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Musik als Beziehungskriterium?

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Selbst in Zeiten, in denen gesellschaftliche Konventionen wie die traditionelle Ehe oder die Zeugung eines Kindes zunehmend an Bedeutung verlieren, suchen noch immer viele Menschen das große Glück in der Liebe. Im besten Fall hält eine glückliche Beziehung für Jahrzehnte oder gar ein Leben lang. Doch bevor überhaupt an eine langfristige Beziehung zu denken ist, muss der richtige Partner erst einmal gefunden werden. Die Anforderungen an den Traumpartner sind unterschiedlich: gutes Aussehen, Humor, Intelligenz, Hilfsbereitschaft – und vielleicht ein guter Musikgeschmack? In der Vergangenheit beschäftigte mich die Frage der Partnerwahl in der Metalszene bereits des Öfteren, da auch ich entscheiden musste, welche Rolle die Musik einer potenziellen Partnerin in einer gemeinsamen Beziehung spielen kann. Da mich brennend interessierte, wie diese Entscheidung im Leben anderer wohl ausfallen würde, habe ich mich ein wenig umgehört und meine Schlüsse gezogen…

 

Wen interessiert schon die Musik?

Die Antwort darauf lautet: Offenbar einige! Nicht ohne Grund existieren eigene Kontaktbörsen für die Metalszene – als Paradebeispiel sei hier Metalflirt erwähnt. Egal ist der Musikgeschmack vielen zumindest nicht, denn wie sonst ließen sich täglich dutzende Anmeldungen auf besagten Seiten erklären, wo das Internet doch vor alternativen Portalen beinahe überquillt? Woher ich von der regen Nutzung dieser Seiten weiß? Natürlich hat mir ein Freund davon erzählt, was wohl sonst!

Bereits an dieser Stelle befinde ich, dass sich meine erste These bewahrheitet hat: Der Musikgeschmack HAT einen potenziellen Einfluss auf die Partnerwahl und bietet einen ersten Ansatzpunkt für eben diese. Denn wenn sich eine Seite gerade durch ein spezielles Merkmal von anderen derselben Art abhebt und sich zudem großer Beliebtheit erfreut, muss gerade dieses Alleinstellungsmerkmal den Anreiz ausmachen, hier nach einem Partner zu suchen und nicht auf eine andere (größere) Seite auszuweichen.

„Must Have“ oder „Nice To Have“?

Fraglich bleibt, in welchem Umfang sich der Musikgeschmack bei der Partnerwahl äußert. Denn wer den Musikgeschmack als einzelnen Ansatzpunkt bei der Partnersuche nutzt, muss diesen noch längst nicht zur obersten Priorität machen. Über einen Punkt herrscht zumindest in meinem Umfeld weitgehend Konsens: Der Musikgeschmack spielt eine wichtige Rolle. Was den genauen Stellenwert dessen angeht, scheiden sich die Geister allerdings.

Einigkeit herrscht darüber, dass es ein ungemeiner Vorteil ist, in einer Partnerschaft mit übereinstimmendem Musikgeschmack zu leben. Während der eine dies aber nur als kleinen Pluspunkt sieht, ist es für den anderen von viel größerer Bedeutung. Mehrere Leute haben mir mitgeteilt, es sei zwar schön, denselben Musikgeschmack zu haben, im Grunde ist es aber von eher geringer Bedeutung für eine längerfristige Partnerschaft. Insbesondere ein Kollege, der dieser Ansicht ist, hat mich mit seinem Statement zum Nachdenken gebracht. Während er vor einigen Jahren noch vermehrt auf den Musikgeschmack achtete, habe dies im Laufe der Jahre immer mehr nachgelassen und sei mittlerweile von geringer Bedeutung.

Ich komme nicht umhin, mich zu fragen: Ist der Musikgeschmack als Beziehungskriterium ein Luxus, den sich nur diejenigen leisten können, die bisher wenig mit charakterschwachen Menschen verkehrt haben oder aufgrund der geringen Lebenserfahrung übersteigerten Wert auf Lappalien legen? Oder handelt es sich um eine individuelle Charakterfrage, unabhängig von anderen Kriterien, die man bei der Partnerwahl berücksichtigt?

Die Kernaussage obig erwähnter Personen lautet: Fehlende Übereinstimmungen im Musikgeschmack sind nicht allzu wichtig und leicht zu überwinden. Während ich mich in meinem Umfeld umgehört habe, bin ich allerdings zu der Erkenntnis gelangt, dass der Musikgeschmack für die meisten von größerer Bedeutung ist.

