Home»Lifestyle»Interviews»Von Swinger-Clubs, siegreichen Jodel-Wettkämpfen und der Schneekönigin

Von Swinger-Clubs, siegreichen Jodel-Wettkämpfen und der Schneekönigin

1
Shares
Pinterest Google+

Es gibt da eine Band, die nur aus zwei Leuten besteht – eine Band, die in dem, was sie macht, einzigartig ist. Und nein, ich meine nicht die WILDECKER HERZBUBEN (obwohl die auch ziemlich einzigartig sind). Gut, ok, wenn man die liebreizende Rottweilerhündin Mascha als Band-Hund mitrechnet, umfasst die Kapelle sogar drei Mitglieder.

Ich kenne das musikalische Zweiergespann nun schon eine ganze Weile und konnte daher die Entwicklung ihrer Musik gut verfolgen. Und mittlerweile sind sie für mich auf einem Level angekommen, das ich mal wie folgt beschreiben möchte: Wenn das Intro erklingt, dann die Gitarre einsetzt und beide anfangen zu singen, bekomme ich massiv Gänsehaut, bin aufgeregt, hab Bauchgrummeln und muss deshalb stuhlen. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an die beiden für das Aufrechterhalten meines Stoffwechsels.

Die beiden Harzer Stadtmusikanten ziehen quer durch die Lande.

Sie bezeichnen ihre Musik als heidnische Liedkunst aus dem Harz, und es fällt schwer, ihre Werke in ein bestimmtes Genre einzuordnen. Die beiden Harzer Stadtmusikanten ziehen quer durch die Lande und haben auch vor dem diesjährigen Dark Troll Festival nicht haltgemacht. Dort habe ich sie mir nach ihrem Gig gekrallt, um ihnen ein paar Fragen zu stellen. Hier ist das Interview mit WALDTRAENE:

Flo: Hi, ihr Lieben! Schön, dass ihr euch die Zeit genommen habt. Ihr habt jetzt euren Dark Troll-Auftritt hinter euch. Wie hat euch denn der Auftritt gefallen?

Horda: Ich fange da mal an. Also im letzten Jahr war es schon richtig schick, aber dieses Jahr war gefühlt nochmal die doppelte Menge an Leuten da. Und es war einfach nur schick. Die Leute haben mitgesungen, sie haben mitgemacht – sie waren völlig heiß aufs Festival.
Knoepfchen: Und man selbst hat sich immens wohlgefühlt – ich glaube, die letzten Auftritte waren nicht so sauber, wie der jetzt hier.
Horda: Das war schon so das sauberste Ding, das wir dieses Jahr bisher gespielt haben, und der Funke ist einfach übergesprungen. Hat echt Spaß gemacht!

Flo: Ist es denn jetzt euer Ziel, auch zukünftig verstärkt auf Metal-Festivals aufzuspielen?

Knoepfchen: Ja klar, also bisher steht zum Beispiel das Barther Metal Open Air noch auf dem Programm, das eröffnen wir auch. Dann haben wir in Sondershausen auch nochmal so ’ne kleine Sache. Da schließt sich ’nem Metal-Festival so ein kleiner Mittelaltermarkt an. Dann das WGT im heidnischen Dorf, und so solls auch weitergehen.

Waldtraene-Darkvelvet

 

Flo: Jetzt habt ihr ja auch ein bisschen was von eurem neuen Material gespielt. Könnt ihr denn schon einen Ausblick aufs neue, mittlerweile vierte Album geben?

Horda: Haha! Also, es ist so: Das letzte Album „Es wussten einst die Alten“ ist der Beginn einer Konzeptreihe, die unbestimmten Ausmaßes ist. Wir wissen selber noch nicht genau, wo es uns hinführt. Das Album, das jetzt kommt, ist der zweite Teil dieser Reihe. Es wird heißen: „Es wussten die…“, ähm.
Flo: „Es wussten irgendwann mal früher…“
Horda: „Irgendjemand wusste mal irgendwann irgendwas.“ (lacht) Nein: „Es wussten einst die Alten II – Unter Wolfes Banner“ und es wird thematisch wieder sehr interessant werden, es wird kriegerischer werden. Wir haben wieder eine bestimmte Person, die durchs Album führen wird, wie im ersten Teil. Aber eben alles schick verpackt.
Knoepfchen: Genau, thematisch hast du weiterhin mythologische Sachen drin, du hast geschichtliche Hintergründe drin, Sagen – also wie gehabt. So diese gesunde Mischung.

