Home»Lifestyle»Interviews»Das Geschäft mit der Fälschung – Bootleg oder Original

Das Geschäft mit der Fälschung – Bootleg oder Original

0
Shares
Pinterest Google+

Wahrscheinlich jeder von uns hat irgendetwas nicht mal ganz so Originales im Haushalt. Sei es ein fesches Lacoste-Hemd aus dem letzten Türkei-Urlaub oder das neueste James Bond-Parfüm aus dem geliebten Tschechien. Doch auch in deinen Plattenschrank kann sich die ein oder andere Fälschung verirrt haben. Solange es Platten gibt, verwenden auch die sogenannten Bootlegger die Technik des Pressens zu ihren Gunsten.
Mittlerweile ist daraus eine riesengroße Industrie geworden, die auch ihre Anhänger gefunden hat. Anders als bei einer billig gefälschten Rolex-Uhr sind Plattenfälschungen nur schwer zu erkennen. Nur selten hört man Unterschiede beim Sound und die Cover sind ohnehin identisch. Doch auch Live-Mitschnitte werden von Bootleggern oft in Kohle verwandelt. So auch im Jahr 2009 bei Ratte geschehen. Nachdem er eine CD, die ihm nicht gefiel, bei eBay versteigerte, kam es zum großen Knall und er bekam böse Post. Von wem und worum es ging, lest ihr gleich.

Das Corpus Delicti:

front

Hey Ratte, du hast ja auch deine ganz eigene Erfahrung zum Thema gefälschte Platten gemacht. Erzähl mal mit wem und um welche Platte es sich handelte.

In meinem Fall handelte es sich um einen IRON MAIDEN-Bootleg aus der LIVE USA-Serie mit einem Mitschnitt der ’82er-Tour. Ich hab das Teil für 1 Euro bei eBay ersteigert, da die CDs, welche ich aus dieser Serie besitze (u.a. von METALLICA, AC/DC, OZZY) alle einen guten Sound haben. Bei der MAIDEN-CD war das jedoch nicht der Fall, sodass ich das Ding wieder für ein Startgebot von 1 Euro bei eBay reingesetzt habe.

Wer trat an dich heran und wie hast du dich dann verhalten?

Kurz darauf bekam ich eine E-Mail von eBay, in welcher mir mitgeteilt wurde, dass es sich bei der angebotenen CD um einen illegalen Mitschnitt handelt und mein Angebot deshalb gestrichen wurde. Damit war der Fall für mich erstmal erledigt. Einige Tage später bekam ich jedoch Post von der Rechtsabteilung der Iron Maiden Holdings Ltd. In diesem Schreiben beschuldigte mich das MAIDEN-Management, mit I.M.-Bootlegs zu handeln und forderte mich auf, meine „kriminellen Handlungen“ zu unterlassen und sämtliche sich in meinem Besitz befindlichen Exemplare auszuhändigen. Zudem wurde ich dazu aufgefordert, ein Verwarngeld von ca. 500 Euro zu zahlen. Mir war zwar klar, dass es sich nicht um eine offizielle Veröffentlichung handelt, da die LIVE USA-CDs jedoch Anfang der 90er in jedem Kaufhaus regulär erhältlich waren und ich das Teil ja bei eBay ersteigert habe, dachte ich, dass ich die CD problemlos wieder einstellen kann. Ich fühlte mich also zunächst im Recht und schaltete deswegen einen Anwalt ein. Der war ebenfalls der Meinung, dass ich nichts Unrechtes getan hätte und legte Widerspruch ein. Daraufhin fühlte sich das MAIDEN-Management wohl richtig angepisst und brachte die Sache vor ein Hamburger Gericht. Jetzt sollte ich einen „Schadensersatz“ in Höhe von ungefähr 5000 Euro zahlen. Der Richter fand dies zum Glück jedoch völlig überzogen. Zudem war er der Meinung, dass keinerlei Hinweise bestünden, dass ich „professioneller“ Bootleghändler bin. Die besagte CD wurde jedoch klar als Bootleg deklariert, welches ich auch entsprechend der eBay-Richtlinien nicht hätte anbieten dürfen. Am Ende musste ich also ein Verwarngeld sowie anteilige Gerichtskosten zahlen, was mich ca. 1000 Euro gekostet hat. Und das alles wegen einem jämmerlich klingenden Bootleg…

Hier auch nochmal in vertonter Form:

Hast du in irgendeiner Form versucht Kontakt mit der Band aufzunehmen?

