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Über Death Metal, Prog und Klopapier – Interview mit Black Crown Initiate

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Bereits auf dem Euroblast im Oktober hatte ich die Chance, BLACK CROWN INITIATE zu interviewen. Eine Band, die mich seit ihrer ersten EP „Song of the Crippled Bull“ ziemlich fasziniert und die nicht nur für mich zu einem der aufstrebendsten und bedeutendsten Namen im modernen, progressiven Death Metal-Sektor zählen. 
Sowohl Drummer Jesse Beahler als auch Gitarrist Andy Thomas, der nebenbei auch für den Klargesang zuständig ist, nahmen sich Zeit für mich und meine Fragen. 

 

Robert.: Jungs, es ist wirklich schön, euch zu sehen und das sage ich nicht nur so als Floskel. Ich weiß, dass ihr vor Kurzem in St. Louis ausgeraubt wurdet und es nicht feststand, ob ihr es nach Europa schafft. Umso schöner ist es, dass ihr hier seid.

Andy: Ja, Mann. Wir haben angehalten um nach ner 30-Stunden-Autofahrt was zu essen und dann haben sie uns den abgeschlossenen Tourvan aufgebrochen und all unseren Kram gestohlen. Geld, Pässe, alles. Aber glücklicherweise haben uns unsere Fans und die Jungs von NE OBLIVISCARIS ausgeholfen und so konnten wir das Geld [via Indiegogo] schnell zurücksammeln. Das war herzergreifend und überwältigend für uns.

Jesse: Unsere Pässe haben wir gerade rechtzeitig noch neu bekommen, damit wir nach Europa reisen konnten. Um ein Haar hätten wir’s nicht geschafft.

Andy: Offenbar gibt’s da nen ganzen Ring von Leuten, die sowas abziehen und tourende Bands bestehlen. Von Texas bis St. Louis. Ein paar von denen haben sie wohl auch gefasst. Aber offensichtlich nicht alle. Das ist echt scheiße. Denn es ist, als würde man von sehr, sehr armen Leuten stehlen.

Jesse: Aber, scheiß drauf! Wir sind total glücklich, hier sein zu dürfen, das ist die Hauptsache!

Robert: Wie läuft die Tour soweit?

Andy: Es ist großartig. Tolle Bands, tolle Jungs, tolle Konzerte. Soweit läuft so ziemlich alles sehr gut. Und es fühlt sich an, als würde es heute nochmal was ganz Besonderes werden.

Jesse: Es ist uns eine Ehre, hier sein zu können. Und natürlich ist es für eine Band wie uns eine wunderbare Möglichkeit.

Andy: Wir haben gemerkt, dass es die Leute wirklich interessiert, was wir machen. Es kümmert sie. Von den Staaten aus ist es nicht selbstverständlich, Fans auf einem anderen Kontinent zu haben, aber es gibt sie. Es ist eine bescheidene Fanbasis, aber sie existiert und das macht uns sehr stolz!

 

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Robert: Gibt es Dinge, die hier in Europa für euch grundlegend anders sind, als in den Staaten? Habt ihr Situationen erlebt, die ihr so zu Hause nie erlebt hättet?

Andy: Duschen!
Jesse: Ja, es wimmelt hier vor Duschen, Mann! Das Catering ist besser!
Andy: Der Bus ist super und es gibt Klopapier in den Veranstaltungsorten.
Jesse: Echt jetzt? Ich würd‘ sagen, dass es in den Staaten fast mehr Klopapier gibt.
Andy: Auf keinen Fall! Hast du ne Ahnung, wie oft ich versucht hab, aufs Klo zu gehen und es bei uns kein Papier gab?! Du bist’n süßer, glatter Typ, aber für nen haarigen Kerl wie mich …

Jesse: Okay, okay. Was ist sonst noch anders? Eine weitere Sache sind die Einkaufsmöglichkeiten. Die Dichte an Musikgeschäften ist nicht so hoch, das heißt wenn wir mal neue Sticks oder Schlagzeugfelle brauchen, ist das mit ein wenig mehr Aufwand verbunden.

Andy: Vermutlich ist es nicht so schwer, wenn man von hier ist, aber für uns, die nur Englisch sprechen, ist es nicht so leicht. Wobei das Englisch hier in Deutschland hervorragend ist. So ziemlich jeder kann Englisch. Das sieht in Frankreich schon anders aus. Und das ist auch okay, wir sind ja praktisch dort zu Besuch, aber natürlich freuen wir uns, wenn wir uns verständigen können.

