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Wenn der Postbote zweimal klingelt …

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GERM – Escape (Ltd. 2CD Box)

Veröffentlichung: 29. April 2016

Label: Prophecy Productions

Dauer: 44:58 min

„Palimpalim!“ Der Onkel im Borussia Dortmund – Kostüm hat ein Päckchen abzugeben! … Was? Jetzt? Heute – schon einen Tag vor Releasedate der bestellten Platte? Geil! Her damit! Wollen wir uns doch gleich mal ans Unboxing machen, wie man jetzt auf Youtubisch sagen wüde. Genaueres dazu kann euch aber sicher der Herr Parabelritter erzählen, wenn er wieder mal ein Video darüber dreht, welche Beauty-Creme er vom Schlecker zugeschickt bekommen hat, und welche davon seiner Batzlawwe am besten bekommt. ;P

Zurück zum Inhalt des Pakets: In den Händen halte ich nun ein mattschwarzes Gehäuse mit einem dunkelblauen Schriftzug drauf, welches behauptet, die neue GERM – Escape Limited 2CD-Box zu sein. Jippi! Erster Eindruck: Finster! Schick! In der Box befindet sich das Digipack „Escape“, eine extra verpackte CD mit zwei exklusiven Tracks, eine Autogrammkarte, unterzeichnet von Tim Yatras, ein Poster (welches nicht wirklich als Poster durchgeht – es ist ziemlich klein) und ein GERM-Aufkleber. Da ich das Maxi-Menü bestellt habe, gibt’s für mich noch ein Escape-Shirt mit Front- und Backprint dazu. Insgesamt für knappe 30 Taler. Ein unschlagbarer Preis!

Klingt nach Germ! Drückt Germ aus! Ist Germ! Allerdings finsterer, als bisher bekannt.

Anlage an – Platte rein, Klappe zu, los! Das Intro mit dem Titel „I“ erklingt und baut sich bedrohlich auf, woran direkt der Titeltrack der Platte anschließt. Recht schleppend, aber geil! Dieser Song reißt mich quasi aus meiner bunten Gummibärchen-Welt direkt in die Tiefe. Puh! Bin beeindruckt! Im Anschluss scheppert mir „I’ll Give Myself to the Wind“ gegen die Horchlappen. Diesen Track gabs schon vor Release über Prophecy zu hören. Ohne lange zu fackeln, steht man gleich zu Beginn mitten im Song, der gut nach vorn geht. Für mich ganz klar das Highlight und das Brett der Platte. „Reicht erstmal wieder mit treibenden Songs!“, höre ich die Platte sagen, denn weiter geht’s etwas ruhiger, mit „Under Crimson Skies“. Echt geiler Shit! Geile Klargesangspassagen, atmosphärische Melodien. Bis jetzt: Richtig starke Scheibe! Klingt nach GERM! Drückt GERM aus! Ist GERM! Allerdings finsterer, als bisher bekannt.

 

Die zweite Hälfte des Silberlings ist irgendwie anders – fortgesetzt mit einem kurzen Klavierzwischenstück, gefolgt von „The Old Dead Tree“. Aus irgendeinem Grund packt mich der Song gar nicht, er ist wenig abwechslungsreich und wirkt ziemlich in die Länge gezogen. „With the Death of a Blossoming Flower“ könnte auch „With the Death of a Blastbeating Flower“ heißen – man hört schnelle Blastbeats und zügige Parts zum ebenfalls zügig Mitnicken. Ich bin verwirrt. Meine Meinung: Passt nicht zu GERM, passt nicht zum Rest der Platte. Ich fühle mich nach diesem Song völlig hinausgeworfen. Was nicht mal heißen soll, dass mir der Song grundsätzlich nicht gefällt. Wirkt nur nicht stimmig. Aber wir kennen den Herrn Yatras ja als experimentierfreudigen Zeitgenossen – warum also nicht auch mal so etwas probieren. Mein Fall ist es leider nicht.

Ich bin verwirrt. Meine Meinung: Passt nicht zu Germ, passt nicht zum Rest der Platte.

Das Ende naht mit „Closer“, dem letzten Track. Erneut ein sehr schleppendes und träges Lied. Allerdings mit viel Gefühl, als würde mich dieser Song wieder dorthin abholen, wo mich der vorherige herausgekantet hat. Ich rolle gedanklich in die Versenkung, ähnlich wie beim Titeltrack. Wahnsinn! Schöner Abschluss einer GERM-Platte.

Kosmische, weiträumig klingende Synthie- und Gitarren-Sounds erwarten uns auf der Zusatz-CD. Hier gibt’s zwei weitere exklusive Stücke mitgeschickt. Allerdings ist das alles sehr kurz und knapp und wirkt lieblos – wie angehängt. Also: Schön, dass sie dabei sind, aber für mich nicht wirklich der Rede wert.

Insgesamt ist dieses Werk das bisher trägste und depressivste dieses Solo-Projektes. Der Sound von GERM hat, auch auf dieser Platte, hohen Wiedererkennungswert. Man würde sie auch neben 1000 anderen Platten GERM zuordnen. Sehr gut! Die erste Hälfte ist der Hammer, die zweite Hälfte so lala. Die Bonus-CD hätte man auch weglassen können. GERM-Fans, wie ich, und die, die es werden wollen, finden sicher Gefallen dran, mich persönlich hat die „Wish“ und die „Grief“ aber deutlich mehr umgehauen.

Facebook: Germ Official

Autorenbewertung

7
ø 3 / 5 bei 3 Benutzerbewertungen
7 / 10 Punkten

Vorteile

+ klingt authentisch nach Germ, wie man es erwartet hat
+ bisher finsterste Platte
+ erste Hälfte der CD ist sehr abwechslungsreich und reißt mit

Nachteile

- Bonus-CD wirkt lieblos und überflüssig
- zweite Hälfte der Platte ist vergleichsweise eher schwach

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