Die Band direkt zu kontaktieren, hab ich gar nicht erst versucht. Ich hab den Vorfall jedoch in einer ausführlichen Mail dem ROCK HARD mitgeteilt, weil ich mal wissen wollte, ob die etwas darüber wissen, wie es sich mit diesen „halb offiziellen“ LIVE USA-CDs verhält. Natürlich auch mit der Frage, ob das ROCK HARD diesbezüglich mal bei der Band nachhaken kann. Schließlich tönte MAIDEN-Mastermind Steve Harris früher laufend in Interviews, dass er nichts gegen Bootlegs hat und sie sogar selbst sammelt. Das ROCK HARD leitete meine Mail dann tatsächlich ans Management weiter, druckte es jedoch leider auch in einer Ausgabe als Leserbrief ab, prompt gefolgt von einer Antwort des MAIDEN-Anwalts. Hierbei erklärte mir der gute Mann, dass die LIVE USA-CDs definitiv unautorisierte Veröffentlichungen sind und deren Verkauf verboten ist. Im Anschluss meinte der Penner jedoch, dass ich auf keinen Fall ein echter MAIDEN-Fan sein könnte, da ein solcher ja schließlich wüsste, ob er es mit einem Bootleg zu tun hat und sich sowas niemals in seine Sammlung stellen würde, da er damit ja „seiner“ Band nur schadet. Der Arsch sollte sich mal meine MAIDEN-Sammlung angucken! Da stehen fast alle offiziellen Veröffentlichungen (inkl. Singles, Boxsets etc.), die je herausgebracht wurden! Zudem bezeichnete er noch die von mir angegebenen Abmahn-Summen als falsch und wollte die ganze Geschichte herunterspielen. Da war ich zunächst ziemlich angepisst, sah jedoch schnell ein, dass ich die Sache lieber dabei belassen sollte, da ich eh am kleineren Hebel sitze.

15536633_1451893504822671_1376445314_o
Leserbrief Teil 1

Hat sich deine Meinung gegenüber IRON MAIDEN nach diesem Vorfall geändert?

Nach der ganzen Geschichte war ich mir erstmal sicher, nie wieder einen Cent für die Band auszugeben. Die ganze
Aufregung hat sich mittlerweile komplett gelegt. Trotzdem muss ich noch heute beim Hören von MAIDEN-Scheiben automatisch an das ganze Theater denken. Mich würde aber echt mal interessieren, ob die Band selbst  eigentlich über diese ganzen Machenschaften Bescheid weiß, oder ob das Management solche Sachen ohne Absprachen durchzieht? Klar kann ich verstehen, dass Künstler gegen Bootleg-Handel vorgehen. Zumindest, wenn er in großem Stil stattfindet. Schließlich bereichern sich hier Leute an fremdem Eigentum. Aber echte Fans für den Austausch von Liveaufnahmen so abzustrafen, finde ich nicht angemessen.

Achtest du mittlerweile gezielter darauf originale Platten zu erwerben oder kaufst und verkaufst du weiterhin worauf du Lust und Laune hast?

Da ich schon etwas länger Tonträger sammle, weiß ich natürlich, ob es sich um einen Bootleg handelt, oder nicht. Der Vorfall hindert mich natürlich nicht daran, weiterhin entsprechende Scheiben diverser Bands zu erwerben. Also falls jemand, der das hier liest, ACCEPT-Bootlegs loswerden will …
Da ich mir Platten in der Regel kaufe, um sie auch zu behalten, muss ich da auch nicht drauf achten, ob es sich um eine offizielle Veröffentlichung handelt. Obwohl: Bei eBay würde ich wohl keine Bootlegs mehr anbieten …

Auf wen hast du nach diesem Vorfall am meisten Wut? Die Fälscher, die Band, das Management, die Anwälte oder dich selbst?

Gute Frage! Hauptsächlich wohl auf die Anwälte beider Seiten. Auf meinen, weil er mich offensichtlich ohne jegliche
fachliche Kompetenz falsch beraten hat. Auf den anderen, weil er ein ziemlich arrogantes Arschloch ist. Das MAIDEN-Management ist mir seitdem auch nicht unbedingt sympathischer geworden.

Leserbrief Teil 2
Leserbrief Teil 2

Ihr seht also, dass beim Thema Fälschungen allerhöchste Vorsicht geboten ist. Selbst wenn euch gefälschte CDs nicht gefallen, stellt sie keinesfalls bei eBay zum Verkauf ein. Die Anwälte der Szenegrößen haben ihre Augen überall und werden auch dich erwischen! Ich denke, dass Ratte in diesem Fall noch relativ glimpflich davongekommen ist. Ich kann mir kaum vorstellen, dass man 7 Jahre nach diesem Urteil mit 1000 Euro Strafe davonkommt. Gibt es aktuelle Fälle von denen ihr wisst?


Du liest diesen Beitrag, weil unsere Autoren lieben, was sie tun - wenn du ihre Arbeit liebst, kannst du uns, wie andere schon, unterstützen. Wie? Mit einem kleinen monatlichen Beitrag über silence-magazin@patreon Patreon
Vorheriger Beitrag

Entrapment - der nötige Befreiungsschlag

Nächster Beitrag

Ist das noch Black Metal? - LUX DIVINA

4 Kommentare

  1. Robin
    19. Dezember 2016 bei 20:10 — Antworten

    Schon ne interessante Story.
    Ich achte auch immer darauf dat nur Original CD’s und Platten in meine Sammlung kommen. Selbiges gilt auch für Patches.
    \M/

  2. René Jauernik
    19. Dezember 2016 bei 17:53 — Antworten

    Kleine Korrektur zum Artikel, lieber Don Promillo: Die Sache ereignete sich 2009. Das macht´s aber auch nicht besser!

    Ratte

    • Don Promillo
      19. Dezember 2016 bei 19:14 — Antworten

      Wurde umgehend geändert! Ich will ja nicht wegen Tatsachenverdrehung von dir verklagt werden 😉

      • Ratte
        20. Dezember 2016 bei 0:04

        Zu spät, meiner! Hab Dich schon beim MAIDEN-Management verpetzt! Wegen gebootlegter Jahreszahlen!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.