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Mehr als eine Lappalie

Die Vorteile liegen auf der Hand: Mehr gemeinsame Unternehmungen durch gemeinsame Konzert- und Festivalbesuche, ein gemeinsames Umfeld durch Freunde in der Szene, ein gemeinsames Hobby. Es ist daher natürlich unheimlich praktisch, einen Partner zu haben, der die eigenen Präferenzen teilt. Und da der beziehungssuchende Mensch für gewöhnlich eine möglichst reibungslose Beziehung führen will, in der bestenfalls kaum Kompromisse von Nöten sind, wird ein potenzieller Partner mit übereinstimmenden Ansichten grundsätzlich mit der sprichwörtlichen Kusshand genommen.

Aber was ist, wenn man nun doch sein Herz an eine Person verliert, die der Musik so gar nichts abgewinnen kann? Eins steht wohl fest: Für jeden, der eigentlich Wert auf den Musikgeschmack des Partners legt, ist das alles andere als optimal. Doch es gibt ein schönes Sprichwort, das an dieser Stelle auf fast jeden zutrifft, den ich gefragt habe: „Liebe kennt keine Grenzen.“ Klingt romantisch, nicht? Für einen Partner, der ansonsten in allen Belangen perfekt zu einem passt und das eigene Leben ergänzt wie niemand sonst, geht man gern Kompromisse ein oder gibt sogar Dinge auf, die einem wichtig sind. Nur die wenigsten wagen, die Musik tatsächlich zum Ausschlusskriterium in Sachen Partnerschaft zu machen.

Doch es kommt vor: Es gibt Menschen, die sich nicht auf einen Partner einlassen, der den eigenen Musikgeschmack nicht teilt. Auch ich gehöre dazu. Und ich will euch auch verraten, warum das so ist.

 

Je wichtiger die Musik für dich ist, desto wichtiger ist sie auch bei der Partnerwahl!

Es mag möglich sein, über Differenzen hinwegzusehen, wenn es sich um eher nebensächliche Bereiche des eigenen Lebens handelt. Auch derjenige, dessen großes Hobby die Musik ist, wird für den richtigen Partner Kompromisse schließen können.

Doch was ist, wenn die Musik für dich mehr ist als nur ein Hobby von vielen?

Wer seine eigene Passion entdeckt hat, sich dieser völlig hingibt und ihr in seinem eigenen Leben eine zentrale Bedeutung zukommen lässt, wird wissen, wie erfüllend es ist, seine freie Zeit besagter Leidenschaft zu widmen. Es beginnt mit einer anfänglichen Faszination für das Thema. Diese weicht rasch einer zunehmenden Begeisterung, welche – einmal entfacht – nur schwerlich wieder zu beseitigen ist. Hingebungsvoll investiert man voller Euphorie viel Zeit darin, das Thema zu ergründen. Man entdeckt neue Seiten. Beginnt, sich selbst zu engagieren und an Projekten mitzuwirken. Investiert viel Herzblut, um etwas Eigenes zu schaffen und sich selbst zu verwirklichen. Man geht völlig in dem auf, was man tut.

Wie soll man eine solche Leidenschaft damit vereinbaren können, dass sich der eigene Partner – also idealerweise der Mensch, der einem am nächsten steht – einfach nicht dafür erwärmen kann und das eigene Interesse im schlimmsten Fall gänzlich ablehnt?

Die harte Wahrheit

Meine Antwort lautet: Es lässt sich nicht vereinbaren. Wer wirklich so sehr für das lebt, was er tut, muss dies mit seinem Partner teilen können. Ich persönlich will mich jeden Tag mitteilen, wenn ich einen fantastischen neuen Song entdeckt habe oder mich freue, dass auf einem meiner Lieblingsfestivals Band XY spielt, die ich so sehr liebe. Ich will die schönsten Konzertmomente mit meiner Partnerin teilen. Und natürlich will ich Diskussionen über das Thema mit ihr führen können. Deshalb muss meine Partnerin die Begeisterung verstehen und damit umgehen können. Es gibt kaum einen frustrierenderen Gedanken, als mir vorzustellen, wie ich ihr in beinahe kindlicher Freude von den Dingen berichte, die mich in der Szene gerade bewegen, und als Antwort nur ein desinteressiertes Schulterzucken entgegnet wird. Auf Dauer würde mich das todunglücklich machen.

All das, was ich eben schrieb, gilt natürlich nur für jene, die wirklich für die Musik leben.

