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VANORA – Wenn Norweger djenten

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VANORA – Momentum
Veröffentlichungsdatum: 01.09.2017
Dauer: 32:19 Min.
Label: Crime Records
Stil: Modern Metal/Djent

Norwegen und Metal. Welche Assoziationen hast du da? Ganz spontan. Black Metal, Satanismus, Kirchenbrände, Morde, Schnee, Wald, Nieten? Okay, vergiss das alles mal für einen Moment! Denn mit VANORA aus Oslo beweist die einheimische Metal-Szene, dass man auch in Trvewegen musikalisch längst im Jahr 2017 angekommen ist. „Momentum“ haben die fünf Musiker ihr Debütalbum getauft. Und der Name könnte kaum besser gewählt sein. Dürfte die Platte doch einige Ohren zum Schlackern bringen

Im Opener „Mask“ gehen die anfänglichen Ambient-Klänge nach gut 30 Sekunden in klares Saitengezupfe und ebenso klaren Gesang über. Vokalist Konrad Sandvik macht hier einen formidablen Job. Als der Song dann hart losrattert, stellt der Mann am Mikro auch seine Scream- und Growl-Qualitäten unter Beweis. In Sachen Volumen und Rauheit fühle ich mich z.T. an Briton Bond von WAGE WAR erinnert. Auf jeden Fall eine sehr wandel- und wunderbare Stimme! Auf der Instrumentalseite begleiten stets Synthesizer-Spuren die zeitgemäß heruntergestimmten, rhythmisch djentenden E-Gitarren. Was will man als Metal-Fan am Puls der Zeit mehr?

ALLES NUR GEKLAUT – VON MOZART UND ORWELL

Stilistisch liegen Vergleiche mit Bands wie NORTHLANETESSERACT, ANY GIVEN DAY oder stellenweise sogar BETWEEN THE BURIED AND ME nahe, wenngleich die insgesamt neun Songs auf „Momentum“ nie auf Überlänge heranwachsen. Was eigentlich schade ist, denn manche Ideen hätten durchaus einen weiteren Ausbau verdient gehabt. So bleiben die Lieder zwischen 4 und 5 Minuten, und sind damit kompakt und verhältnismäßig eingängig. Gibts ja auch nix dran auszusetzen.

Die Synthies ziehen sich als Stimmungselement durch das gesamte Album und erzeugen so eine gewisse Erhabenheit. Im Track „Requiem“ bedienten sich VANORA übrigens, nach eigener Aussage, musikalisch schamlos an Mozarts „Requiem in D-Moll (K.626)“ – jedoch „with a sense of humour“, wie sie im Booklet feststellen. Die Stelle ist unschwer herauszuhören und setzt im Kontrast zum sie umgebenden Modern-Metal-Wutausbruch einen interessanten Klangakzent. Für den Text zu „The Hand That Feeds“ diente hingegen George Orwells „1984“ als Quelle. Aufgrund der Aktualität der berühmten Dystopie, laut Band allerdings hier ganz ohne Humor. Kann man so nur unterschreiben.

VANORA LAUFEN ZU HÖCHSTFORM AUF

„Laughing Windows“ trampelt dann direkt mit tonnenschweren Breakdown-Stiefeln um die Ecke. Hier kracht es ordentlich im Gebälk. Dazu die Lyrics „Feels like a thousand tons weighing on your chest“ – der Hammer! Dann eine wunderbare Melodie über einem klassischen Djent-Fundament, was in einen cleanen Refrain mündet – der Oberhammer! Hier steckt so viel Wucht und Energie drin, aber auch zugleich so viel Abwechslung, dass es eine absolute Freude ist. Mit dem ruhigen, aber dennoch beschwingten Schlussteil pflanzen VANORA das letzte Steinchen in dieses herrliche Klangmosaik. Für mich der beste Song auf „Momentum“. Sofort reinhören!

„Poles Apart“ und der Bonustrack „Pariah“ führen die Erfolgsformel des Albums konsequent bis zum Schluss fort. Mitunter dürften die Synthies ruhig mal noch in andere Klangfarben hinüberdriften, doch ist das Jammern auf hohem Niveau. Allein der Klargesang-Part in „Poles Apart“ legt solch emotionalen Tiefgang an den Tag, dass man über gewisse Wiederholungen gerne hinweg sieht. Vor allem, da die Gitarren in „Pariah“ umso interessanter losriffen. Hier hätten VANORA eventuell sogar komplett auf Gesang verzichten können, denn der Song würde auch das Potenzial zu einem spannenden Instrumental in sich tragen. Aber sei es drum. Schließlich zählen die Vocals zu den größten Stärken des Albums, also immer her damit!

VANORA bei Facebook und Bandcamp

Autorenbewertung

8
Mit "Momentum" haben VANORA ein bockstarkes Debütalbum rausgezimmert. Fans von NORTHLANE oder TESSERACT dürften an dem Zusammenspiel von cleanen und rauen Vocals, rhythmischen Gitarrenriffs, Melodien und Synthie-Klängen schnell Gefallen finden. Definitiv eine Band, deren Werdegang ich verfolgen werde! Vielleicht basteln VANORA für ihr nächstes Album ja auch mal an ein, zwei noch längeren Songs, das würde mir sehr gefallen. Das Potenzial hätten sie.
ø 0 / 5 bei 0 Benutzerbewertungen
8 / 10 Punkten

Vorteile

+ astreiner Sound
+ grandiose Vocals
+ atmosphärische Synthies
+ gute Lyrics
+ Balance zwischen Härte und Eingängigkeit
+ kein schwacher Song

Nachteile

- fast ein bisschen kurz
- manche Ideen könnten noch weiter ausgeführt werden

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