, herzlich Willkommen zu einer kleinen Kennenlern-Runde mit den Dresdener Psychedelic-Rockern! Vor ihrem Gig im Leipziger Musiklokal FLOWERPOWER haben sich Tom S. (Rhythm Guitar, Vocals), Tom W. (Lead Guitar), Max (Bass) und Martin (Drums) bereit erklärt, ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern.

S: Danke für die Möglichkeit, heute ein paar Worte mit euch zu wechseln. Ihr seid ja noch eine relativ junge Band und man findet im World Wide Web nur wenige Insider-Infos über euch.

Tom W.: Die Klatschpresse war noch nicht da.

S: Seit wann gibt es euch denn schon als Band?

Martin: Seit 2015.

S: Und wodurch kam eure Konstellation zustande, wie habt ihr als Bandkollegen zusammengefunden?

Tom S.: Max, Tom W. und ich, wir kannten uns schon aus unserer Heimat und von ihnen ging das aus. Ihr hattet damals gemeint, ihr wollt Mucke machen, und dann haben wir uns erst zu dritt getroffen und im Laufe der Zeit noch versucht, einen Drummer zu finden.

Max: Eine Drum Machine!

Tom S.: … eine Drum Machine zu finden. Da wir aber im näheren Umfeld niemanden gefunden haben, haben wir das klassisch über eine Anzeige gemacht und dann ein schniekes Casting durchgezogen.

Max: Ja, Tom und ich hatten vorher schon ne Band zusammen, SLEEPING WIDOW, und dann wollten wir halt weiter Musik machen.

Tom W.: Ja, dann beim Studium in Dresden etwas Neues anzufangen, war irgendwie logisch. Und Martin ist das neue Mitglied.

Martin: Eingekauft. Eingekaufter Spieler.

Puzzle piece

S: Wo habt ihr die Anzeige geschaltet, wie läuft so etwas ab?

Max: Die haben wir in der Unizeitung der TU Dresden, der CAZ, geschaltet. Da haben sich auch ein paar Leute gemeldet, vier oder fünf, die haben auch alle vorgespielt, aber das klappte nicht. Der potentiellste Schlagzeuger hätte bloß ein halbes Jahr bei uns spielen können, weil er noch sein Diplom gemacht hat, und danach wäre er wahrscheinlich weggezogen.

Martin: Da musstet ihr halt mich nehmen.

Max: Dann hatten wir Glück, dass die befreundete Band von uns, mit der wir den Proberaum gebucht haben, zeitgleich auch auf Drummersuche war.

Tom W.: Mir wurde gesagt, dass du, Martin, bei denen vorgespielt hast und dass die gesagt haben: „Ey, der war übelst gut, aber passt glaub ich nicht ganz so zu unserem Style…“. Also hab ich mir deine Nummer durchgeben lassen. Und dann haben wir das gemacht und das hat einfach richtig geil gepasst, geil getrommelt, gute Jams gleich von Anfang an und wie so ein kleines puzzle piece – zack, reingepasst. Eigentlich ganz geil, dass das so gut ging.

“Klingt, wie Sahnestaub schmeckt.”

S: Wie würdet ihr selbst euren Musikstil beschreiben?

Tom W.: Schwierige Frage.

Max: Klingt, wie Sahnestaub schmeckt.

Martin: Psychedelic, Blues, Stoner…

Tom S.: Ich war ganz froh, als eine Review über uns herauskam und dort gesagt wurde, dass es Heavy Psychedelic Blues ist. Ich finde, es kommen so viele unterschiedliche Einflüsse zusammen, das kann man schwer in einem Begriff unterbringen. Von jedem etwas Anderes – quasi das Extrakt der Hörgewohnheiten von jedem Bandmitglied. Das bringt er dann mit in den Songs ein und dann ergibt das halt ne komische Mischung.

S: Gibt es bestimmte Bands, die ihr als Vorbilder bezeichnen würdet? Von welchen Musikern habt ihr euch etwas abgeschaut?

Martin: Bei den Siebzigern mal angefangen, da haben wir denke ich alle irgendwas von mitgenommen, seien es LED ZEPPELIN oder…

Tom W.:PINK FLOYD oder so, also diese atmosphärischen Sachen von den größeren Namen. Aber was moderne Bands angeht, da ist ja das Genre ganz schön am Wachsen, also, dass viele Bands dann wieder in so eine Richtung gehen, zurück zu den Wurzeln des Rock’n’Roll. Auf jeden Fall sehe ich ALL THEM WITCHES als Einfluss auf Sound und Arrangement unserer Songs.

Tom S.: Bei mir sind es RADIOHEAD und Thom Yorke, von denen ich mir ganz viel abgucke.

Tom W.: Ich bin großer HENDRIX-Fan, ich find seine Spielart ziemlich beeindruckend. Ich habe damals wegen seiner Musik angefangen mit Gitarrespielen.

Max: Bei mir sind es die DOORS. BLACK MEADOW noch ein bisschen.

Max: GRAVEYARD natürlich auch.

S: Besucht ihr selber auch Konzerte, und wenn ja, welche?

Tom W.: Nee, also, was andere machen, ist mir egal.

Tom S.: TRUCKFIGHTERS in Chemnitz war das letzte Konzert, auf dem ich war.

Max: QUEENS OF THE STONE AGE im Sommer wird auch super.

Tom W.: Also, wir gehen auch gerne zu Konzerten, um die Frage zu beantworten. Das ist natürlich immer wieder schön, um so einen besonderen Gitarrenmoment aufzusaugen.
Ich glaube, so ein Live-Gig bringt auch immer so viel Inspiration in das, was man selber auf der Bühne machen soll, will… Man guckt sich an, was andere Leute zocken, wie die ihren Sound und ihre Performance machen, das ist schon ein wichtiger Punkt, denke ich. Auch, sich einfach anzugucken, was andere Leute da machen.