Robert: Euer Album „Selves we cannot forgive“ kam dieses Jahr im Juli raus. Was für Rückmeldungen habt ihr bekommen? Von den Medien, der Presse und natürlich den Fans?

Jesse: Es wurde sehr gut aufgenommen und wir haben extrem viel Spaß dabei, die Songs zu spielen. Es wirkt, als würde es allen gefallen.
Andy: Für jede unserer Veröffentlichungen gibt es neue Herausforderungen für uns, aber wir sind sehr stolz darauf. Der Großteil der Rezensionen war positiv, aber ich würde auch nicht wollen, dass allen Leuten mein Album gefällt. Du kannst nie alle überzeugen.
Jesse: Ja, es ist nie bei 100%.
Andy: Es kommen viele Leute zu mir, die mir sagen, dass sie das Album lieben und dass es die beste Veröffentlichung seit unserer EP sei.

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Robert: Wie seid ihr dazu gekommen, mit Wes (Hauch, Ex-THE FACELESS) zu arbeiten?

Andy: Wir kannten ihn alle, wir wussten, wer er war und was für ein großartiger Musiker er ist. Unser alter Gitarrist Rik [Stelzpflug, Gitarrist von 2013 bis 2016] ist vor einer Weile bei uns ausgestiegen, da er die Zeit zum Touren nicht mehr aufbringen konnte. Und Wes meldete sich zu der Zeit bei uns und meinte, er wolle bei uns spielen, falls wir jemals einen Gitarristen bräuchten.
Jesse: Tja, und zufälligerweise war das genau zu der Zeit der Fall.
Andy: Wie hätten wir da Nein sagen können?
Jesse: Alles passierte genau zum richtigen Zeitpunkt. Das ist unsere dritte Tour mit ihm und er ist großartig.
Andy: Ein wirklich, wirklich witziger Typ.
Jesse: Er versteht sich mit allen super.

Robert: Auf der Bühne oder auch abseits davon? Ich denke, es kann hart sein, jemand Neues in der Band zu haben und sich dann vor allem im Livekontext blind zu verstehen.

Andy: Beides funktioniert super. Wes ist einer der besten Livegitarristen, die ich kenne. Zumindest für mich ist es so, dass sich live alles anders anfühlt, als wenn ich zu Hause sitze. Denn auf der Bühne schießen dir alle möglichen Hormone und so körpereigenes chemisches Zeug durch die Blutbahn.

Jesse: Außerdem kann viel mehr schiefgehen.

Andy: Exakt! Aber Wes meistert das alles perfekt. Ich glaube auch, dass er bei uns nicht ganz so sehr gefordert ist wie bei THE FACELESS, denn unser Zeug ist vermutlich etwas einfacher, sodass der physische Aspekt mehr in den Vordergrund rückt und nicht so sehr die Konzentration darauf, was man spielt.

Robert: Auf all euren Platten ist mir dieser krasse Gesang aufgefallen, der mich total an Travis Ryan von CATTLE DECAPITATION erinnert hat. Bei „Transmit To Disconnect“ dachte ich auch, dass er es tatsächlich ist. Wie kamt ihr dazu und wie bekommt ihr das hin?

Andy: Ich weiß, was du meinst. Das erste Mal haben wir das bei „The Mountain Top“ [Dritter Song der ersten EP] eingesetzt. James [Dorton, Sänger] hat das bei den Aufnahmen zu dem Part einfach gemacht. Keiner von uns wusste, dass er sowas kann und wir waren alle total überwältigt davon. Witzigerweise hab ich für „Transmit To Disconnect“ tatsächlich bei Travis angefragt, da diese Stelle wie für ihn geschaffen ist, aber leider war er beschäftigt, also haben James und ich das übernommen.

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Robert: Wenn man auf ein Festival wie das Euroblast blickt, das sich ja hauptsächlich auf progressive Bands konzentriert: wie nehmt ihr die Entwicklung in dieser Szene wahr und verfolgt ihr sowas bewusst? Bands in dieser Richtung versuchen meines Empfindens nach, immer etwas Neues in den Sound einzuweben. Wie ist eure Herangehensweise diesbezüglich?

Andy: Ich gehe aus einer sehr emotionalen Richtung an Musik heran. Ich denke nicht sehr viel darüber nach, ob ich jetzt etwas anders oder neu oder progressiv mache. Es ist ein sehr privater und isolierter Prozess. Zumindest bei mir. Und obwohl ich andere Bands mag, kümmere ich mich bei meiner Musik nicht zu sehr darum, was sie machen.

Jesse: Es ist cool, Freunde in diesen Bands zu haben, denn man kann sich austauschen und oftmals auch Inspiration sammeln.

