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Wenn Platon auf Symphonic-Metal trifft – The Holographic Principle

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EPICA – The Holographic Principle
Veröffentlichungsdatum: 30.09.2016
Dauer: 72:03
Label: Nuclear Blast Records

 

Viele Leute außerhalb des Metal sehen diesen meist als facettenlos, brutal und inhaltsarm an. Was man dann zu hören bekommt sind Sätze wie „Das ist doch nur dieses brutale Geschrei!“,“Da geht’s doch eh nur darum, wie Leute umgebracht und Kirchen verbrannt werden!“, oder „Das ist nur sinnloses Gitarrengeschrammel ohne Rhythmus!“. Wie wir alle wissen, stimmt das nicht so ganz, aber wenn ihr in einem Argument mit dieser Art Mensch gefangen seid, lohnt es sich, ihnen das neue Album der Niederländer von EPICA zu zeigen.

Mit ihrer neuen Platte „The Holographic Principle“ legen sie nämlich noch einmal einen drauf. Sie werden noch epischer, härter und vor allem philosophischer. Doch kann das mittlerweile siebte Studioalbum als Gesamtkomposition punkten? Lest selbst!

 

„Inception“ lässt grüßen

Der Langspieler beginnt zunächst mit dem aus Christopher Nolans „Inception“ bekannten „Brumm“-Sound, was direkt zeigt, was EPICAs Inspiration war. Die Platte nimmt nämlich das Thema des Filmes auf: Virtuelle Realitäten, Traumwelten und Hologramme. Dabei wird die Thematik jedoch nicht nur von der Stange erzählt, sondern man setzt sich tatsächlich sehr kritisch damit auseinander. Man wird hier zum Nachdenken angeregt. Was ist Realität, was nicht? Träumen wir nur? Fans des Philosophen Platon werden sich hier wohlfühlen.

Nach dem „Inception“-Orchester-Intro legt „The Holographic Principle“ mit einem fetten Knall in Form von „Edge of the Blade“ los, gefolgt vom Staccato-Hit „A Phantasmic Parade“, welcher spätestens jetzt zeigt, in welche Richtung das Album geht. Zwar war EPICA schon immer ein wenig härter als andere Bands im Bereich des Symphonic-Metal, jedoch ist auch hier eine deutliche Steigerung im Vergleich zum direkten Vorgänger „The Quantum Enigma“ zu hören. Immer wieder lassen sich für die Holländer typisch Duette zwischen Simone Simons‘ weiblichem Cleangesang und Mark Jansens Growls finden – eine Mischung, die in meinen Augen allein im Gesangsbereich die Konkurrenz von NIGHTWISH alt aussehen lässt.

 

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Abwechslungsreichtum und doch nichts Neues

Doch nicht nur hier glänzt die Platte in puncto „Abwechslungsreichtum“. Insgesamt strotzt das Album nur davor. Während in „Divide and Conquer“ die für den Symphonic-Metal typischen Bombast-Orchestermelodien und Chöre zu hören sind, wird es in „Ascension – The Dream State Armageddon“ düster und mit „Beyond The Matrix“ wiederum wird eine Ohrwurmhymne präsentiert.  Den Höhepunkt bildet für mich jedoch nicht etwa einer der treibenden Songs, wie „Edge of the Blade“, oder das vorab veröffentlichte „Universal Death Squad“. Nein! Es ist der wohl ruhigste Titel! Dieser hört auf den Namen „Once Upon A Nightmare“. Gleichzeitig ist dieser der wohl verspielteste Song und somit insgesamt ein starker Gegensatz zum vergleichsweise doch sehr harten Rest.

Bei all der Abwechslung innerhalb des Albums muss jedoch ein gravierender Wermutstropfen erwähnt werden. Innovation scheint Mangelware zu sein, doch das war nie EPICAs Stärke. Meist nehmen sie, was schon da ist und puzzeln es sich zu ihrem eigenen Stil zusammen. Dieser variiert zwar mal mehr, mal weniger aus dem Symphonic-Metal-Gerüst mit ein paar Thrash-, Death- und Prog-Elementen. Ein wirkliches Experiment wird aber nicht gewagt.

 

 

Somit lässt sich zusammenfassend sagen, dass „The Holographic Principle“ hauptsächlich als Steigerung des Vorgängers „The Quantum Enigma“ zu sehen ist. „Höher, schneller, weiter“ ist hier die Devise. Das Album wird auch nach mehrfachem Durchhören durch größtenteils mangelnde Abwechslungsreichtums-Armut nicht langweilig – zumal das Thema vor allem in Zeiten von Virtueller Realität und künstlichen Intelligenzen aktueller denn je erscheint. Auch wenn EPICA das Rad nicht neu erfinden, so gibt es von mir eine Kaufempfehlung für diejenigen unter euch, die den Vorgänger schon gut fanden, NIGHTWISH nicht hart genug finden, oder einfach Fans von Christopher Nolans „Inception“, sowie der „Matrix“-Reihe.

 

Bild mit freundlicher Genehmigung von Epica.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Epica

Autorenbewertung

7
EPICA erfinden das Rad bei Weitem nicht neu. Mal hier etwas Death-Metal, dort etwas Progressive-Material uns hin und wieder auch mal ein paar fernöstliche Töne. Dafür ist für ordentlich Abwechslung beim Anhören gesorgt, wodurch "The Holographic Principle" zum Einen dank der hochphilosophischen Thematik für lange Nachdenk-Sitzungen geeignet ist, zum Anderen aber auch für das kurzweilige Hörvergnügen zwischendurch.
ø 4.5 / 5 bei 4 Benutzerbewertungen
7 / 10 Punkten

Vorteile

+ Spannende Thematik
+ großer Abwechslungsreichtum
+ sehr gute Produktion
+ noch härterer Sound als bisher

Nachteile

- wenig musikalische Innovation

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