Wer Musik nur als nebensächliches Hobby betrachtet, wird ihr auch in der Partnerwahl nie denselben Stellenwert beimessen, wie es jemand tun würde, für den die Musik mehr ist als das. Ein Kollege, der meine Meinung teilt, beschrieb es sehr treffend: „Egal was du machst, es umgibt dich den ganzen Tag. Es ist eine Lebenseinstellung.“ Wer als mein Partner Teil meines Lebens sein will, muss ähnlich fühlen wie ich. Muss die Faszination verstehen. Muss sich für das begeistern können, wofür ich mich begeistere. Liegt es anders, kann auf Dauer keiner von uns glücklich werden. Doch gerade das sollte das Ziel einer Beziehung sein: Fortwährendes Glück.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Alexander Prinz

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8 Kommentare

  1. Janus
    30. Oktober 2016 bei 7:50 — Antworten

    Sehr schöner Text, allerdings halte ich es für etwas unglücklich ausgedrückt, wenn du schreibst, dass Musik dann zum absoluten Ausschlusskriterium wird, wenn man wirklich für die Musik lebt. Es kann doch durchaus sein, dass Menschen, die ihr Leben zum Großteil mit der Metalszene ausfüllen mit einem Partner glücklich sind, der mit der Szene nichts anfangen kann. Aber nach deiner Formulierung würde diese Person dann eben einfach nicht wirklich für die Musik leben, denn sonst könnte das mit der Partnerin ja gar nicht klappen. Und das fände ich etwas vermessen.

  2. Alexander
    26. Oktober 2016 bei 19:49 — Antworten

    Jo,

    also mir hat eher der gemeinsame Hang zu härterer Musik beim Kennenlernen meiner jetzigen Freundin (bald 4 jähriges) geholfen, danach ist es – denke ich – für mich eher nebensächlich, weil wir sonst grundlegend verschiedene Interessen haben (Sport etc).

    Also abschließend bin ich der Meinung, dass es eher hilft „das Eis zu brechen“ anstatt die Beziehung am Laufen zu halten. Nach dem Motto: „Oh du warst auch bei XYZ, wie hastes du denn gefunden?“

    Grüße, Alex

  3. Steffi U
    23. Oktober 2016 bei 21:43 — Antworten

    Super Artikel, schön zu lesen! Ich denke genauso. Ich hatte in der Vergangenheit eigentlich nie Partner, die nicht irgendetwas mit dem Metal zutunhatten. Allerdings sind die Beziehungen mit denen, die Szene oder Musik nur tangierten, tatsächlich auch dadurch in die Brüche gegangen, dass sie sich trotzdem entweder mit den Festivals oder mit den Leuten aus der Szene nicht identifizieren konnten und die Auseinandersetzungen überhand nahmen. Jetzt habe ich jemanden gefunden, mit dem ich selbst im Metal die meisten Geschmäcker teile und es ist wundervoll. Den Stellenwert gemeinsamer Interessen übersieht man oft gern im ersten Moment, im Nachhinein stellt er sich jedoch heraus, dass es nur Balsam für die Beziehung ist.

  4. Maja
    22. Oktober 2016 bei 10:05 — Antworten

    Gut geschrieben,
    interessant wäre, in die Zukunft zu schauen, wie der Standpunkt in 20 Jahren ist. Eine Partnerschaft ist immer eine Toleranz/Kompromissbereitschaft! Ist der Musikgeschmack offener und von Neugierde geprägt, kann man auch mit jenen glücklich werden, die mit der Szene vorher nicht in Kontakt gekommen sind, es gibt ja Lernfähige. Mit dem Alter, lernt man ebenfalls zu schätzen, dass man nicht 24 Stunden auf einander hängen muss, aber man sollte sich schon etwas für die Musik/Freizeitaktivitäten erwärmen können und sich ggf. hier ergänzen/ tolerieren. Auch der Metal/Rock hat viele Varianzen, die einem bei Dauerbeschallung schon mal nerven können. Spätestens, wenn Kinder deine Partnerschaft erobern, musst du dich eingrenzen können und Prioritäten setzen bis du zum späteren Zeitpunkt den Nachwuchs zum Konzert/Festival ggf. mitnehmen kannst. Die Musik ist die Würze, aber für Partnerschaftsfähige nicht das Kriterium!

  5. René
    21. Oktober 2016 bei 18:08 — Antworten

    Du hast hier exakt das niedergeschrieben, was ich mir selbst nicht so richtig über mich selbst zusammenreimen konnte. Ich kann mich voll und ganz mit deinem Text identifizieren.
    Super geschrieben, Danke Lukas, Danke Silence!

  6. Katrin
    21. Oktober 2016 bei 16:18 — Antworten

    Gut geschrieben! 🙂

  7. Madlin
    21. Oktober 2016 bei 14:37 — Antworten

    Echt gut, mag die differenzierte Sichtweise, also dass du nicht einfach sagst „Musik ist wichtig/nicht wichtig für die Partnerwahl“ sondern auch auf die Menschen dahinter eingehst
    Liebe Grüße, freue mich auf deine nächsten Artikel

  8. 21. Oktober 2016 bei 11:11 — Antworten

    Top Artikel, mir gefällt vorallem die Struktur.
    Mein Lob dafür 🙂
    Liebe Grüße,
    Aaron

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