Andy: Was wir aber definitiv von solchen anderen Bands gelernt haben, ist der administrative Aspekt des Musikgeschäfts. Besonders von NE OBLIVISCARIS. Diese Jungs wissen einfach was sie tun und sie lassen nicht zu, dass sie irgendjemand um Kohle betrügt, oder sich ihrer Musik bemächtigt, um sie auszubeuten.

Robert: Ich suche immer nach neuen Bands und guter Musik, die nichts mit Metal zu tun haben. Gibt’s denn was, was euch im letzten Jahr überrascht und begeistert hat? Etwas, das ihr empfehlen könntet? Oder habt ihr eigentlich gar keine Zeit mehr dafür, euch bewusst Musik anzuhören?

Andy: Wir werden zwar als Metal-Band wahrgenommen, aber eigentlich ist das Musik, die uns gar nicht so sehr und nicht ausschließlich interessiert. Ich glaube, ich habe seit Monaten nicht bewusst Musik gehört. Aber wenn ich was höre, dann ist es am ehesten SIGUR ROS.

Jesse: Es erscheinen gerade unglaublich viele gute Alben. Ich glaub, die neue ULCERATE kommt bald.

Andy: Ja, MESHUGGAH, OPETH, NEUROSIS… Ich hab bislang nichts davon gehört. Klar interessiert es mich, und ich werde mir auch irgendwann die Zeit nehmen, um reinzuhören. Aber da mein Leben so sehr von meiner eigenen Musik bestimmt ist, fällt es mir zunehmend schwerer, mich auf die von anderen zu konzentrieren. Ob das wirklich gesund ist, weiß ich nicht. Aber es ist gerade meine Realität.

Jesse: Ich versuche mich immer von anderer Musik einnehmen zu lassen. Das meiste davon ist überhaupt kein Metal. Ich höre zum Beispiel viel Rap und elektronisches Zeug. Musik ist schon essentiell um Inspiration zu bekommen, welche Richtung ist erstmal egal. Aber einen konkreten Namen könnte ich dir jetzt nicht sagen.

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Robert: Wenn ich an Bands wie euch oder FALLUJAH denke, dann erfreue ich mich immer daran, dass die emotionale Bandbreite, die in der Musik behandelt wird, immer weiter wird.

Andy: Weißt du, ich sehe da einen sehr wichtigen, auch gesellschaftlichen Fortschritt. Denn klassischerweise war Heavy Metal ja immer eine sehr maskuline Ausdrucksform. Das gesellschaftlich geprägte Bild von Männlichkeit hat da natürlich sehr viel mit Aggression und Wut zu tun. Und das ist angeblich alles, was man als Typ den ganzen Tag so fühlt, aber das ist natürlich nicht wahr. Deshalb bin ich auch froh, dass sich dieser Faktor beständig ändert, denn das ist auch was, was wir unbedingt machen wollen.

Robert: Denkt ihr, dass es in der Musik einen Platz für Politik gibt, oder sollte es ihn geben? In Deutschland ist das aus historischen Gründen natürlich nochmal eine Sache für sich. Es gibt Leute, die davon ausgehen, dass man mit einer bestimmten Richtung sympathisiert, sobald man sich nicht klar gegen sie ausspricht und sich eher indifferent verhält.

Andy: Daran glaube ich ehrlich gesagt nicht. Es kommt immer darauf an, wer du bist. Ich kann da nur für mich sprechen. Einige meiner größten Helden haben politische Botschaften. RAGE AGAINS THE MACHINE, SYSTEM OF A DOWN, BOB DYLAN. Politik hat also definitiv einen Platz in deren Musik, hat sie einen Platz in meiner Musik? Nein, denn ich beschäftige mich nicht damit und es interessiert mich auch nicht. 

Robert: Zum Schluss noch eine Sache. Auch wenn ich fürchte, dass du das ständig gefragt wirst. Andy, wie lange lässt du deinen Bart schon wachsen?

Andy: (lacht) Nein, das ist schon okay, Mann. Ich verrat’s dir, aber du musst zuerst raten!

Robert: (denkt nach…)

Andy: Falsch! Fünf Jahre! (Jesse und er lachen)

Robert: Sehr gut, dann wäre das jetzt auch geklärt. Jungs, ich danke euch sehr für eure Zeit und dieses Interview! Ich wünsche euch einen grandiosen Auftritt nachher!

Jesse: Danke dir!

Andy: Danke! Wir müssen uns auch langsam warm spielen. Mach’s gut, wir sehen uns! 

 

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