Flo: Wir haben das Wort ja logischerweise schon oft genannt, denn so heißt ihr ja auch, aber wo kommt denn der Name „WALDTRAENE“ eigentlich her? Ich kanns mir auf Anhieb nicht erklären.

Horda: Kann ich mir vorstellen. (lacht)
Flo: Ja, bei mir reichts doch nicht weit. Jetzt reiten wir wieder darauf rum, ja? Immer rein in das kleine Herz. (lacht)
Knoepfchen: Ja, es war halt die Frage: Nennst du dich halt gleich so, dass jeder weiß, was du machst? – Muss nicht unbedingt sein. Und dann haben wir halt geschaut, wir sind ja nun auch recht naturverbundene Menschen und gerade bei uns zu Hause enorm viel im Wald unterwegs. Und was uns beeindruckt: Du findest halt auch im Harz, obwohl der schon so oft gerodet worden ist, den einen oder anderen Baum, der nicht nur reich an Jahren und Ringen ist, sondern eben schon so viel gesehen hat.
Horda: Wir haben zum Beispiel bei uns die Sachseneiche, und die ist über 1000 Jahre alt.
Knoepfchen: Genau. Und wenn du dich da mal an die Wurzeln setzt und gönnst dir einfach mal den Moment. Und dann, das war halt bei uns so dieses Erlebnis, tropft dir einfach etwas Baumharz auf die Schulter. Dieses uralte Wissen… Ich meine, wir schmökern jetzt nicht die Edda, um ein neues Lied zu schreiben, sondern es passiert einfach. Es ist teilweise wie ’ne Eingebung. Da ist ein Stück unheimlich altes Wissen, was irgendwie weitergegeben wird, eben durch die Natur. Dieses Baumharz ist einfach ein Sinnbild für dieses alte Wissen. Daher WALDTRAENE – die Träne des Waldes, die Träne des Baumes.

Waldtraene-Darkvelvet

 

Flo: Ah, krass. Und so, wie sich das jetzt anhört, ist das sicherlich auch eure Inspirationsquelle Nummer 1. Und das Ganze hört man einfach auch in der Musik, finde ich. Jetzt mal für diejenigen, die das nicht wissen: Knoepfchen und Horda…die sind eigentlich auch ein Pärchen. Wie habt ihr euch denn kennengelernt?

Horda: Swinger-Club! (lacht)
Flo: Natürlich! Was sonst!? Hätte denn jemand etwas anderes erwartet? – Nein! (lacht)
Knoepfchen: Nein, Quatsch. Wir haben beide ’nen sozialen Beruf erlernt, waren an der gleichen Schule, haben uns gesehen, und da wars dann erstmal so: „Sieht interessant aus. Nett.“
Horda: Also sie meint jetzt nicht gut, aber…halt interessant. (lacht)
Knoepfchen: Endlich mal ein interessantes Individuum. Und dann hatte meine Klasse damals ein Theaterstück – „Die Schneekönigin“ – und ich hatte die Hauptrolle, ich war die ganz Böse. (lacht) Und dann hab ich auch gesungen.
Horda: Und wir mussten uns die Scheiße angucken. Das war auch gar nicht mal so gut. (lacht)
Flo: Ah, ok, aber wahrscheinlich interessant. (lacht)
Knoepfchen: Und er hat sich mir dann mehr oder weniger aufgezwungen, war dann immer da, wo ich auch war. Und dann wurde aus interessant recht schnell…ja, Mensch…ne? (lacht) Ja, und dann ist das recht schnell auch zur Musik gekommen. Er hat ja damals durch seinen Vater, zum Teil auch gequält – heute ist er ganz froh drum, ne klassische Gitarrenausbildung absolviert. Bei mir wars schon immer das Singen. Also schon als kleiner Knopf auf der Schaukel. Und dann war ich sogar mit 13 Jahren…das ist, glaube ich, das erste Mal, dass ich das in ’nem Interview erwähne…ich machs jetzt einfach (lacht): Da war ich sogar mit 13 Jodelmeisterin in meiner Altersklasse! Mit Opa, der stand da mitm Akkordeon daneben, und ich habe gejodelt, was das Zeug hält.
Flo: Da will ich jetzt aber was hören zum Schluss! (lacht)
Horda: Ich habs gewusst. Das hättest du nicht erzählen sollen. (lacht)