Der Sonnengott

S: Was bedeutet eigentlich euer Bandname und wie kamt ihr darauf?

Tom W.: Wir haben ziemlich lange rumgetüftelt, Bandname ist doch immer so ein schwieriges Thema. Wir hatten den Song „The Sun“ schon recht früh, das war definitiv einer unserer ersten Songs. Und dieses Motiv Sonne hat sich mit der Zeit als Vibe abgezeichnet, der ganz gut wiederspiegelt, was wir machen.

Tom S.: Also, im Prinzip ist es so: Das ist eine „Magic“-Sammelkarte: Heliod, der Sonnengott.

Max: Ich hatte gerade die Lemmy-Biographie gelesen und darin war eine interessante Passage über Bandnamen: Dass ein Bandname drei Silben haben sollte, damit er einprägsam ist, nicht zu lang, nicht zu kurz. Und das passte.

Martin: Achso! Also ist da richtig Mathematik dahinter!

Tonstudio unter freiem Himmel

S: Auf eurer Facebookseite zeigt ihr ja nicht selten, wie ihr auch mal mitten im Wald aufnehmt. Wie kommt man auf solche Ideen? Ist die Akustik dort besser?

Tom S.: Da hatten wir echt Glück. Wir haben Mitte letzten Jahres den Plan gefasst, da unser erstes Album aufzunehmen. Nachdem wir die Demo-EP im Proberaum in Eigenregie aufgenommen haben, wollten wir das auch mal ein bisschen professioneller angehen und sind dann über Kontakte zu einem Kumpel in der Heimat gekommen, der dort mitten im Wald eine Holzhütte hat, in der er aufnimmt, selber probt, selber produziert. So haben wir uns dort für zehn Tage eingenistet. Haben also gezeltet und sind dann jeden Tag zur Hütte gefahren und haben Mucke gemacht. Und hatten dort echt den Luxus, im Sonnenschein im Wald zu sitzen und dabei die Gitarren fürs Album einzuspielen.

Ideen sprudeln lassen

S: Wie bereitet ihr euch eigentlich vor auf so einen Gig? Gibt es da bestimmte Rituale oder Ähnliches?

Tom S.: Ich hab jetzt wieder in diesem RAMMSTEIN-Buch gelesen, dass die vorher alle zusammen Tequila saufen. Aber so ein Ritual haben wir gar nicht.

Martin: Ein Proberitual einfach.

Max: Einfach das Set ein- oder zweimal proben die Woche davor.

Tom W.: Eigentlich ist das alles ziemlich entspannt. Da gibt es kein magisches Ritual. Alle versuchen einfach, in ihre Komfortzone zu kommen, sodass sie ganz entspannt sind.

Martin: Aber bei der Probe haben wir ein Ritual: Wir fangen immer mit einem Jam an. Ideen sprudeln lassen.

S: Ansagen auf der Bühne zwischen den Songs kommen bei euch relativ kurz. Wollt ihr damit ausdrücken, dass ihr lieber die Musik für euch sprechen lasst?

Tom S.: Ich glaube, damit wollen wir einfach nur ausdrücken, dass keiner von uns ein großes Konzept dahinter hat, was zu sagen. Also bevor das gestelzt kommt… Man ist eher in der Musik, anstatt sich einen Kopf darüber zu machen, was man jetzt sagt und wie man das sagt. Und dann wird halt spontan schnell was rausgemurmelt. Bei meinen Vorbildern, die ich mir auf der Bühne angucke, wird auch selten viel gesagt. Da ist man froh, wenn der Liedtitel mal angesagt wird.

S: Also haltet ihr nicht viel davon, wenn ewig jemand quatscht, anstatt zu spielen?

Tom S.: Es hängt nun mal auch ein bisschen damit zusammen, dass unsere Musik nicht so eine Spaß- und Geigel-Party-Mucke ist. Bei Helge Schneider ist das beispielsweise etwas anderes!
Wenn ich auf der Bühne Spaß habe, muss ich auch aufpassen, dass ich zwischen den Songs nicht anfange, ins Witzige abzudriften, weil unsere Songs von der Atmosphäre her ja nicht witzig sind. Und bevor man so viel überlegt „Mach ich’s jetzt witzig, mach ich’s jetzt ernst, was will ich sagen?“, sagt man lieber nix. Und ich finde das auch richtig so. Es muss einfach zusammenpassen.

S: Was sind eure Ziele für die Zukunft? Im August 2016 habt ihr eure erste EP herausgebracht, letzten Sommer gab es eine Neuveröffentlichung. Wann steht das erste Album an?

Tom S.: Das kommt ganz bald. Da sind wir jetzt endlich beim Schritt des Mixings. Angepeilt ist, dass es Anfang April wirklich losgeht, dass wir da den ersten Song raushauen. Und das ist jetzt der nächste große Schritt für uns – endlich das Album fertig haben, draußen haben. Gucken wollen wir auch vor allem, dass wir es hinbekommen, das als Vinyl verfügbar zu machen. Das wollen ja gerade viele Leute.

Tom W.: Das ist so ein kleiner Traum für eine Band, eine eigene Platte draußen zu haben, so ein schönes Stück Kunst in der Hand zu halten, was man selbst erarbeitet hat. Was alles überdauert.

Tom S.: Was man irgendwann den Enkeln zeigen kann.

Martin: Und dann damit auf Tour fahren!

S: Ich danke euch sehr für das nette Gespräch. Gibt es eurerseits noch abschließende Worte?

Tom W.: Kommt zu den Konzerten, erlebt HELIOD live.

Tom S.: Und vor allem: Seid gespannt auf den April!

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