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Pocho Aztlan – Eine versprochene Müllkippe

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BRUJERIA – Pocho Aztlan
Veröffentlichungsdatum: 16.09.2016
Dauer: 46:10
Label: Nuclear Blast
Stil: Death Metal

 

Die 1989 gegründete Death Metal-Verbindung aus Amerika und Mexiko hat wieder zugeschlagen. 16 lange Jahre gingen ins Land, bis endlich ein neues Werk vollendet wurde, aber wer hat BRUJERIA in der Zeit vermisst? Ich jedenfalls nicht, aber ich gebe gerne dem Album seine Chance, sich meinem schrägen Geschmack zu stellen. Doch aller Anfang ist schwer, wenn bereits der Opener „Pocho Aztlan“ 4 Minuten lang nicht aus den Startlöchern kommt, sondern kraftlos vor sich hin mäandert. Außer nervigen Zwischenrufen, dem unauffälligen Intro und einem Vorgeschmack an künstlichem Getrommle, gibt mir der Song gar nichts. Den hätten sie sich sparen können. Wenigstens sind die Gitarren brummig und werden später für einige angenehme Überraschungen sorgen.

brujeria

Keine Imitationen erlaubt

So ungefähr lässt sich der zweite Titel übersetzen und endlich nimmt „Pocho Aztlan“ Fahrt auf. Endlich prischt das Schlagzeug voran, endlich klingt das ganze nach BRUJERIA. Nur die bescheuerten, eingestreuten Sprachsamples sind noch geblieben und bleiben hartnäckig bestehen. Egal ob im rasenden, Core-beeinflussten, oder Midtempo, das Rezept für einen BRUJERIA-Song hat sich seit den letzten 2 Alben nicht geändert. Ich rechne es aber der Band hoch an, die Lyrics in Spanisch zu schreiben. Das gibt BRUJERIA ein Stück weit Identität und Wiedererkennungswert, den sie dringend benötigen. Wenn man genau zuhört, entdeckt ihr auch im Gesang Gemeinsamkeiten mit VADER. Zugegeben, das schaffen nicht viele, auch wenn das leider nicht ausreicht, ein gutes Album zu kreieren. Da können die Gesänge noch so viel Pathos verbreiten.

Pocho Aztlan – Armut und Reichtum zugleich

Dennoch legt das Nonett Wert auf politische Botschaften. Themen wie Drogenmissbrauch, Korruption und Armut werden schonungslos an den Pranger gestellt. Bei „Plata O Plomo“ wird Pablo Escobar kritisiert, „Isla De La Fantasia“ zeigt, was passieren kann, wenn ein Drogenschmuggel schief geht. In „Isla De La Fantasia“ laufen BRUJERIA übrigens zur Höchstform auf. Harsche Blastbeats treffen auf mörderische Hüftwackeleinlagen. Spätestens bei dem Sample zeigt die Supergroup (unter anderem mit NAPALM DEATH-Bassist Shane Embury), was sie drauf hat. „Bruja“ kann mit seinen minimalistischen Gitarrenmelodien punkten und erinnert mit seinem rockigen Drumming an RATOS DE PORÂO. Es werden die Hardcore-Roots sichtbar.

Schade, dass „Pocho Aztlan“ trotz reicher Auswahl (13 Songs!) so wenig Hitpotential bietet. Gerade bei „Debilador“ zaubern BRUJERIA eine ungewohnte Nähe zu EYEHATEGOD mit ihren Sludge-artigen Gitarren und treibenden Rhythmen aus dem Hut hervor. Nur 4 Stücke bleiben in meinem Ohr hängen. Der Rest geht von einem Ohr zum anderen raus. Halt! Da war doch noch was! Nichts braucht die Welt weniger, als die drölfzigste Version eines DEAD KENNEDYS-Cover. Der Text wurde sogar auf spanisch umgeschrieben. Irgendwie aber traurig, wenn ein Cover mehr im Gedächtnis bleibt, als eigene Songs.

 

 

 

Bild mit freundlicher Genehmigung von Brujeria

Autorenbewertung

5
Auch dieses mal gibt es für die Liebhaber des ersten Albums kein Happy End. Zu oft gibt es gewöhnliche Songstrukturen, die lediglich in den kurzen Songs minimale Experimente wagen. Nächstes Mal weniger Material aufnehmen, dann lassen sich auch Füller vermeiden!
ø 0 / 5 bei 0 Benutzerbewertungen
5 / 10 Punkten

Vorteile

+ wichtige Themen wie Armut und Korruption werden besungen
+ Gitarren klingen vollmundig

Nachteile

- steriles Schlagzeug
- nur 4 Songs sind einprägsam
- 13 Stücke sind zuviel

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