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Eruptiv und gewaltig! Gojira – Magma

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GOJIRA – „Magma“
Veröffentlichungsdatum: 17.6.2016
Dauer: 43:56
Label: Roadrunner Records

GOJIRA sind wieder da! Drei Jahre nach dem letzten Output „L’Enfant Sauvage“ lassen die Duplantier Brüder und ihre beiden Mitstreiter ihr bereits sechstes Album auf die Menschheit los. Eigens dafür haben sich die Jungs in New York mit bloßen Händen ihr eigenes „Silver Cord Studio“ errichtet. Und das hat sich offenbar gelohnt, denn „Magma“ kann einiges!

Bereits nach wenigen Sekunden des Openers „The Shooting Star“ wird einem jeden unweigerlich und unverwechselbar klar, wer hier durch die Boxen schallt. Der Song ist eher schleppend bis sphärisch und baut sich langsam, aber unaufhörlich zu unfassbarer Größe auf. Nicht völlig ohne Härte, aber doch wesentlich seichter, als man es von den Jungs sonst kennt.
Was das Eröffnungsstück an Brutalität missen lässt, bringt dann der bereits vorab veröffentlichte Übersong „Silvera“ mit sich. Hier wird ein Brett abgeliefert, welches schon nach wenigen Hördurchläufen klarstellt, dass es das Ohr so schnell nicht wieder verlassen wird. Gut so! Wem der Song nicht reicht, der sollte sich auf jeden Fall auch das dazugehörige Video ansehen! Dieses entkommt zum Glück vielen Metalklischees und schafft es als eines von (in letzter Zeit nur) wenigen, das Gefühl zu vermitteln, nicht alles schon tausendfach gesehen zu haben.

Das darauffolgende „The Cell“ ist deutlich ärmer an Höhepunkten und bleibt so auch weitaus weniger hängen. Kein schlechter Song, aber alles in allem eher Durchschnitt, nicht mehr, nicht weniger.

Auch „Stranded“ wurde bereits vorab veröffentlicht und offenbart vor allen Dingen, dass sich Joe ein Pitch Shifter Pedal zugelegt haben muss, welches noch öfters zu hören sein wird. Bis zu diesem Punkt der Platte weiß man bereits: alle Trademarks sind wieder vertreten, die guten, wie die schlechten. Denn GOJIRA lösen nach wie vor selten auf, weder tonal, noch rhythmisch. Vier bis acht Wiederholungen pro Riff, ohne dass dabei ne Variation eingebaut werden würde, sind für die Jungs total okay. Das führt im schlimmsten Falle aber auch zu Längen. Besonders, wenn man ne kurze Aufmerksamkeitsspanne hat. Das kann wunderbar funktionieren, muss es aber nicht. Groß wird’s dann, wenn, wie in „Stranded“ ein Songpart dadurch aufgewertet wird, dass über ihm in feinster Post Manier weitere Gitarrenlinien geschichtet werden. Allerdings ist dieses Stück sowohl Positiv- als auch Negativbeispiel, denn das Intro schleppt sich gefühlt ewig hin…

Das kurze Zwischenspiel „Yellow Stone“ erzielt danach, zumindest für mich, kaum einen Effekt. Außer vielleicht an „Iron Man“ von BLACK SABBATH zu erinnern. Hätte ich nicht gebraucht, stört aber auch nicht extraordinär.

Der anschließende Titelsong wird von einer atmosphärischen Obertonmelodie getragen, welche jedoch erstmal ne Weile braucht, bis sie sich Zugang ins Ohr verschafft. Der Gesang ist besonders im Refrain unfassbar stimmungsvoll. Joe steht wie immer über allem, was jedoch besonders positiv auffällt ist, dass er alle denkbaren Facetten, die seine Stimme zu bieten hat, einzusetzen versucht. Auch die Riffs zünden sofort, wobei sie an den „The Way Of All Flesh“ Opener „Oroborus“ erinnern.

Gojira Silvera Videoshoot

 

Man sagt im Schützengraben gäbe es keine Atheisten, und so ist der siebente Titel treffender Weise mit „Pray“ betitelt. Der Einstieg lässt mich irgendwie an SEPULTURA denken, bevor eine unfassbare (UN!!!FASS!!!BARE!!!) Walze losbricht! Für mich definitiv einer der Höhepunkte auf der Platte!

Das folgende „Only Pain“ bricht qualitativ dann wieder etwas ein, bleibt aber wie „The Cell“ durchschnittlich.

Das letzte wirkliche Stück „Low Lands“ ist dann nochmal ganz groß! Joe erinnert gesanglich zuweilen an Jon Howard von THREAT SIGNAL, während der Song schleppend vor sich hinmäandert um sich zum Ende nochmal aufzubäumen. Was die Band jedoch mit dem Plattenoutro „Liberation“ bezwecken möchte, ist mir schleierhaft. Denn dieser passt so gar nicht in das Albumgefüge und wirkt wie ein Fremdkörper bzw. ein Stück einer anderen Band.

Die Franzosen waren für mich immer eine Band, die mich zwar packten, das jedoch selten über eine komplette Plattenlänge aufrecht erhalten konnten. Das ist auch bei „Magma“ nicht anders. Dennoch beherbergt das sechste Album neben einigem Füllmaterial auch ein paar der wohl besten Songs, die GOJIRA bis heute geschrieben haben!

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Bild mit freundlicher Genehmigung von Gabrielle Duplantier

Autorenbewertung

7
GOJIRA klingen 2016 immernoch frisch, innovativ und vor allem nach sich! Das schließt zwar auch einige Schwächen ein, wer bislang aber Fan der Band war, wird es auch mit diesem Album bleiben.
ø 3.5 / 5 bei 15 Benutzerbewertungen
7 / 10 Punkten

Vorteile

+ sechs starke bis sehr starke Songs
+ facettenreicher Gesang
+ gute Produktion

Nachteile

- zwei Songs sind völlig überflüssig
- zwei weitere eher schwach

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3 Kommentare

  1. maxime
    21. Juni 2016 bei 20:07 — Antworten

    soweit ich weiss ist liberation eine improvisation die die zwei breuder gemacht haben. Man sagt das sie es zu ehren ihrer verstorbenen Mutter gemacht haben weil sie so traurig wahren, ich denke man sollte es nicht umbedingt als einen richtigen song von gojira nemen sonder einfach zwei brueder die mit musik an ihre mutter denken.
    Aber sonst super review, super arbeit an alle von silence

  2. Nico
    20. Juni 2016 bei 18:15 — Antworten

    Hey, sehr schönes review, stimme vor allem in vielen Punkten überein. Würde mich auch sehr freuen wenn in nächster Zeit mal was zur „neuen“ Devildriver Platte kommen würde. Ist zwar schon ein Weilchen her, aber meiner Meinung nach definitiv ne Erwähnung wert !

    • Robert
      20. Juni 2016 bei 22:25 — Antworten

      Vielen Dank! =)
      Da müssen wir mal sehen… Kommt Zeit, kommt Rat. Ich bin bei Devildriver seit „Pray For Villians“ völlig raus.

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