 

Flo: Ok, ihr habt das letzte Wort. Was wollt ihr den Leuten da draußen noch erzählen oder mit auf den Weg geben?

Horda: Was ich den Leuten mit auf den Weg geben will, ist eigentlich nur, dass sie jeder Band, die in irgendeiner Art und Weise etwas Anderes, etwas Ungewohntes macht, ’ne Chance geben sollen. Einfach mal reinhören, sich damit beschäftigen. Nicht von vornherein sagen: „Knallt nicht, ist Kacke!“, sondern einfach mal…sich besinnen vielleicht. Nicht jetzt nur auf uns bezogen, sondern im Allgemeinen.
Knoepfchen: Ja, denn es sind trotzdem alles Künstler, die sich da hinstellen und etwas geschaffen haben. Also uns machts unheimlich viel Spaß – wir lieben ja Herausforderungen. Aber uns hat das unheimlich viel Kraft gekostet, ganz lange Zeit. Und wenn da jetzt ’ne Band ist, die ich gar nicht mag, zolle ich den Leuten ja trotzdem Respekt. Da steht jemand auf der Bühne und hat etwas Eigenes geschaffen, also schaue ich mir das mal an.
Horda: Es war für uns ein langer Kampf, dahin zu kommen, wo wir eigentlich hinwollten. Theoretisch bespielen wir ja mittlerweile alles mögliche – Mittelaltermärkte, Gothic-Veranstaltungen, Neofolk-Veranstaltungen und mittlerweile jetzt auch Metal-Veranstaltungen. Wir kommen aus dem Metal, wir fühlen uns hier wohl, wir wollen hier bleiben, wir sind hier gut angenommen worden, sehr gut sogar.
Knoepfchen: Und wenn wir dann noch ein Stück von uns dalassen können in musikalischer Art und Weise, dann ist es für uns umso schöner.

Flo: Ja, dann bedanke ich mich für das amüsante Interview mit euch beiden!

Webseite: Waldtraene-Official

Facebook: Waldtraene-FB

Bild mit freundlicher Genehmigung von Darkvelvet.org

Du liest diesen Beitrag, weil unsere Autoren lieben was Sie tun - wenn du Ihre Arbeit liebst kannst du uns, wie andere schon, unterstützen. Wie? mit einem kleinen monatlichen Beitrag über silence-magazin@patreon Patreon
Vorheriger Beitrag

Was der Großvater noch wusste: SpitAnger

Nächster Beitrag

Mörder-Metalcore - Cursed By The Fallen

4 Kommentare

  1. Waldtraene
    9. Juni 2016 bei 18:14 — Antworten

    Ab in den Swinger-Club ihr Beiden 😀

  2. Karola Mertzdorff
    8. Juni 2016 bei 9:16 — Antworten

    Das Interview ist so toll von dir in Szene gesetzt, dass ich dich jetzt gerade knuddeln könnte. Es macht nicht nur Spaß dir zu zuhören, es macht viel Spaß dich zu lesen. Abgesehen von der wunderbaren Band, die du hier vorstellst, ist deine Schreibweise einfach erfrischend und ich wünsche mir, du hörst nie auf. Ein grosses Danke schön an Florian und selbstverständlich auch an Waldtraene, die auch nie aufhören sollten. Upps, da kommt mir doch ein Tränchen in die Augen.

    • Flo
      8. Juni 2016 bei 9:26 — Antworten

      Liebe Karola, tausend Dank für die netten Worte! Das freut mich sehr! Und geknuddelt wird beim nächsten Wiedersehen. 😉

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.