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Norwegisches Allerlei delikat serviert

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SHAMAN ELEPHANT – Crystals
Veröffentlichungsdatum: 09.12.2016
Dauer: 45:15 Min.
Label: Karisma Records
Stil: Psychedelic Rock

Ja, auch 2016 stand mal wieder voll und ganz im Zeichen des Retrorocks. Zahlreiche namhafte Bands und etliche Newcomer haben bewiesen, dass der alte verträumte Sound einfach zeitlos ist und im Moment seinen zweiten Frühling durchlebt. Zu den letztgenannten kann man wohl auch SHAMAN ELEPHANT ohne Bedenken zählen. Die 4 jungen Herren aus dem norwegischen Bergen, welches nun nicht umbedingt für seine Hippie-Kommunen bekannt ist, haben gerade erst ihr Debütalbum “Crystals” auf den Markt losgelassen und können mich mit dem ein oder anderen musikalischem Experiment durchaus überraschen.

Losgelegt wird gleich mit dem Titeltrack “Crystals”, der mit einem sehr vielschichtigen Gesang eher ruhig startet, ehe man mit virtuoser Gitarrenarbeit durch den Song geleitet wird. Ja, gerade die Gitarrenarbeit fällt mir gleich positiv auf. Gesanglich reißt mich das Ganze noch nicht wirklich vom Hocker. Nach gut 4 Minuten dann ein Break. Der Gesang wird eingestellt und die Saitenfraktion bearbeitet ihre Instrumente im besten HENDRIX-Stil. Nach etwas über 8 Minuten kommt man dann auch zum Höhepunkt und somit dem Ende des Songs.

Puh, das war ja schon mal eine ordentliche Steilvorlage!

shaman-elephant-high

Weiter geht’s mit “Shaman In The Woods”. Wow, was für ein Gitarrensound! Die Saitenzupfer klimpern einen nur so in den Song hinein. Der Bassist mit seinem übergemütlichen Gezupfe tut sein übriges dazu. Ich gebe zu, dass der Gesang ruhig etwas kräftiger auf der Brust sein könnte, doch schon beim zweiten Track ist für mich klar, dass das Hauptaugenmerk auf der Instrumentalarbeit liegt.
Überraschend flott startet “IAB”. Gerade hab ich noch angesprochen, dass mir die Vocals etwas zu lasch sind und als ob ich erhört wurde, wird mir nun ein Song präsentiert, der mich auch gesanglich überzeugen kann. War er bisher noch ohne Wiedererkennungswert, haut der Sänger nun ordentlich einen raus. Wie ein wahnsinniger keift er in sein Mikro und serviert so, gepaart mit starker Gitarrenarbeit (ja, ich wiederhole mich!), reichlich Heavyness. Mit “Tusco” hat auch ein Instrumental den Weg auf das Debütalbum der Norweger gefunden. Unter dem Einsatz eines Klaviers, werde ich von diesem Stück aber eigentlich nur gelangweilt. Ein wirklicher Spannungsbogen ist für mich nicht erkennbar und das typische Fahrstuhlfeeling macht sich in mir breit.


Gerade als dieses Gefühl am Höhepunkt ist, reißen die Stahlseile des Lifts und “The Jazz” reißt mich mit seinem extrem doomigen Start in die Tiefe. Gut 2 Minuten dauert es, ehe der Song Fahrt aufnimmt. Mit der allseits beliebten Hammond Orgel und einem Gitarrensound, der unglaublich an Surfrock erinnert, grooven sich die Skandinavier durch den Titel, der mit einem viehischen Schrei seinen Höhepunkt erreicht. Um sich davon zu erholen, wird dann erstmal die Akustikgitarre ausgepackt und gerade als ich mich in Sicherheit wäge, werde ich von der vollen Doomwalze hinterrücks überrollt.
Mit “Stoned Conceptions” endet das Album dann auch schon wieder. Wenn es um Spannungsaufbau geht, haben die Norweger echt den Dreh gut raus. Gerade der Abschlusstrack ist ein Wechselbad der Gefühle. Ruhige Passage, gefolgt von jazzig-bluesigen Parts mit einem wahnsinnigen Sänger – ich glaube, das ist die beste Beschreibung für diesen Song, wenn nicht sogar für das ganze Album.

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Bild mit freundlicher Genehmigung von Shaman Elephant

Autorenbewertung

7
Ein wirklich starkes Debüt der 4 jungen Norweger. Hier trifft verrückter Psychedelic Rock auf den jugendlichen Wahnsinn. Die Jungs lassen sich überhaupt nicht durch Szenegrößen einschränken und zocken einfach worauf sie Bock haben. Natürlich ist noch nicht alles perfekt, aber ich bin gespannt, wie sich die Truppe entwickeln wird.
ø 3.9 / 5 bei 1 Benutzerbewertungen
7 / 10 Punkten

Vorteile

+ Sound
+ Cover
+ Albumlänge
+ Spielfreude der Saitenfraktion

Nachteile

- manche Parts könnten ausladender sein
- für den 08/15-Retrorocker wahrscheinlich zu experimentell
- erst beim dritten Song zeigt der Sänger sein Können

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